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Gewildertes Tier im Wallis «Die Politik betrachtet den Wolf als Luxusproblem»

Legende: Audio Für und Wider den Wolf in der Schweiz abspielen.
3:12 min, aus Rendez-vous vom 20.02.2017.
  • Obwohl es auch in anderen Regionen immer mehr Wölfe gibt, ist der Widerstand gegen das Grossraubtier nirgendwo so hoch wie im Wallis.
  • Am Wochenende ist dort ein Wolf illegal getötet worden.
  • In der ganzen Schweiz wird derzeit über eine Lockerung des Wolfsschutzes diskutiert, doch Gegner und Befürworter stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Der illegale Abschuss eines Wolfs im Wallis stösst in der Schweiz auf Kritik. Kein Pardon zeigt David Gerke, Präsident der «Gruppe Wolf Schweiz».

Es ist bedauerlich, weil der Wolf eine einheimische Tierart ist, die hierher gehört. Zudem ist er auch rechtlich geschützt, weil er zurzeit noch recht selten ist.»
Autor: David GerkePräsident «Gruppe Wolf Schweiz»

Der Walliser CVP-Ständerat Beat Rieder verurteilt den Abschuss des Wolfs zwar, kann ihn aber auch verstehen.

Die Politik ist dem Wolfsproblem gegenüber untätig. Die Bundespolitik betrachtet es als Luxusproblem, das man mit Geld lösen könnte. Insofern sind die illegalen Abschüsse nachvollziehbar, aber nicht zu rechtfertigen.
Autor: Beat RiederCVP-Ständerat, Wallis

Während Rieder mit einer kantonalen Initiative dafür kämpft, dass der Wolf wieder gejagt werden darf, fordert die «Gruppe Wolf Schweiz» im Wallis genau das Gegenteil. Die beiden Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Der Wolf in der Schweiz

Seit 1995 wandern immer wieder einzelne Wölfe von Italien und Frankreich her in die Schweiz ein. Heute leben laut der «Gruppe Wolf Schweiz» geschätzte 25 bis 30 Tiere hier. Im August 2012 siedelte sich eine Wolfsfamilie im Calandatal/GR an, die 2015 bereits zum vierten Mal in Folge Nachwuchs aufgezogen hat. Im Sommer 2015 liess sich ein weiteres Rudel im Valle Morobbia im Kanton Tessin nieder.
Seit der Wiedereinwanderung sind in der Schweiz bisher insgesamt 74 Wölfe nachgewiesen worden. Einige von ihnen wanderten laut «Gruppe Wolf Schweiz» nur durch, wurden abgeschossen, verunfallten oder starben so.
Nach dem revidierten Wolfskonzept von Januar 2016 dürfen Wölfe abgeschossen werden, wenn es sich um ein Einzeltier handelt, das grossen Schaden stiftet. Abgeschossen dürfen die Tiere auch werden, um Wolfsbestände zu regulieren, falls sie grosse Schäden bei Nutztieren und hohe Einbussen in Jagdrevieren verursachen sowie Menschen erheblich gefährden.
Letztes Jahr sind in der Schweiz insgesamt vier Wölfe getötet worden. Zwei Tiere wurden im Wallis und im Graubünden gewildert und zwei waren in Uri und im Wallis zum Abschuss freigegeben.
Legende: Video «Wolf: Fertig lustig!» abspielen. Laufzeit 4:01 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 13.09.2016.

Lockerung des Wolfsschutzes gefordert

In anderen Kantonen gehen die Wogen nicht ganz so hoch, selbst wenn der Wolf auch dort für Aufregung sorgt: Im Tessin gab es in den vergangenen Wochen mehrere Risse von Schafen. Kürzlich wurden einzelne Wölfe im Diemtigtal im Berner Oberland und sogar in der Freiburger Kleinstadt Bulle gesichtet.

Bereits seit fünf Jahren lebt der Kanton Graubünden mit einem Wolfsrudel in der Calanda-Region. Dort ist der Widerstand gegen das Grossraubtier weniger heftig als im Wallis, doch auch der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler möchte den strengen Schutz des Wolfs lockern.

Ich halte einen grenzenlosen Schutz für falsch. Es braucht Regeln und Grenzen, die Mensch und Tier berücksichtigen und die Rückkehr dieses wilden Tiers akzeptieren.
Autor: Stephan EnglerCVP-Ständerat, Graubünden

Herdenschutz als einzige Alternative

Bisher ist der Wolf in der Schweiz streng geschützt. Der Bund kann allerdings Einzeltiere zum Abschuss freigeben, wenn sie zu viele Schafe gerissen haben. Eine Lockerung des Wolfsschutzes hält David Gerke von der «Gruppe Wolf Schweiz» aber für den falschen Weg.

Dort, wo es Wölfe gibt, gibt es keine Alternative zum Herdenschutz.
Autor: David GerkePräsident «Gruppe Wolf Schweiz»

Es sei der «grosser» Fehler der Politik, den Schafhaltern stets zu suggerieren, ein Herdenschutz sei nicht nötig, man könne das Problem auch mit der Regulierung des Wolfs in den Griff bekommen, sagt Gerke. «Aber so funktioniert es nicht.»

Tiefe Gräben zu überwinden

Die gegensätzlichen Positionen der Wolf-Befürworter und der Wolf-Gegner machen deutlich, dass sich die beiden Lager nicht so rasch auf eine gemeinsame Position einigen werden. Indes nimmt die Zahl der Wölfe in der Schweiz zu.

27 Kommentare

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  • Kommentar von Aldo brändli (aldo)
    Bund und Kantone schreiben Defizite und sind verschuldet und dann leistet man sich solche teurn Projekte wie das Wolfsprojekt. Hoch bezahlte Biologen verfolgen am Bildschirm die Bewegungen der mit Sender ausgerüsteten Tiere. Das Geld könnte sinnvoller eingesetzt werden. Es gibt auf dieser Erde schliesslich Menschen die verhungern.
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    1. Antwort von Simon Reber (kokolorix)
      Für diese hungernden Menschen wäre mehr als genug Geld vorhanden. Es liegt auf den Konten von ein paar tausend Superreichen, welche keine Ahnung haben was sie damit anfangen sollen. Aber eines ist Klar der Staat darf es auf keinen Fall kriegen, der gibt es ja für so sinnloses wie Sozialhilfe, Naturschutz und Entwicklungshilfe aus! Nein das Geld könnte nicht sinnvoller eingesetzt werden, Wölfe werden wieder heimisch hier ob wir das wollen oder nicht und es ist wichtig das zu verstehen
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nur war eben u. a. der Wolf vor den Menschen da. Und würde Mensch das respektieren & akzeptieren, bräuchte es diese Projekte nicht. Und wenn Menschen auf der Erde verhungern, u. a. eben auch, weil es zuviele Menschen für diese Erde sind, sie sich niederlassen, wo die Erde nicht für Menschen bestimmt ist, sie nichts für sie hergibt. Und wo sie es macht, werden die Ressourcen für eben zuviele Menschen, mehr als es für die Erde gut ist, geplündert.
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  • Kommentar von Aldo brändli (aldo)
    Wenn die Unterländer schon für den Wolf plädieren, dann lasst doch endlich jene die ihr in den Zoos und anderen Gehegen habt frei. Die Bären vom Bärengraben wären auch lieber auf der Berner Allmend.
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    1. Antwort von W Streuli (Wernu)
      @Hr.A.Brändli Sie meinen wohl die Bären im Bärenpark. Also mir kanns recht sein, wenn man die Bären freilässt, wenn im Gegenzug die Schalflobby im VS und die Jägerschaft dem Wolf kein Haar mehr krümmen.Ich bin zwar kein Experte der Bären, aber eines ist gewiss klar.Auf die Allmend würden die bestimmt nicht gehen, wenn, dann schon eher entlang der Aare in den Naturschutzreservaten.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Ach Herr Brändli, der Wolf & andere grosse Raubtiere sind eben nur Konkurrenz für Jäger. Ohne diese Tiere gibt es eben die Überpopulationen, welche dann von den Jägern abgeschossen werden dürfen. Auch hier, handeln Menschen nur im Eigeninteresse. Drum sage ich wieder: Schade hat Gott die 5-Tage Woche noch nicht gekannt. Dann gäb es den Menschen nicht & die Welt wäre wirklich ein Paradies.
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  • Kommentar von Blacky Schäfer (Schwarzwolle)
    Wir sind schon dermassen von der Natur entfremdet, dass wir uns darüber streiten, ob der Wolf in der Schweiz existieren darf oder nicht. Wir wissen nicht mehr was unsere Wurzeln sind. Wir beten und himmeln Autos oder irgendwelche andere leblosen Geräte an aber sehen in einem Wolf nur noch einen Schädling den es zu bekämpfen gilt. Sind wir ehrlich: Wir sind degeneriert. Am Thema "Wolf in der Schweiz" sieht man das sehr deutlich.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      In heutiger Spassgesellschaft, hat es eben keinen Platz mehr für wilde Tiere.
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