Erfolgreich im Netz Die Popstars aus dem Flüchtlingsheim

Sie leben erst seit gut zwei Jahren in der Schweiz: Fünf eritreische Flüchtlinge aus Freiburg wollen mit der «Royal Band» durchstarten. Mit fast 350'000 Klicks haben sie sogar einen viralen Hit gelandet. Doch im Alltag harzt es – sie finden keine Arbeit und haben Mühe mit der Sprache.

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Gestrandet im Paradies

11 min, aus Rundschau vom 29.3.2017

«Ich fühle mich manchmal wie ein Bettler. Ein Bettler, der zwar nicht auf der Strasse sitzt, aber der zum Staat muss», sagt Seare Debesay gegenüber der «Rundschau».

Der Sänger der Royal Band aus Freiburg hadert mit seiner Situation als stellenloser Flüchtling. «Ich möchte unbedingt arbeiten, nur wer Arbeit hat, wird respektiert», sagt Bandkollege Yemane Mesfun. Die beiden sind die führenden Köpfe der «Royal Band» aus Freiburg. «Es ist schwierig», sagt Seare zu seinem Leben in der Schweiz. «Ich muss Französisch lernen und die Kultur hier ist so anders als in Eritrea.»

Langsame Integration

«Wir sind alle illegal aus Eritrea geflüchtet», erzählt Seare die ungewöhliche Geschichte der Band. «Es war ein riskanter Weg. Mit dem Boot übers Meer», erzählt der 23-jährige von seiner eigenen Flucht. Die jungen Männer haben sich alle erst in der Schweiz kennengelernt. Mit ihrem Song «Shrboki» hat die Band einen viralen Hit gelandet, der auf Youtube mittlerweile fast 350'000 Mal angeklickt worden ist.

Zurzeit ist die Band daran, ein neues Video zu produzieren. Doch während sie mit der Band Gas geben, harzt es im Leben der jungen Männer. Die Integration verläuft langsamer, als sie es sich vorgestellt haben. So fällt es Debesay und Mesfun nach zweieinhalb Jahren noch immer schwer, mehr als ein paar Brocken Französisch zu sprechen.

In fünf Jahren selbständig?

«Ich möchte nach dem Sprachkurs noch eine Ausbildung machen. Ich denke, dass ich es in fünf Jahren schaffen kann, ohne Hilfe vom Staat zu leben», sagt Seare Debesay zu seiner beruflichen Perspektive. Französisch sei eine sehr schwierige Sprache und ohne Sprachkenntnisse sei man auf dem Arbeitsmarkt chancenlos.

Er bittet um Verständnis für seine Situation. Yemane und Seare wehren sich gegen den Vorwurf, sie würden zu viel Zeit in die Band investieren und zu wenig Zeit fürs Französisch Büffeln. «Ich sitze morgens um 7.50 Uhr im Sprachkurs. Manchmal bis 16 Uhr. Für die Band üben wir am Abend», so Seare. Er bemühe sich nach Kräften, sich hier zu integrieren und seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

84 Prozent leben von Sozialhilfe

Seare Debesay und Yemane Mesfun stehen für ein weitverbreitetes Problem unter den eritreischen Flüchtlingen und den vorläufig Aufgenommenen. Der Bund unterstützt aktuell rund 10'700 Eritreer mit Sozialhilfe. Das heisst: Vier von fünf Eritreern erhalten vom Bund Sozialhilfe. Und viele von ihnen sind schon sieben Jahre in der Schweiz.

Die Mitglieder der Royal Band sind trotzdem zuversichtlich, dass sie es schaffen werden auf eigenen Beinen zu stehen. Und sie glauben auch an den Durchbruch mit ihrer Band. Den «Freiburger Nachrichten» haben sie selbstbewusst gesagt: «Wir wollen berühmt werden!»

Und wenn das nicht klappt, dann haben sie die gleichen Träume wie viele junge Schweizer auch: «Ein glückliches Leben. Heiraten und Kinder haben.»