Die Post setzt auf die digitale Welt

Geburtstagswünsche, Liebeserklärungen und Rechnungen werden immer häufiger per E-Mail versandt. Das spürt auch die Post. Weil das Geschäft mit der Briefpost schrumpft, versucht der Konzern mehr und mehr die digitale Welt zu erobern.

Smartphone

Bildlegende: Die SMS-Briefmarke: Ein Mosaikstein des postalischen Kampfes in der digitalen Welt. Keystone

Schon heute stellt die Post den Brief oder die Rechnung auf Wunsch elektronisch zu. So hat der Empfänger auch auf Reisen jederzeit Zugriff auf den eigenen Briefkasten.

Digitale Versendungen

Und für Firmen verwaltet die Post unter anderem Dokumente elektronisch. Speichern, einscannnen, archivieren, aufbereiten und digital verschicken - Gerade grössere Unternehmen lagern solche Prozesse oft aus und lassen etwa Lohnabrechnungen digital versenden.

Dass sich damit Geld verdienen lässt, habe die Post schon früh entdeckt, sagt Peter Heinzmann, Dozent für Computernetze an der Hochschule Rapperswil: «Die Schweizerische Pos hat sich sehr ähnlich verhalten, wie die in den Nachbarländern. Ich würde sagen, sie wehrt sich gegen die digitale Revolution.»

«Dann macht es jemand anderes»

Letztendlich bleibe der Post auch nichts anderes übrig, als sich neue Geschäftsfelder im Internet zu suchen, sagt Matthias Finger, Professor für Infrastrukturen an der ETH Lausanne: «Es ist ja nicht so, dass die Post das pushen will. Sondern dass die Gesellschaft und der Markt das wollen. Und wenn es die Post nicht macht, dann macht es jemand anderes.»

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Post verbucht Gewinn

0:45 min, aus Tagesschau am Mittag vom 19.3.2015

Nach wie vor sei das Geschäft in der digitalen Welt für die Post aber erst ein kleiner Nischenmarkt. Doch je weniger Briefe verschickt werden, desto wichtiger wird er. Neben anderen Postunternehmen werden deshalb je länger je mehr auch Telekommunikationsfirmen, wie etwa die Swisscom, zu Konkurrenten der Post.

Ein gewichtiger Vorteil am Markt

Immerhin hat die Schweizerische Post noch einen gewichtigen Vorteil gegenüber Konkurrenz-Unternehmen: Sie könne Rechnungen und Dokumente jederzeit auch physisch liefern, wenn das der Kunde wünsche, sagt Finger. «Ich denke, das entspricht auch einem grossen Bedürfnis des Marktes. Es wird nicht alles einfach nur digital ersetzt.»

Pakete etwa müssen immer noch geliefert werden, auch wenn sie im Internet bestellt worden sind. Und weil immer mehr Leute Kleider, Elektronik oder Haushaltsgeräte online bestellen, kann die Post die schrumpfende Anzahl Briefe wenigstens ein bisschen auffangen.

Post steigert Gewinn

Die Post hat 2014 den Gewinn dank Steuereffekten leicht gesteigert. Dieser wuchs im Vorjahresvergleich um 1,9 Prozent auf 638 Millionen Franken. Dem Bund sollen 200 Millionen Franken als Dividende ausgeschüttet werden.