Die Reform des Vergütungssystems für Ärzte dürfte sich verzögern

Die Gesundheitskosten steigen ungebremst weiter. Ein wichtiger Grund dafür sind immer höhere Arztrechnungen. Tarmed – ein neues Vergütungssystem – soll Abhilfe schaffen. Doch das System kommt wohl später als geplant, wie Recherchen von Radio SRF zeigen.

Ein Arzt schaut sich die Röntgenbilder am Computer an.

Bildlegende: Wie viel darf ein Arzt für Röntgenaufnahmen verrechnen? Und wie viel kostet es, wenn der Arzt mit dem Patienten spricht? Keystone

Am 1. Januar 2017 hätte es endlich so weit sein sollen, nach 15 Jahren Diskussion: Das Geld, das Ärzte für ihre Arbeit bekommen, hätte fairer verteilt werden sollen, sodass nicht mehr einige Spezialärzte zu viel verdienen.


Manche Ärzte haben Angst vor Verlusten

2:00 min, aus SRF 4 News aktuell vom 26.09.2015

Doch dieser Termin ist nun in Frage gestellt: «Es gibt Verzögerungen – auch weil die Tarifstruktur viel komplexer ist als man angenommen hat.» Das führe zu zeitraubenden Diskussionen unter den Ärzten, sagt Urs Stoffel von der Ärztegesellschaft (FMH).

Eigentlich hätte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das neue System für die Bezahlung von Ärzten Ende Jahr anschauen und dann genehmigen sollen. Das klappt nun aber nicht. Urs Stoffel rechnet stattdessen damit, dass das Amt die Vorschläge der Ärzte bis Juni 2016 zu sehen bekommt – es wird also knapp mit der Inkraftsetzung auf 2017.

Gewisse Ärzte haben Angst

Warum aber ist diese Operation so schwierig? «Immer wenn es um Tarifrevisionen geht, um Neuberechnungen von Tarifen und Honoraren ist natürlich latent eine Angst da, dass man etwas verliert.»

In diesem Fall haben besonders Ärzte mit viel Technik in der Praxis Angst. Denn die Grundidee hinter dem neuen Abgeltungssystem ist, dass die Arbeit mit technischen Geräten – Röntgen etwa – leicht weniger Geld einbringt, der Kontakt mit Patienten – etwa im Gespräch – dafür leicht mehr. Die Krux dabei: Gesundheitsminister Alain Berset verlangt, dass das neue System insgesamt nicht teurer wird als das bisherige.

Bundesrat könnte eingreifen

Darüber und über den Zeitplan wollen die Ärzte im November nun noch einmal mit dem Bundesamt für Gesundheit reden: «Es hat Vorgaben, die wir so nicht ganz teilen können mit dem, was das BAG vorgibt. Da gibt es sicher noch einige Diskussionen zu gewissen Punkten.»

Das BAG will sich nicht äussern. Hinter den Kulissen ist man aber nicht erfreut über die Forderungen und Verzögerungen. Klar ist: Einigen sich die Ärzte nicht bald, könnte der Bundesrat ihre Bezahlung in Eigenregie festlegen.