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Schweiz «Die Schweiz braucht keine Grenzkontrollen»

Warum Zäune nichts nützen, und was unser Land erwartet: Der Sonderbotschafter für Migration, Eduard Gnesa, äussert sich aus Schweizer Warte zur Flüchtlingskrise.

Eduard Gnesa bei einer Medienkonferenz zu Migrationsfragen.
Legende: Der Ex-Direktor des Staatssekretariats für Migration hält Grenzkontrollen in der Schweiz für unnötig. Keystone

Ungarn verbarrikadiert sich, Deutschland macht die Grenzen dicht, andere Staaten wollen Schengen ebenfalls suspendieren. Und in puncto Verteilungsschlüssel ist sich Europa einig, dass es sich nicht einig ist. Kurzum: Die schwelende Flüchtlingskrise hat sich in Europa in den letzten Tagen und Wochen zusätzlich verschärft – auch wegen dem «Natiönligeist».

Die Schweiz blieb davon bislang weitestgehend verschont – ganz anders als seine Nachbarn Österreich und Deutschland. Trotz der Massnahmen der ungarischen Regierung (Grenzzaun, Kontrollen, Haft) rechnet Eduard Gnesa, Sonderbotschafter für Migration, vorerst nicht mit einer Abnahme des Flüchtlingsstroms über die Balkanroute. An der Ostgrenze der Schweiz seien aber nicht mehr Asylsuchende zu erwarten.

Es hat sich in der Geschichte gezeigt, dass Zäune nichts nützen.

Für Gnesa ist deshalb die Forderung der SVP nach systematischen Kontrollen an der Schweizer Grenze unnötig. Die Flüchtlingszahlen an der Schweizer Ostgrenze hätten in den letzten Tagen nicht merklich zugenommen. «Ich bin der Meinung, dass Zäune nichts nützen. Das hat sich in der Geschichte gezeigt. Sie werden irgendwo über Rumänien, allenfalls über Kroatien nach Europa gelangen», so die Prognose des ehemaligen Direktors des Staatssekretariats für Migration.

Das Ziel der syrischen Flüchtlinge bleibe aber ganz klar Deutschland und Schweden, und nicht so sehr die Schweiz: «Wir haben viel mehr Zuwanderung aus Italien. Aber bei den anderen ist es ganz schwer vorauszusagen, ob sie dann auch vermehrt in die Schweiz kommen.»

Faire Verteilung der Flüchtlinge wichtig

Wie Bundesrätin Sommaruga hofft Gnesa weiter auf einen gerechten Verteilschlüssel der EU. Auch wenn gestern dazu noch keine Einigung gefunden werden konnte, sei er zuversichtlich, dass dies bei der nächsten Sitzung der EU-Innenminister anfangs Oktober der Fall sein werde.

Es sei wichtig, dass das Dublin-System beibehalten werde, aber in ausserordentliche Situationen Flüchtlinge fair auf die europäischen Länder aufgeteilt werden könnten, sagt der Sonderbotschafter für Migration.

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67 Kommentare

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  • Kommentar von Henri Jendly (Henri Jendly)
    @Bächler: solange es eine genügende Masse an geistigen Einzellern gibt, werden Rechtsparteien gewählt und unterstützt. Stärke durch Gemeinschaft, wenn Milliarden von Amöben zusammenkommen, ergibt das doch auch schon eine gewisse Ansammlung von Basisintelligenz! Man sollte "The Wave" von Morton Rhue zur Pflichtlektüre erheben. Frage ist nur, ob es der Amöbenschwarm verstehen würde!?!
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    1. Antwort von Franz Huber (Raffi)
      Mal schauen wie viele geistige Einzeller wir da einfach so reinlassen.
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  • Kommentar von robert mathis (veritas)
    Ich finde die Aussagen von Hr.Genesa gefährlich und naiv.Er möchte das Dublinsystem bei behalten,welches gar nicht funktioniert und höchstens von der Schweiz eingehalten wird.Wer die Augen öffnet,sieht was auf uns zu kommen könnte,da ist es sicher angebracht dass man handelt bevor man vom Chaos überrollt wird.
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  • Kommentar von markus aenishaenslin (aenis)
    Die Ameisenstrasse nach Ungarn ist unterbrochen, also wird der nächste Schauplatz in der Region Adria sein. Kroatien Dubrovnik, Hafenstadt Bari Italien, nordwärts nach Mailand, Como, Chiasso, Basel, Deutschland. Ich denke das Wir in Chiasso bald mehr Personal benötigen.
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