Die Schweiz ist bei den Klimazielen gut unterwegs

In den letzten vier Jahren hat die Schweiz die im Kyoto-Protokoll festgeschriebenen Ziele erfüllt. Der Ausstoss an Treibhausgasen sank in den letzten vier Jahren um neun Prozent gegenüber 1990. Allerdings mit einem Kniff, wie der WWF kritisiert.

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Die Schweiz hat die Kyoto-Klimaziele erfüllt

1:51 min, aus Tagesschau vom 10.4.2014

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist stolz. Unser Land habe die Reduktionsziele für den Ausstoss von Treibhausgas mehr als erreicht, und zwar mehrheitlich mit Massnahmen im Inland. So lautet die Zwischenbilanz aus Bern zum Kyoto-Protokoll.

Mit der Unterschrift unter die Klimavereinbarung verpflichtete sich die Schweiz, von 2008 bis 2012 den Ausstoss von Treibhausgas um 8 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Emissionen pro Kopf auf 6,4 Tonnen gesenkt

Mit Massnahmen im Inland konnte die Schweiz ihre effektiven Treibhausgas-Emissionen in CO2-Äquivalenten ausgedrückt pro Jahr um 4,5 Millionen Tonnen reduzieren, wie das Bafu schreibt. Der Schadstoff-Ausstoss stabilisierte sich auf einem Stand, der sogar leicht unter dem Niveau von 1990 liegt.

Pro Einwohner gingen die Emissionen von 7,8 auf 6,4 Tonnen zurück. Ein Anstieg der Treibhausgas-Emissionen aus Treibstoffen um 13 Prozent konnte in anderen Bereichen aufgefangen werden. Einen Grossteil zur Reduktion im Inland trugen die im CO2-Gesetz enthaltenen Massnahmen bei.

Die Bahn hilft mit

Zur Reduktion beigetragen haben auch die bessere Energieeffizienz, die Förderung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Verlagerung des Gütertransportes von der Strasse auf die Schiene. Im Weiteren erwähnt das Bafu die Beschränkung synthetischer Gase sowie die Unterstützung von Bauern, die naturnahe Anbaumethoden wählen.

Die Treibhausgas-Emissionen sanken, obwohl die Bevölkerung in der Schweiz im untersuchten Zeitraum um 18 Prozent zunahm. Der Fahrzeugbestand erhöhte sich gar um 34 Prozent. Auch die Wirtschaftsleistung unseres Landes wuchs.

Neben Massnahmen im Inland rechnete das Bafu auch im Ausland gekaufte Zertifikate zur Emissionsreduktion und das von Schweizer Wäldern abgebaute CO2 in seine Bilanz ein. Beides zusammen liess in den Jahren 2008 bis 2012 den CO2-Ausstoss um weitere 4,1 Millionen Tonnen sinken.

Umweltorganisationen kritisieren

Ein Teil dieser Einsparungen wurde also durch Schadstoffreduktionen im Ausland, sogenannte Emmissionszertifikate, erkauft. Im Inland selbst habe sich der Ausstoss an Treibhausgasen nur wenig verringert, kritisieren die Umweltorganisationen.

«Wir machen die Hausaufgaben nicht bei uns», sagt Patrick Hofstetter, Leiter Klima- und Energiepolitik WWF, «stattdessen kaufen wir Verschmutzungszertifikate aus dem Ausland». Deshalb seien ihre Bewertungen der schweizerischen Klimapolitik bisher ungenügend.

In Zukunft wird's schwieriger

Die Schweiz habe die als Ziel gesetzten 8 Prozent mehr als erfüllt, hält das Bundesamt trotzdem fest. Denn sie konnte die Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 insgesamt um 9 Prozent senken.

Doch zu viel Schulterklopfen ist nicht angebracht. Denn für die nächste Periode (2013 bis 2020) sind die Ziele höher angesetzt: Gemäss dem Kyoto-Protokoll muss die Schweiz den Ausstoss von Treibhausgasen nun um 20 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 senken. So schreibt es auch das CO2-Gesetz vor.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schadstoffbelastung in der Schweiz bleibt hoch

    Aus Tagesschau vom 9.7.2013

    Drei bis viertausend Menschen sterben in der Schweiz jährlich an schadstoffbedingten Atemwegs-Erkrankungen. Die Schadstoffbelastung gilt als Sorgenkind der Schweizer Umweltpolitik. Denn Abhilfe ist kurzfristig nicht in Sicht.