«Die Schweiz könnte ihren Gasbedarf decken»

Bis zum Ende dieses Jahrzehnts könnte die Schweiz ihren Bedarf an Erdgas aus eigener Produktion decken, sagt der Geowissenschafter Peter Burri. Das Gas müsste allerdings mit der umstrittenen Fracking-Methode gefördert werden.

Tief unter dem Boden in der Schweiz werden Erdgas-Vorkommen vermutet. Allerdings gehen die Geowissenschafter nicht davon aus, dass das Gas einfach angezapft und gefördert werden kann. Vielmehr ist das Gas – falls es denn überhaupt vorhanden ist – im Gestein eingeschlossen.

Ein relativ neues Förderverfahren, die sogenannte Fracking-Methode, bietet seit einigen Jahren die Möglichkeit, auch solche Gasvorkommen abzubauen. In den USA erlebt das Verfahren einen wahren Boom: Dort nimmt die Schiefergas-Förderung stark und stetig zu.

Energie-Experten sprechen bereits davon, dass die Vereinigten Staaten bis 2020 – vor allem dank Schiefergas – zum weltweit grössten Energieproduzenten avancieren könnten.

Gasvorkommen auch in der Schweiz?

Auch in Europa und der Schweiz werden Schiefergas-Vorkommen vermutet. Peter Burri, der Präsident der Vereinigung der Energie-Geowissenschafter, macht sich für einen Abbau hierzulande stark.

Im Gegensatz zu anderen Abbau-Standorten, beispielsweise in Sibirien, könnten in der Schweiz hohe Umweltstandards für eine möglichst umweltverträgliche Förderung sorgen, so Burri gegenüber Radio SRF. Auch habe man keinen Energieverlust, wie wenn man das Gas über 4000 Kilometer aus Sibirien hierher bringen müsse.

Burri betont des weiteren, dass der Methan-Verlust in die Atmosphäre hier praktisch vernachlässigbar sei – der modernen Fördermethoden wegen. «Während wir wissen, dass das zum Beispiel in Sibirien in gewissen Regionen ein Problem ist.» Methan ist ein starkes Treibhausgas, seine Wirkung ist etwa 25 Mal stärker als CO2.

Gestein im Untergrund aufbrechen

Schiefergas ist im Tonstein gebunden. Damit das Gas fliessen kann, müssen die Gesteinsschichten aufgebrochen werden. Dazu wird Wasser, zusammen mit Sand oder Keramikgranulat sowie Chemikalien unter Druck in die Bohrstelle eingepresst. Dadurch wird das Gestein aufgebrochen, das Gas entweicht und kann abgepumpt werden.

Das Fracking-Verfahren ist nicht nur kostenintensiver als die traditionelle Gasförder-Methode. Es birgt auch grosse Risiken für die Umwelt, insbesondere für das Grundwasser, monieren die Kritiker der Methode.

Skeptische Politiker in der Schweiz

Gas-Bohrturm in Pennsylvania

Bildlegende: Mit der Fracking-Methode könnte bald auch in der Schweiz Gas gefördert werden – wie hier in Pennsylvania. Keystone

Auch unter den Schweizer Politikern ist die Methode äusserst umstritten. Laut Umweltministerin Doris Leuthard sind bei der Fracking-Methode noch viele Fragen offen; speziell, was die Umweltaspekte anbelange.

Besorgt geben sich auch viele Schweizer Parlamentarier. So fordern mehr als 50 von ihnen in einem Vorstoss, dass sich der Bundesrat auf internationaler Ebene gegen Fracking-Pläne einsetzen solle.

Schweiz könnte ihren Eigenbedarf decken

Dezidiert anderer Ansicht ist Geowissenschafter Burri: Er hofft, dass die Gasgewinnung mit der Fracking-Methode in der Schweiz nicht grundsätzlich verboten wird. Er plädiert vielmehr für «ganz klare Vorgaben und Standards», an die sich die Förderfirmen zu halten hätten und die auch kontrolliert und durchgesetzt würden.

«Es ist möglich, dass wir bis zum Ende dieses Jahrzehnts aus Tonschiefer Gas produzieren», ist Burri überzeugt. Und: «Im Prinzip ist es möglich, dass wir unseren Eigenbedarf decken können.»