Die Schweiz wird zum Daten-Bunker

Die Geheimdienstaffäre um Edward Snowden bringt den Schweizer Anbietern von Internet-Diensten mehr Kunden: Die Eidgenossenschaft gilt im Ausland offenbar als besonders sicher. Wird das Schweizer Datengeheimnis zum neuen Erfolgsmodell?

Eine grosse Industriehalle neben einem Kornfeld unter blauem Himmel.

Bildlegende: Datenbunker Schweiz: Das Rechenzentrum von green.ch Keystone

Nach den Enthüllungen Edward Snowdens in der US-Abhöraffäre nehmen einige Schweizer Internetfirmen eine willkommene Marketing-Chance wahr. So wirbt eine Schweizer Firma derzeit im Internet mit dem Slogan: ‹Idealer Schutz gegen Prism und NSA – Ein klares Bekenntnis gegen den Datenklau›.

Traditionelle Qualitäten locken in die Schweiz

Bereits vor dem Geheimdienstskandal sei das Interesse jenseits der Grenze an den Schweizer Cloud- und Datendiensten gross gewesen, sagt Franz Grütter, Chef des Schweizer Internet-Dienstleisters green.ch. Inzwischen hätten die Anfragen noch zugenommen. Viele Unternehmen im Ausland betrachteten die Schweiz als idealen Standort für die Beherbergung ihrer IT-Systeme und Daten.

Die Palette an nachgefragten Dienstleistungen ist breit: Email-Verkehr, Internetseitenhosting, externe Rechenleistung, Speicherung von Kundendaten und Geschäftsunterlagen. Für die ausländischen Kunden seien dabei ganz traditionelle Schweizer Werte wichtig, erklärt Marco Dotarelli. Für den Chef der Rechencenter-Firma Equinix bestehen die Vorteile der Schweiz vor allem aus ihrer zentralen Lage, dem hohen Qualitätsstandard sowie der hohen Sicherheit.

Auch die politische Stabilität und das strenge Datenschutzgesetz seien positive Standortfaktoren, sagen die beiden Informatik-Chefs.

Geheimdienste könnten Schweiz ins Visier nehmen

Kann sich die Schweiz deshalb statt mit dem Bank- bald mit dem Datengeheimnis vermarkten? Informatik-Professor Hannes Lubich von der Fachhochschule Nordwestschweiz warnt: Die Schweiz könnte damit möglicherweise ins Visier von Aufklärungsdiensten rücken. Denn: «Fremdstaatliche Angriffe auf Infrastruktur machen nicht an der Landesgrenze Halt!»

Geheimdienste hätten die Ressourcen, um an ihre Ziele zu kommen, auch wenn die Firmen viel in die Sicherheit ihrer Anlagen und Leitungen investierten, so der Experte. Den Informatikstandort Schweiz derart anzupreisen, wie das derzeit von einzelnen Anbietern betrieben werde, sei deshalb bedenklich, meint Lubich.

«Eine Staatsgarantie wird es in diesem Fall nicht geben können», fährt der Informatik-Professor fort. Denn die Schweiz könne bei ausländischen Kunden den Transport der Daten über die Grenze hinaus nicht gewährleisten. Das heisse, dass bei einem grossen Datenleck der als so sicher angepriesene Wirtschaftsstandort Schweiz als gesamtes Schaden nehmen könnte.