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Nach Freysingers Abwahl «Die Verankerung der SVP in der Westschweiz bleibt prekär»

Die SVP kommt in der Westschweiz auf keinen grünen Zweig. Wieso? SRF-Korrespondent Sascha Buchbinder erklärt.

Legende: Video «SVP tut sich schwer mit Regierungsamt» abspielen. Laufzeit 2:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.03.2017.

SRF News: In welchem Zusammenhang steht die Abwahl Freysingers mit der Situation der SVP in der Westschweiz?

Sascha Buchbinder: Das ist schon typisch SVP. Die Partei hat nicht einfach einen Sitz verloren, sondern sie trägt in keinem einzigen welschen Kanton mehr Regierungsverantwortung.

Natürlich ist das zweisprachige Wallis nicht typisch für die Romandie. Und natürlich ist Oskar Freysinger ein besonders radikaler Vertreter der SVP, seine Provokationen durch rechtsextreme Symbole und internationale Kontakte zur neuen Rechten entsprechen nicht der Parteilinie.

Darüber hinaus aber muss man sich vor Augen halten: Die Blocher-SVP ist in der Romandie eine relativ junge Partei. Sie ist in keinem Kanton stärkste Kraft. Ihre Erfolge der letzten zehn Jahre sind ein Echo der Linie der nationalen Partei, die lokale Verankerung hingegen bleibt prekär und die Personaldecke ist dünn.

Wurde der Zenit schon erreicht?

Längerfristig wüsste ich nicht, was ein weiteres Wachstum der SVP in der Romandie verhindern sollte. Zumal sich die Romandie politisch der Deutschschweiz angenähert hat. Aber der Weg von einer Partei in ihren Wachstums- und Flegeljahren zur dominierenden Kraft ist weit. Bei den nächsten Wahlen in Neuenburg und in der Waadt, dürfte es die SVP schwer haben.

In Neuenburg nämlich ist Yvan Perrin 2014 in der Regierung gescheitert. Aktuell heisst ihr Spitzenkandidat Jean-Charles Legrix. Ein polarisierender Typ, der letztes Jahr als Stadtrat von La Chaux-de-Fonds die Wiederwahl verpasste.

Legende: Video «Freysinger und Rossini nicht gewählt» abspielen. Laufzeit 4:20 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.03.2017.

In der Waadt setzt die Partei mit Jacques Nicolet auf einen Vertreter des bäuerlichen Flügels, aber die internen Grabenkämpfe der letzten Jahre haben die Partei derart geschwächt, dass derzeit eine Wahl Nicolets überraschend wäre.

Mit Parmelin erhoffte man sich einen Schub. Was ist daraus geworden?

Längerfristig kann der Waadtländer Bundesrat seiner Partei durchaus helfen, dass sie in der Romandie weniger als trojanisches Pferd der Deutschschweizer wahrgenommen wird. Aber ein Parmelin-Fieber ist derzeit nicht wahrnehmbar. Der Bundesrat hat bisher nichts geleistet, was die Romandie besonders betroffen oder die Menschen hier begeistert hätte.

In der Romandie hat die SVP also keinen einzigen Regierungsrat mehr. Was fehlt?

Die SVP ist hier zu wenig verwurzelt. Spricht man mit Parteistrategen, dann zeichnen sie einen Fahrplan, der zunächst Aufbauarbeit in den Gemeinden und im Kantonsrat vorsieht. Ein Mittel dazu ist der Wahlkampf auf der Strasse. Konkret: Unterschriftensammlungen für Initiativen gegen Grenzgänger in Neuenburg und Genf oder gegen Muslime wie in der Waadt. Aber wenn Christoph Blocher die Romands wieder mit Behauptungen vor den Kopf stossen sollte, dass den Romands halt das richtige Schweizer Bewusstsein fehle, dann macht er im Handumdrehen viel Aufbauarbeit zunichte.

Das Interview führte Alexandros Koulouris.

Sascha Buchbinder

Sascha Buchbinder

Für Radio SRF ist Sascha Buchbinder Korrespondent für die Westschweiz und das Bundesgericht in Lausanne. Zuvor arbeitete er in der Inlandredaktion in Bern.

56 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Suter (glaubenstreu)
    Die SVP hat ihre ehrliche, bodenständige und Vaterlandsliebe Politik selber untergraben. Darum läuft es nicht mehr wie vor zwanzig Jahren. Nebenbei sind in der SVP viele Politiker gewählt worden in ihrem Höhenflug, die als Trittbrett Politiker für die SVP kandidierten, aber nicht überzeugte SVPler waren - eben Trittbrettfahrer! Wenn es so weiter geht, wird die SVP regelrecht zurück gebunden und von den Wählern an die kurze Leine genommen.
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      K. S. SVP ist selber Schuld,denke nicht nur,leider wird diese Partei verdrängt,durch die Parteien Strategie CVP,FDP,SP,die sich gegenseitig unterstützen bei Personen Wahlen.Auch durch Medien wirksame Polarisierung.Seit dem damaligen EWR nein,wird immer mehr klar,dass sich die andern Parteien gegen die SVP auflehnen.Wer unterstützt z.B. gewisse Anliegen von der SVP? Ob diese Art Politik wirklich gut ist,für Meinungsvielfalt in einer Regierung? Mein menschlicher Standpunkt,nicht politisch.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Die Existenzberechtigung der SVP wird auch schweizweit immer prekärer. die Linken tun das ihrige dazu, weil die Meinungsfreiheit nur für sie und ihre Gleichgesinnten aus linkslastigen Parteien gilt. Sie zerstören damit einer der wichtigsten und grundlegendsten Werte unseres Landes.
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    1. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Ja Frau Zelger, es ist schon ein Kreuz mit der Demokratie ... und obwohl der Herrliberger eine ganze Reihe von Medien kontrolliert, ist dennoch die Medienlandschaft schweizweit ganz böse links orientiert. Und dann noch der undankbare vermaledeite Blick, der sich nicht von CB & Co kaufen liess ...
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    2. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Nach 4 Jahren im Amt 80 000 Rente p.a. Alles klar?
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    3. Antwort von S Mauer (SandraM)
      "Und dann noch der undankbare vermaledeite Blick, der sich nicht von CB & Co kaufen liess .."Es stimmt aber trotzdem nicht, LK egal wie es darüber echauffierst Wurde dementiert und keine Beweise von den Fakenews-Ersteller vorgelegt. "Herrliberger eine ganze Reihe von Medien kontrolliert" Auch dies ist nicht korrekt. "die Linken tun das ihrige dazu, weil die Meinungsfreiheit nur für sie und ihre Gleichgesinnten aus linkslastigen Parteien gilt." Dies ist wohl wahr. Leider
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Die Romands leben eine andere "Kultur", als wir Deutsch-Schweizer! Auch wenn gewisse Gemeinden (Renens, Bex, Yverdon, etc.) bald mehr Ausländer(innen) hat, als Eidgenossen, haben die meisten Welschen damit keine Probleme! Weil sie sich immer noch selber als "Minderheit" im Land fühlen, haben sie auch mit der hohen Ueberfremdung durch fremde Kulturen, viel weniger Mühe oder Unzufriedenheit! In diesem Umfeld hat die SVP darum einen sehr schweren Stand, ännet dem "Röstigraben"!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, ihre"Kultur" ist nicht die meine! Romandie oder Deutschschweiz hin oder her!
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    2. Antwort von S Mauer (SandraM)
      Das ist sehr gut analysiert und vollkommen richtig, Herr Bolliger.
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    3. Antwort von Kurt Meier (Kurt3)
      Die Deutschweizer könnten sich ja ein Beispliel an den toleranteren Romands nehmen .
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    4. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Oder, Kurt Meier, die Romands könnten sich ein gutes Beispiel an den Schweizern, welche die traditionellen Werte unseres Landes, wie direkte Demokratie, Volksentscheide, Volkssouverität Unabhängigkeit noch hochhalten, nehmen.
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    5. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Ja, Herr Meier, würden wir in der Deutschschweiz auch nach gleicher Mentalität leben, gäbe es noch viel mehr rote Zahlen in den Gemeinde- Kantons- und Bundeskassen! Wenn es an der Urne um Ausbau des Sozialstaates oder das Asyl(un)wesen geht, wird der "Röstigraben" tatsächlich immer sichtbar, genau nach Ihren ideologischen Ansichten und Wünschen, Herr Meier!!
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    6. Antwort von R. Reber (Reber)
      Herr Bolliger, in ihrem Kanton stehen 2 Bürgerliche und 2 Rechtskonservative, 3 Linken gegenüber. Mein Kanton wird von der Linken dominiert. Der Ausländeranteil in Basel steht bei 35.7 %. Bern bei 15.5 %. Heisst dass, sie wollen über den Kantonalen Finanzausgleich kein Geld mehr von den Ausländer und den Linken?
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    7. Antwort von S Mauer (SandraM)
      " Heisst dass, sie wollen über den Kantonalen Finanzausgleich kein Geld mehr von den Ausländer und den Linken? " wo hat dies denn Herr Bolliger gesagt. Es hat nun einmal mit verfehlter Politik und Finanzausgaben in den entsprechenden Kantonen zu tun.
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    8. Antwort von R. Reber (Reber)
      Liebe Frau Selvä, eine angeblich verfehlte Politik und Finanzausgaben der entsprechenden Kantone? Ich bitte Sie. Wie gesagte der grösste Nehmerkanton im NAF ist der bürgerlich dominierte Kt. Bern mit einem Ausländeranteil von 15.5%
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    9. Antwort von S Mauer (SandraM)
      LIeber BächlerKunzPfister. Ja dies ist aber richtig was ich sage. Und der grösste Nehmer ist die Links dominierte und Links regierte Stadt Bern.
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