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Grünliberale Partei «Die Wähler wollen ein klares Profil»

Die GLP spielt oft das Zünglein an der Waage. Doch das allein bringt der Partei keinen Wahlerfolg, sagt ein Politologe.

Legende: Audio Die Wähler wollen ein klares Profil abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
02:04 min, aus HeuteMorgen vom 20.03.2017.
  • Die Grünliberalen hätten eine «Schlüsselrolle» gespielt, war in der Presse zu lesen, nachdem die Rentenreform im Parlament angenommen wurde.
  • Es waren dies willkommene Schlagzeilen für eine Partei, die bei den letzten nationalen Wahlen Sitze verloren hatte.
  • Doch: Das «Zünglein an der Waage» zu sein, bringe der GLP nicht mehr Wählerstimmen, sagt der Politologe Daniel Bochsler.

Die Grünliberalen positionieren sich mal links, mal bürgerlich. Damit verhelfen sie dem jeweiligen Lager zum Durchbruch. Dies gilt nicht nur für das nationale Parlament, sondern auch für Kantone: In Basel-Stadt, Neuenburg oder der Waadt geben die Vertreter der GLP häufig den Ausschlag. In Basel-Stadt etwa sind das linke und das bürgerliche Lager fast genau gleich stark, dazwischen befinden sich drei Grünliberale.

Aus der Not eine Tugend machen

Der Politikwissenschaftler Daniel Bochsler sagt, dass diese Funktion als Zünglein an der Waage für die Grünliberalen durchaus positiv sein kann: Der Überraschungseffekt durch die flexiblen Allianzen verhelfe der GLP zu mehr Aufmerksamkeit in den Medien. «Sie werden als weniger ideologische Kraft wahrgenommen als andere Mitte-Parteien», so Bochsler.

Legende: Video GLP will Politikverdrossenheit bekämpfen abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.08.2016.

Die GLP Basel-Stadt versucht, genau dies auszunutzen. Die Partei hat im Parlament nur noch drei Sitze und damit keine eigene Fraktion mehr. Deshalb versuche man, aus der Not eine Tugend zu machen, sagt Präsidentin Katja Christ.

Man konzentriere sich speziell auf jene Geschäfte, bei denen Linke und Bürgerliche geschlossen abstimmen. Es sind dies jene Geschäfte, bei denen die GLP den Unterschied macht, das Zünglein an der Waage spielt. Christ sagt dazu: «Wir spüren da eine grosse Verantwortung.»

Die Grünliberalen brauchen vor allem ein klares, starkes Profil.
Autor: Daniel BochslerPolitologe Uni Zürich

Mehr Präsenz in den Medien heisst aber nicht unbedingt mehr Wählerstimmen. Denn die Zünglein-an-der-Waage-Rolle eigne sich nicht als Strategie für mehr Gunst bei den Wählern, sagt Politologe Bochsler: «Sie brauchen vor allem ein klares, starkes Profil.» Nur so könne sich die GLP eine Basis schaffen, um als Partei längerfristig zu überleben. «In diesem Bereich haben die Grünliberalen durchaus noch Schwierigkeiten», stellt er fest.

Wenn die GLP also nicht nur positive Schlagzeilen will – wie letzte Woche bei der Rentenreform – sondern wieder mehr Sitze gewinnen, dann ist nicht so sehr Flexibilität als viel mehr Verbindlichkeit bei den Positionen gefragt.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Frei (Peter Frei)
    Den zweitgrössten Fehler, neben der Wahl der links-grünen Moser zu Fraktionschefin, war das Engagement an vorderster Front gegen die umweltfreundliche Ecopop-Initiative, ein grün-bürgerliches Anliegen von nichtlinken engagierten Umweltschützern. Das war der grosse Verrat. Massive Zuwanderung macht die Natur kaputt, bringt Zubetonierung, Strassen, Lärm, mehr Verkehr, Stress - dafür setzte sich die GLP an der Kampagnenspitze indirekt ein. Seither verliert die GLP Wahl für Wahl. Gut so
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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Bei der letzten Abstimmung im NA-Rat um die Rentenreform spielten die Grünliberalen eine schauspielerische Rolle. Man war sich von Anfang an klar, dass man die Rentenreform annehmen wollte. Um in den Medien so richtig zur Geltung zu kommen, sagte man bis fast zum Schluss Nein, um dann im letzten Moment, Mediengerecht auf Ja um zu schwenken. Ich hoffe der Stimmbürger/in denkt bei den nächsten Wahlen an dieses Spielchen.
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  • Kommentar von K. Räschter (K. Räschter)
    Die GLP ist doch eine Kopie der CVP; d.h. auch eine Wischi-Waschi-Partei oder wie das Fähnlein im Winde. Einfach dorthin bewegen, wo es bequem ist und allenfalls noch Wählerstimmen bringen könnte. Sonst ist die GLP farblos und ihr Präsident schwingt manchmal sehr grosse Töne.
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    1. Antwort von Leo Nauber (leo999)
      Muss nicht Wischi-Waschi sein. Man kann klare soziale Einstellung haben und diese verteidigen. Mal werden gute Vorschläge von Links, mal von Rechts eingebracht. Und wenn man diese im Sinne von Nützlichkeit für das GANZE Volk ansieht und bewertet, unabhängig der Herkunft, muss man mal mit Links, mal mit Rechts gehen. Trotzdem, man könnte bei den Wahlen ganz klar kommunizieren (und sich dann danach auch daran halten), für was man in der kommenden Legislatur einsteht. Die Themen sind ja bekannt.
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