Diskussionen um Positionspapier der Pro Senectute zu Sterbehilfe

Wer sein Leben selber beenden will, soll das tun können – auch mit Hilfe anderer Personen. Das findet die Stiftung Pro Senectute. Ihr Positionspapier zu Fragen der Beihilfe zum Suizid ist seit heute im Internet verfügbar. Und es wirft offensichtlich auch intern hohe Wellen.

Auf einem Tisch steht ein Pulver und ein Glas Wasser.

Bildlegende: In der Schweiz ist Beihilfe zum Freitod erlaubt. Keystone

«Pro Senectute – Ja zu aktiver Sterbehilfe» titelt heute der Blick. Zum Entsetzen von Pro Senectute-Direktor Werner Schärer: «In unserem Positionspapier anerkennen wir das Recht von Suizidwilligen, ihr Leben auch unter der Beihilfe anderer Personen beenden zu wollen. Das hat aber absolut nichts mit aktiver Sterbehilfe zu tun.»

Die direkte aktive Sterbehilfe ist in der Schweiz verboten. Beihilfe zum Freitod allerdings erlaubt. Also jemandem eine tödliche Spritze setzen, oder Gift einflössen ist ein Verbrechen, eine sterbewillige Person in den Tod begleiten ist legal. Sofern dieser Mensch entscheidungsfähig ist und den letzten Schritt selber macht.

Würde des Menschen im Vordergrund

Gerade das ist für Werner Schärer der entscheidende Punkt: «Im Vordergrund steht die Person, die Würde des Menschen, und dieser Mensch soll selber entscheiden können, was für ihn gut ist.» Und nicht andere sollten diesen Entscheid fällen, sagt er weiter.

Damit vertritt Pro Senectute exakt die geltende Rechtsposition in der Schweiz. Allerdings ist sie die mit Abstand grösste Organisation für ältere Menschen hierzulande. Wenn sie von Beihilfe zur Selbsttötung spricht, und das ausdrücklich gut heisst, hat das besonderes Gewicht: «Das ist uns absolut bewusst. Deshalb haben wir das Papier auch in einer Fachgruppe mit Experten erarbeitet. Was im Papier drinsteht, da stehen wir als Organisation zu 100 Prozent dahinter.»

Dass damit der Druck auf sehr kranke alte Menschen steigen könnte, ihrem Leben ein Ende zu setzen, ist sich Werner Schärer bewusst. Einfach nicht darüber sprechen, sei allerdings keine Lösung: «Diesen Druck gibt es schon heute hie und da. Und gerade, um das eben zu thematisieren, und um die Meinung von Pro Senectute klar hervorzuheben, hat Pro Senectute dieses Positionspapier verfasst. Und darin eben die Würde des einzelnen Menschen, sein Selbstbestimmungsrecht, hervorgehoben.»

Suizidprävention – also die Verhinderung von Selbsttötung – müsse deshalb verstärkt werden. Dazu gehörten beispielsweise verbesserte Methoden zum rechtzeitigen Erkennen von Depressionen im Alter. Ausserdem setze sich Pro Senectute für eine möglichst umfassende Schmerztherapie ein. Um so unheilbar kranken Menschen, eine Alternative zum Ausweg in den Suizid zu bieten.