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Bergsturz in Bondo Dorf bleibt wegen anhaltender Gefahr evakuiert

Legende: Video Bondo bleibt evakuiert abspielen. Laufzeit 2:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.08.2017.
  • Für das Dorf Bondo im Bergell ist die Bergsturz-Gefahr nicht vorbei: Laut Geologen kann sich jederzeit eine weitere Million Kubikmeter Gestein vom Piz Cengalo lösen.
  • Erste ausführliche Messungen wurden durchgeführt. Davon erhofft man sich, Zeitpunkt und Ausmass weiterer Ereignisse besser abschätzen zu können.
  • Nach dem riesigen Bergsturz von Bondo mit mutmasslich acht Opfern ermittelt nun die Polizei.
Legende: Video Live: Der Murgang vom Freitag (Augenzeuge/Vittorio Scartazzini) abspielen. Laufzeit 0:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.08.2017.

Die Anwohner von Bondo müssen sich weiter gedulden, bis sie in ihr Dorf zurückkehren können. Zu gross ist die Gefahr vor weiteren Bergstürzen und damit auch Murgängen.

Felsabbruch jederzeit möglich

Nach Aussagen verschiedener Experten von Kanton und Bund ist am Piz Cengalo eine weitere Million Kubikmeter Fels in langsamer Bewegung. Stündlich regnet es Steine und auch ein massiver Felsabbruch ist jederzeit möglich.

Gefahr geht aber auch von den abgestürzten Felstrümmern aus, die sich im Val Bondasca häuserhoch türmen. Das Abbruchmaterial kann offenbar jederzeit in Bewegung geraten.

Geologen haben derweil mit Radar und Laser den Piz Cengalo vermessen. Direkt in die Gefahrenzone hinein konnten die Experten jedoch nicht.

Acht Menschen verschollen

Die Räumungstrupps versuchen nun, das gefüllte Auffangbecken für Gestein und Geschiebe zu leeren, welches das Dorf vor Murgängen schützt. Die Gefahr weiterer Felsstürze und Gerölllawinen scheint relativ hoch. Darum sollen wieder Auffangreserven geschaffen werden.

Ein Berg.
Legende: Der riesige Felssturz mit acht nach wie vor verschollenen Bergwanderern hat polizeiliche Ermittlungen zur Folge. Keystone

In dem völlig verwüsteten Gebiet waren am Mittwoch etwa vier Millionen Kubikmeter Fels zu Tal gedonnert und hatten sich im Tal viele Meter hoch aufgetürmt. Seither werden acht Wanderer vermisst. Die Suche nach ihnen wurde am Samstag abgebrochen.

Waren Warnungen ausreichend?

Die Ermittler ermitteln nun, ob die Touristen ausreichend gewarnt waren: «In dem Zusammenhang wird besonders der Frage nachgegangen, ob genug auf die Naturgefahren hingewiesen wurde», sagte eine Sprecherin der Kantonspolizei Chur. «Die Staatsanwaltschaft ist informiert, und die Ermittlung wird von der Polizei durchgeführt.»

Die Bürgermeisterin des besonders betroffenen Ortes Bondo hatte zuvor eine Mitverantwortung zurückgewiesen. Das Dorf habe alles getan, um Todesfälle infolge von Erdrutschen zu verhindern, sagte Anna Giacometti.

Warnschilder aufgestellt

Nach Aussagen von Giacometti gegenüber verschiedenen Medien hatte die Gemeinde an Wanderwegen Schilder aufgestellt, welche vor einer Lebensgefahr durch einen Felssturz oder Steinschläge warnten. Und offenbar war mindestens ein Wanderweg gesperrt.

An Besitzer von Maiensässen im Val Badosca wurden Warnbriefe verschickt. Offenbar war für ein paar Maiensässe sogar ein Betretungsverbot ausgesprochen worden. Diese Massnahmen erwiesen sich am Unglückstag als zentral. Die gewaltige Gerölllawine nach dem Bergsturz walzte ein Dutzend Maiensässe nieder, ohne dass nach bisherigen Erkenntnissen dort jemand zu Schaden kam.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Frank Huber (Frank H)
    Die Frage die hier ja hier implizit aufkommt ist: ist die Staumauer Albigna sicher? Wie hoch ist die Gefahr eines Bergsturzes dort? Als Bewohner des Unterlandes kenne ich die Region da oben (leider) nicht, aber ich habe gelesen, dass die Staumauer nicht im Fels verankert ist. Eine riesige Druckwelle könnte sie gemäß meinem Laienverstand ja wegschieben und so das ganze Bergell überfluten. Wie realistisch ist so ein Szenario mit enormem Schadenspotenzial?
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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Mein Bedauern geht an alle Betroffenen! - Das Leben ist ein Risiko von der Geburt weg! Jedermann, der sich in die Berge begibt, sei es zum Klettern oder Wandern, geht ein Risiko ein und zwar schon unterwegs im Verkehr auf der Strasse. Wir wissen das und trotzdem begeben wir uns alle täglich mehr oder minder in bedrohliche Situationen, sei es im Alltag oder in der Freizeit. Keiner möchte auf diese Freiheit verzichten und so übernimmt m.E. auch jeder die Verantwortung für sich selbst.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Es ist müssig, Schuldige zu suchen. Vielmehr, müssen sich sämtlich betroffenen Berregionen endlich damit auseinandersetzen, dass die Bergsturzgefahr schon vor vielen Jahren zunahm und unberechenbar bleibt.
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    1. Antwort von Achim Frill (Afri)
      Casagrande, die Bergsturzgefahr hat nicht zugenommen, sondern die menschliche Besiedelung der Berge. Bergstürze gab es schon immer, man nennt es natürliche Erosion; in feine Risse dringt Wasser, welches im Winter gefriert, den Stein auseinanderdrückt, im Sommer wieder entlastet, usw. Bis es bricht. Gemäss Geologen haben Bergstürze nur sekundär mit dem "Klimawandel" zu tun; ich sags immfall nur, falls hier wieder jemand damit daherkommen will.
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