Drei Tote nach Schüssen in Luzerner Holzfabrik

Ein langjähriger Mitarbeiter des Holzverarbeiters Kronospan in Menznau (LU) hat im Betrieb zwei Arbeitskollegen erschossen und sieben verletzt. Er wurde danach tot aufgefunden. Das Motiv der Tat ist unklar.

Ein langjähriger Mitarbeiter des Holzverarbeiters Kronospan in Menznau hat im Betrieb zwei Arbeitskollegen erschossen und sieben verletzt, fünf davon schwer. Er wurde danach tot aufgefunden.

Der Vorfall ereignete sich kurz nach neun Uhr in der Werkstatt, in einem Korridor zur Betriebskantine sowie in dieser selbst. Der Schütze schoss dabei nach Aussage von Kripo-Chef Daniel Bussmann mit einer Faustfeuerwaffe gezielt auf Personen. Offenbar soll es zu einer Auseinandersetzung gekommen sein.

Motiv weiter unklar

Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 42jährigen Schweizer, der seit mehr als zehn Jahren bei der Kronospan arbeitete. Nach Angaben des Unternehmens handelte es sich um einen ruhigen Mann, der nicht aufgefallen sei. Das Motiv seiner Tat ist noch völlig unklar.

Das Gebiet um den Tatort, der sich etwa 25 Kilometer westlich von Luzern befindet, wurde grossräumig abgesperrt. Ein Care-Team vor Ort betreute die Mitarbeiter. Für die Angehörigen richtete die Polizei eine Hotline (041 248 83 83) ein.

«Wir haben entschieden, dass wir sofort einen Carefonds einrichten, damit die Betroffenen zum Zuge kommen und Härtefälle abgefedert werden können», sagte das Konzernleitungsmitglied Urs Fluder. Kronospan stellt nach der tödlichen Schussabgabe zudem die Produktion für zwei Tage ein.

Gedenken an Opfer

Morgen findet in Willisau ein Gedenkgottesdienst statt, an dem auch die Konzernleitung der Firma teilnehmen wird. «Wir sprechen den Verwandten und Bekannten unser tiefstes Beileid aus», sagte CEO Mauro Capozzo. 

Auch der Gemeindepräsident von Menznau, Adrian J. Duss, hat mit tiefer Betroffenheit auf die tödliche Schussabgabe in der Fabrik Kronospan reagiert. Was passiert sei, sei unfassbar und unbegreifbar und mache ihn sprachlos, sagte er.

Die Kronospan sei ein wichtiger Arbeitgeber für die Region und die Gemeinde. Für die Angehörigen sei das Vorgefallene tragisch, sagte Duss.

Bundesrat zeigt sich bestürzt

Der Bundesrat hat nach seiner Sitzung seine Betroffenheit ausgedrückt. Die Regierung habe mit tiefer Bestürzung von den Todesfällen und Verletzten Kenntnis genommen, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi.

Kartenausschnitt Menznau.

Bildlegende: Menznau befindet sich in der Nachbarschaft von Willisau, Entlebuch oder Ruswil. google maps

Die Regierung drücke den betroffenen Familien ihr tiefes Beileid aus und danke den Einsatzkräften und Dienststellen in Luzern für ihren Einsatz, sagte Simonazzi weiter.

«Der Vorfall macht einem bewusst, welches Leid mit Waffen angerichtet werden kann», sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga. Er zeige aber auch, dass das Waffenrecht laufend verbessert werden müsse. «Wir sind noch nicht am Ziel.» Nach wie vor seien hunderttausende Waffen nicht registriert.

Auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf zeigte sich bestürzt und drückte den Betroffenen ihr Beileid aus. «Es ist unglaublich, was geschehen ist.» Sie forderte eine Aufarbeitung des Geschehenen.

Produktion gedrosselt

Kronospan ist auf die Herstellung und Veredelung von Holzwerkstoffen spezialisiert. Im Betrieb in Menznau sind rund 400 Mitarbeiter beschäftigt. Der Holzverarbeiter war zuletzt wie die gesamte Branche von einem akuten Rundholzmangel betroffen.

Vergangene Woche hatte der Verband Holzindustrie Schweiz mitgeteilt, dass einige Sägewerke – darunter auch die Kronospan – die Produktion gedrosselt hätten. Laut der Unternehmensleitung gehe es der Firma jedoch gut. «Wir hatten in den letzten Monaten keine Kündigungen», sagt der Kronospan-Chef.

Schwinger unter Opfern

Auch der Luzerner Spitzenschwinger Benno Studer aus Schüpfheim im Entlebuch wurde bei dem Amoklauf getötet. 2007 hatte er das Bergkranzfest auf dem Brünig und das Luzerner Kantonale gewonnen. 2011 erreichte er mit dem Sieg am
Innerschweizer Teilverbandsfest seinen grössten Erfolg. Nach einer Verletzung
wollte Studer im April sein Comeback geben.