Dringend gesucht: Junges Blut

Dem Blutspendedienst gehen die Stammkunden aus: Viele regelmässige Blutspender fallen aus Altersgründen weg – und bei Jüngeren ist der Aderlass wenig populär. Wie kann es gelingen, künftige Generationen ans Blutspenden zu binden?

Blutspende-Aktion an der Universität Zürich.

Bildlegende: Die Blutspende-Aktionen (hier an der Uni Zürich) sind beliebt – doch für viele bleibt es ein einmaliges Erlebnis. Keystone

Rund 1200 Blutkonserven brauchen Schweizer Spitäler täglich, um die Versorgung ihrer Patienten sicherzustellen. Prekär wird die Lage – wie aktuell – praktisch alljährlich in den Sommermonaten, wenn ein Grossteil der möglichen Spender in den Ferien weilt und sich die Blutreserven deshalb kontinuierlich verringern.

Dank modernerer Operationstechniken wird heute zwar während den Eingriffen deutlich weniger Blut gebraucht als früher. Dennoch dürfte künftig aufgrund der demografischen Entwicklung insgesamt mehr Spenderblut vonnöten sein. Umso bedeutsamer ist es für die insgesamt zwölf regionalen Blutspendedienste der Schweiz, dass es möglichst viele Spender gibt, die sich in regelmässigen Abständen auf den Schragen legen.

Oftmals eine einmalige Sache

Genau hier liege aber das Problem, erklärt Beat Frey, Chefarzt und Leiter des Zürcher Blutspendedienstes. Zahlreiche treue Spender kämen in ein Alter, in dem Blutspenden nicht mehr möglich sei: Das Maximalalter für Mehrfachspender beträgt 75 Jahre. «Und für jeden regelmässigen Blutspender, der uns verloren geht, brauchen wir erfahrungsgemäss drei bis vier neue Blutspender, um dieselbe Menge zu erhalten», sagt Frey. Denn oftmals bleibe das Blutspenden leider eine einmalige Sache.

Gründe dafür gibt es einige. Früher sei Blutspenden ein sozialer Event gewesen – häufig auch unter Vereinskollegen, so Frey. Man habe sich getroffen und gegenseitig motiviert. «Heute existiert ein ganz anderes und wesentlich grösseres Angebot für den sozialen Austausch.» Zudem seien jüngere Leute grundsätzlich mobiler und weniger sesshaft. Doch auch in späteren Jahren ist es kein Leichtes, sie als Neuspender zu gewinnen, weiss Diotima Lanz vom Blutspendezentrum beider Basel: «Für uns ist es oft schwierig, 30- bis 45-Jährige zu finden, die regelmässig kommen.» Denn in diesem Alter seien viele sehr stark in Familie und/oder Beruf eingespannt. Etwa 50 Prozent der Neuspender komme denn auch nur ein einziges Mal zur Blutspende, bedauert Lanz.

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Blutkonservenmangel im Kanton Zürich

2:24 min, aus Tagesschau vom 24.7.2015

Die Angst vor der Nadel

Einen letzten Punkt, der wohl nicht wenige vom regelmässigen Aderlass abhält, führt Yvonne Fischer von der Blutspende SRK Schweiz an – die Angst vor dem Nadelstich: «Das muss man akzeptieren.» Umso wichtiger, dass die erste Blutspende ein gutes Erlebnis sei. Generell unternehme man zahlreiche Anstrengungen, um Sympathien fürs Blutspenden zu wecken. So gehe man vermehrt zu den Leuten hin, zum Beispiel indem man Kooperationen mit Firmen suche oder im Rahmen sogenannter «Road Shows». «Die grosse Herausforderung ist dann allerdings, diese Neuspender dauerhaft in unsere normalen Zentren zu holen.»

Die Verantwortlichen sind denn auch bemüht, diesen ersten Kontakt nicht abreissen zu lassen. Sämtliche Spender würden regelmässig per Telefon, E-Mail oder SMS benachrichtigt, meint etwa Stefan Koller von der Interregionalen Blutspende Bern. «Wir pflegen und umsorgen sie», sagt er. Um die jüngeren Spender nicht zu vernachlässigen, sei man zudem sehr aktiv auf Facebook, publiziere Beiträge und weise auf Aktionen hin. Ebenfalls rege genutzt wird laut Yvonne Fischer die Blutspende-App, die vergangenen Juni neu lanciert wurde.

Blutspende bleibt unentgeltlich

Doch auch wenn die Suche nach neuen «Stammkunden» beschwerlich ist: Neuspender mittels finanzieller Entschädigungen anzulocken oder gar dauerhaft zu binden, bleibt in der Schweiz weiterhin tabu. «Die Blutspende SRK unterstützt das weltweit ethisch-moralische Prinzip der unentgeltlichen Blutspende und vertritt damit auch den Grundsatz, dass mit Blut als einem menschlichen Organ keine finanziellen Gewinne gemacht werden dürfen», schreibt die Organisation dazu auf ihrer Internetseite. Statt auf Geld setze man lieber auf Überzeugung, sagt auch Beat Frey. «Jeder kann in die Situation kommen, auf fremdes Blut angewiesen zu sein – wir appellieren an gesunde Leute, daran zu denken.»

Spenden Sie Blut? Und wenn nein – wieso nicht? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in der Kommentarspalte.