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Ungewöhnliches Dynamic Pricing in St. Moritz
Aus Espresso vom 24.01.2020.
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Dynamische Preise im Engadin Der günstigste Preis beim Skipass ist Glückssache

  • Ein 5-Tagespass für das Skigebiet St. Moritz kostet vom 15. bis am 19. März zurzeit 321 Franken.
  • Ein 4-Tagespass vom 15. bis 18. März und eine zusätzliche Tageskarte für den 19. März erhalten Gäste für insgesamt 287.50 Franken – also für gut 30 Franken weniger.
  • Auf diesen Spartrick stösst nur, wer auf der Buchungsplattform verschiedene Kombinationen ausprobiert.
  • Die Betreiberin «Engadin St. Moritz Mountains» spricht von «Ausnahmesituationen im Preismodell» und betont, normalerweise würde man Gäste belohnen, die längere Mehrtageskarten kaufen.

Auf den Effekt aufmerksam geworden ist ein «Espresso»-Hörer, der für Mitte März einen Skipass von Sonntag bis Donnerstag kaufen wollte. Per Zufall merkte er, dass er günstiger fährt, wenn er die Tage stückelt. Er findet dies kundenunfreundlich und wendet sich an das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».

«Espresso» hat daraufhin verschiedene Daten durchgerechnet. Das Ergebnis: Wer zwischen Mitte Februar und Ende März dieses Jahres jeweils von Sonntag bis Donnerstag in St. Moritz Skifahren will, fährt mit einer 4-Tageskarte von Sonntag bis Mittwoch und einem separat gekauften 1-Tagespass immer günstiger. Es funktioniert auch mit Familie: Für zwei Erwachsene und zwei Kinder lässt sich in dieser Zeit insgesamt rund 90 Franken sparen.

Dynamische Preise torpedieren einen Grundsatz

«Engadin St. Moritz Mountains» bestätigt den Effekt auf Anfrage. Im Grundsatz sollte auch mit dem dynamischen Preismodell eine längere Mehrtageskarte pro Skitag günstiger sein als eine kürzere. Man möchte eigentlich Gäste belohnen, die mehr Tage am Stück buchen.

In den vorliegenden Buchungsperioden gäbe es zurzeit jedoch «starke Nachfrage-Unterschiede nach den unterschiedlichen Tickettypen.» Sprich: 5-Tagespässe sind sehr beliebt und deshalb gemäss dynamischem Preismodell teurer als andere Pässe.

Dynamische Preise: Das sagen Experten

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Dynamische Preise in Skigebieten würden von den Kunden akzeptiert, sofern sie den Mechanismus verstehen, wie die Preise zustande kommen, sagt Emanuel de Bellis, Assistenzprofessor für Konsumentenforschung an der Universität St. Gallen: «Wenn die Skifahrer die dynamischen Preise als Blackbox wahrnehmen, dann ist die Akzeptanz deutlich geringer.»

Die Auswirkungen von wetterabhängigen Preisen hat Dietmar Kremmel von der Hochschule für angewandte Wissenschaft in St. Gallen bei den Skigebieten Pizol SG und Belalp VS untersucht. Bei schlechten Wetterprognosen erhalten die Wintersportler einen Rabatt auf die Tageskarte, bei blauem Himmel und Sonnenschein bezahlen sie den vollen Preis. «Dieses System kam bei den Sportlern gut an», sagt Kremmel. Insbesondere habe es bei schlechtem Wetter mehr Besucher auf der Piste gehabt als in früheren Jahren.

Allerdings sei es schon so, dass bei Frühbucher-Rabatten das Wetter- und Schneerisiko an die Kunden «ausgelagert» werde. «Das ist aber auch so, wenn sie jetzt für den Sommer eine Ferienwohnung buchen. Da wissen sie auch noch nicht, wie das Wetter wird», gibt Dietmar Kremmel zu bedenken. Beim Schneerisiko verhalte es sich jedoch anders: «Da muss ein Skigebiet schon genug hoch gelegen sein, damit ein Wintersportler dieses Risiko übernimmt.»

Gäste müssen Preise vergleichen

Michael Kirchner von «Engadin St. Moritz Mountains» spricht von «Ausnahmesituationen». Es wäre ebenso nicht fair, in einer Buchungsperiode sämtliche Preise zu erhöhen, wenn der 5-Tagespass stark nachgefragt sei, sagt er. Das aktuelle System könne aber tatsächlich zu «ungewohnten Situation» führen. Den Gästen empfehle man, die Preise zu vergleichen. Sprich: Wer den günstigsten Preis will, muss selber rechnen und sollte nicht von Anfang an die einfachste Variante wählen.

Anpassung des Systems noch offen

Auf die Frage, ob «Engadin St. Moritz Mountains» das Preismodell kundenfreundlicher gestalten will, heisst es, man entwickle das System konstant weiter und möchte den Gästen immer ein attraktives Angebot bieten. Man habe sich den Effekt notiert und prüfe zurzeit, ob, wie und wann man das Preismodell anpassen könne oder wolle.

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