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Schweiz E-Biker machen Wanderern den Platz streitig

Elektro-Mountainbikes könnten das nächste grosse Geschäft im Velohandel werden. Die Verkaufszahlen steigen massiv und rücken den altbekannten Konflikt zwischen Wanderern und Bikern wieder in den Vordergrund.

Zwei Wanderer weichen auf einem schmalen Pfad aus, um zwei Mountainbiker vorbeizulassen.
Legende: Auf Wanderwegen kann es schon mal eng werden, besonders wenn neu mehr E-Mountainbikes in den Bergen unterwegs sind. Keystone / Archiv

Elektro-Velos sind im Trend, und ganz besonders Elektro-Mountainbikes: Gemäss der Statistik des Verbands der Schweizer Fahrradlieferanten «Velosuisse» ist der Absatz von Mountainbikes mit Motor-Unterstützung im Jahr 2015 richtiggehend explodiert: 19‘687 E-Mountainbikes wurden letztes Jahr verkauft, fast 44 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Und dieser Boom wird auch dieses Jahr weitergehen, sagen Fachleute. Jeder grosse und auch fast alle kleineren etablierten Mountainbike-Hersteller führt mindestens ein Modell im Programm, die meisten haben mittlerweile eine eigene E-Mountainbike-Modellpalette.

Erlaubt sind nur Velos mit schwachen Motoren

So stark steigende Verkaufszahlen, das bedeutet potentiell tausende E-Mountainbiker, die neu dank der Motor-Unterstützung auch hochalpine Wege erkunden können und da möglicherweise Wanderern in die Quere kommen.

«Bisher verzeichnen wir keine Reklamationen speziell über E-Mountainbikes», sagt Michael Roschi, Geschäftsführer des Verbands «Schweizer Wanderwege». Die Rechtslage sei ausserdem klar – auf Wanderwegen erlaubt sind nur schwach-motorisierte E-Mountainbikes, die den Fahrer bis 25 km/h unterstützen. Die stark-motorisierten Modelle mit Unterstützung bis zu 45 km/h fallen unter die Kategorie Mofas und sind in Wandergebieten verboten. «Die schwach-motorisierten E-Bikes behandeln wir wie normale Bikes», sagt Roschi, «sie sollen Wanderwege benützen dürfen, wo eine gemeinsame Nutzung gut möglich ist.»

Mancherorts aber sei eine Entflechtung der Wege für Biker und Wanderer sinnvoll, wie es sie zum Beispiel schon auf der Lenzerheide oder im Gebiet Flims-Laax gibt. «Solche separate Routen für Biker und für Wanderer werden mit den steigenden E-Mountainbike-Zahlen wohl zunehmen», glaubt Roschi.

E-Mountainbikes sind bergauf kaum schneller

Auch Bernhard Schneider, Medienverantwortlicher des vom Bund mitfinanzierten Kompetenzzentrum für Elektro- und Zweiräder «New Ride», sieht noch keinen neuen, grossen Krach zwischen Wandern und E-Mountainbikern: «Bisher sind die Befürchtungen grösser als die eigentlichen Konflikte.» Wanderer würden vor allem erschrecken, wenn ein Velo mit grossem Tempo an Ihnen vorbei fährt. E-Mountainbikes sind im Schnitt aber fast 10 Kilo schwerer als Mountainbikes ohne Motoren. «Mit diesem Zusatz-Gewicht rast kaum ein E-Mountainbiker den Berg hoch», sagt Schneider.

Und häufig könne nun ein nicht so sportlicher Mann mit dem E-Mountainbike seinen sportlicheren Kollegen auf dem normalen Velo begleiten, aber er sei eben nicht schlechter unterwegs als der Fahrer mit dem herkömmlichen Mountainbike.

Mountainbikes mit Motorunterstützung polarisieren

Kommt hinzu, dass geübte Mountainbiker – die mit Motorunterstützung eben Berge auch wesentlich schneller hochfahren könnten – E-Mountainbikes häufig grundsätzlich ablehnen. «Bei vielen herkömmlichen Mountainbikern sind Elektro-Mountainbikes verpönt», sagt Pete Mijnssen, Chefredaktor von «Velojournal». «Sie sagen, wer nicht aus eigener Kraft den Berg hochkommt, hat dort auch nichts zu suchen.»

Auch bei Branchentreffen sei das Thema in diesem Frühling kontrovers diskutiert worden: «Viele Tourismusdestinationen freuen sich auf die neue Klientel und setzen auf das (Elektro-) Mountainbike, erst recht in Anbetracht des stagnierenden Wintergeschäfts. Naturschützer und Wanderorganisationen hingegen befürchten Schäden und Konflikte.»

Klare Ankündigungen beim Überholen von hinten

Mindestens um die Konflikte mit Wanderern zu vermindern, gäbe es aber einige einfache Grundregeln, sagt Bernhard Schneider von «New Ride». Etwa, dass auf einem Wanderweg grundsätzlich der E-Biker Rücksicht auf den Fussgänger nehmen müsse. Schneider empfiehlt: «Der E-Biker sollte beim Überholen von hinten etwa auf Jogging-Tempo runterbremsen und ruhig, aber klar sagen, ob er links oder rechts am Wanderer vorbeifährt».

Sendebezug: Regionaljournal ZH, 17.5.2016, 17.30 Uhr

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Je länger, je mehr müssen wir in der CH wieder lernen, toleranter zu werden. Wenn ich hier einige Kommentare lese wird mir Angst und Bange. Hauptsache man pocht auf sein altverstaubtes, verbrieftes Recht, Selbst auf Wanderwegen suchen diese langgedienten «Naturfreunde» den verbissenen «Krieg»! Und mir scheint, es sind wieder mal einige «Alte», welche sich mit dem Wandel nicht abfinden können. Schade, meinte ich doch die CH als Erholungsraum gehört allen, auch den Bikern!
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Sie, Herr Bächler, werden offensichtlich nie alt! Bei jeder sich bietenden Gelegenheit verunglimpfen Sie uns ältere Menschen, die jahrzehntelang regelmässig Beiträge in die Sozialwerke einzahlten oder sonst viele ehrenamtliche Arbeiten und Einsätze tätigten! Es sind eben genau ältere, weniger bewegliche Wanderer, die durch die oft aggressiven und rücksichtslosen Biker oder Reiter auf schmalen Wanderwegen erschreckt und gefährdet werden! Wir hätten ja für alle die richtigen Wege oder Strassen!
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Was soll denn das, R.Bolliger? Hier geht es doch nicht darum, wer wann was bezahlt hat. Ein Anrecht auf Vergangenes gibt es nicht mehr in dem Masse, wie sie dies immer wieder einfordern. Die Welt ändert sich, dies scheint an ihnen vorbei zu gehen..deshalb reagieren sie immer so unverständlich!
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Solange gegenseitig Rücksicht genommen wird, sollte das kein Problem sein. kritisch wird es, wenn Biker ohne anzuhalten Wanderer vom Weg "verjagen". Gegenseitiger Respekt - und Anhalten seitens der Biker an engen Stellen würden die Diskussion überflüssig machen.
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  • Kommentar von Rainer Fauser (Rainer Fauser)
    Nur Faulpelze und muskulär schwache Mountainbiker kaufen solchen Unfug.Der Rest fährt bergauf eh nicht schneller als Wanderer laufen,im Gegenteil,oft ist Schieben geringfügig schneller und dann ohnehin keine Gefahr.Bergab sollten eigentlich vernünftige Mountainbiker,die von hinten kommen,bremsen,rufen und warten,bis der Fußgänger Platz macht.Nur leider wähnen sich manche sture Wanderer in den Alpen im alleinigen Wegerecht.Ab und an erschrickt halt Einer von denen in Anbetracht des Velos.Und??
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