Ein Beruf auf der Suche nach seiner Zukunft

Es ist einer der ältesten Berufe: Bereits in der Pfahlbauzeit erstellten Zimmerleute Häuser aus Holz. Zwischen Tradition und Computerzeitalter sucht sich eine Branche ihren Weg in die Moderne, dabei soll auch ein Facebook-Botschafter dienen.

Entgegen dem weit verbreiteten Klischee kümmern sich Zimmerleute bei weitem nicht nur um die Dächer eines Hauses. Dies zu erläutern, ist während eines halben Jahres die Aufgabe von Fabian Dubach. Er wurde zum Botschafter seines Berufsstandes gewählt. Sechs Monate lang tourt er durch die Schweiz und arbeitet während einer oder zwei Wochen in einem Betrieb, um dann weiterzuziehen.

Das Vorgehen erinnert an die Walz der Zimmerleute. Während drei Jahren ziehen Gesellen nach ihrer Ausbildung durch die Welt, um danach für die Meisterprüfung zugelassen zu werden. Dabei lernen die Jugendlichen – meist sind es Männer – neue Betriebe und auch das Handwerk vertieft kennen. In der Schweiz gibt es schätzungsweise gerade mal noch ein Dutzend Gesellen, die auf die Walz gehen.

Im Gegensatz zu diesen jungen Erwachsenen enthält Fabian Dubachs Aufgabe eine entscheidende Ausnahme: Er darf mit anderen Menschen kommunizieren, mehr noch: er wurde dazu aufgefordert. Für den Holzverband Schweiz muss er den Berufsstand bewerben und seine Walz digital festhalten.

Und er hat seinen Spass dabei: «An einer Berufsmesse erzählte ich einem Mädchen von meinem Beruf und als sie den Stand verliess, war sie überzeugt, die Ausbildung zur Zimmerin in Angriff zu nehmen. Das war schon eindrücklich.»

Nie näher als 50 km von Zuhause

Mit der traditionellen Walz hat Dubachs Tour durch die Schweiz allerdings nicht mehr viel zu tun. Der 22-Jährige hat einen Arbeitsvertrag bei Holzbau Schweiz. Im Gegenzug müssen sich die Gesellen unterwegs von Arbeitgeber zu Arbeitgeber angeln. Meist kommen sie in Herbergen unter, die mit den jeweiligen Gesellenzünften eine Zusammenarbeit eingingen.

Hansueli Diem war selbst während dreieinhalb Jahren auf der Walz. Heute arbeitet er zwar nicht mehr in der Branche, kümmert sich aber noch immer um die wenigen Gesellen, die eine solche Reise auf sich nehmen wollen.

Er relativiert die Unterschiede zwischen Dubachs Tour und einer traditionellen Walz: «Es sind zwei Paar Schuhe. Uns ist die Tradition wichtig, wir möchten diese wahren.» Dazu gehöre auch, dass man sich während der Walz nie mehr als 50 Kilometer seiner Heimat nähert.

Bereits zu sehr im Alltag eingebunden

Vor allem der Verzicht auf ein Mobiltelefon und die lange Abwesenheit von zuhause möge einige Gesellen von der Walz abschrecken, ist sich Diem sicher. Deshalb habe die Zahl der jungen Zimmerleute auf Reise in den vergangenen Jahren auch konstant abgenommen.

Bei Fabian Dubach waren es in erster Linie die Vernetzung in seinem Dorf in der Nähe von Luzern, das Engagement in Vereinen und die Verbundenheit zur Familie, weshalb er sich gegen eine dreijährige Walz entschied. Auf seiner Tour habe aber auch er Gesellen kennengelernt, mit welchen er sich nicht nur digital, sondern ganz gewöhnlich analog austauschen konnte.

Echo aus dem Hörsaal

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«Echo der Zeit» verlässt für ein Bildungs-Special das Studio und wird zum «Echo aus dem Hörsaal». Radio SRF 1 und SRF 4 News senden ab 8. Oktober 2013 an drei aufeinanderfolgenden Dienstagen um 18.00 Uhr live von der Universität Basel, der Hochschule Luzern und der Berufsfachschule Emmental.

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