Wo Brücken altern

Hunderte von Betonbrücken zählt die Schweiz. Unzählige Autos und Lastwagen überqueren sie täglich. Wie lange aber halten die Brücken diese Last? Mit einem Grossversuch testen dies die Hochschulen Luzern und Rapperswil. Die Testanlage steht in einer Halle in Horw bei Luzern – ein Blick vor Ort.

Mitten in der grossen Halle liegt aufgebockt auf Eisenträgern eine riesige Betonplatte. 15 Meter lang und sechs Meter breit: Ein Brückenelement, wie es hunderte gibt auf den Schweizer Strassen, erklärt Hochschul-Dozent Karel Thoma. Direkt über der Platte sind drei Zylinder, die hydraulisch betrieben mit massiver Kraft auf den Beton drücken.

«Wir lassen die jetzt nacheinander immer 27 Tonnen Kraft aufbringen. Das heisst, zuerst der erste Zylinder, dann der zweite, dann der dritte und wir versuchen damit eine Überfahrt eines gefüllten Lastwagens zu simulieren», erklärt Thoma.

Atmender Beton

Hochschul-Dozent Karel Thomas vor der Versuchsbrücke.

Bildlegende: Hochschul-Dozent Karel Thomas erklärt die drei Zylinder, mit welchen eine Überfahrt eines Lastwagens simuliert wird. SRF

Seit acht Monaten läuft der Versuch, unterdessen hat die Testbrücke bereits vier Millionen Lastwagen ausgehalten. Mit Folgen: Bei jeder simulierten Überfahrt biegt sich die Betonplatte durch – nur leicht zwar, aber doch deutlich sichtbar. Ein feines Auf und Ab, als würden die 50 Tonnen Beton atmen. Zu Beginn habe man die Verformung kaum wahrgenommen, sagt Karel Thoma. «Wir hatten so zwei bis drei Millimeter. Heute sind wir doch bei zehn bis elf Millimeter. Das ist eigentlich das Offensichtliche, das sich wirklich verändert hat.»

Das weniger Offensichtliche spielt sich im Beton ab. Karel Thoma duckt sich, zwängt sich unter das Brückenelement und zeigt auf dünne, kaum erkennbare Linien – Risse, weiss der Experte. Hunderte sind es bereits, verteilt auf die ganze Testbrücke. Und ähnlich sehen auch die richtigen Brücken der Schweizer Strassen aus. Wie gefährlich die Risse sind, sei noch zu wenig erforscht, sagt Thoma. Er vermutet aber, dass die Brücken stärker sind als man bislang angenommen hat.

Die Hydraulik-Zylinder helfen sparen

Weil man es im Moment noch nicht besser wisse, müsse man eben ab und an die Brücken verstärken. «Jetzt versuchen wir es besser zu verstehen, damit wir uns diese Verstärkungen sparen können.» Denn schliesslich gehe es darum, Geld zu sparen. «Wenn man eine Brücke flicken muss, kostet das Millionen», rechnet Thoma vor.

Für definitive Resultate braucht es aber noch Geduld – die Hydraulik-Zylinder der Hochschule werden noch einige Millionen Male auf die Platte drücken, bis das Beton-Ungetüm bricht.