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Nothelferkurs abschaffen? «Ein Handy kann keine erste Hilfe leisten»

Strassenverkehrsämter wollen keinen Nothelferkurs mehr. Barbara Schild, Co-Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin (SGNOR), versteht das nicht.

Legende: Audio Rettungsmediziner halten an Nothelferkurs fest abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
02:54 min, aus HeuteMorgen vom 05.09.2017.

Der Nothelferkurs als Teil der Fahrprüfung sei überholt, das finden die kantonalen Strassenverkehrsämter. Der Grund sei, dass dank den Handys die Rettungskräfte heute viel schneller vor Ort seien als früher. Ausserdem sei die Zahl der Toten im Strassenverkehr stark zurückgegangen.

SRF News: Was halten Sie vom Vorschlag der Strassenverkehrsämter?

Barbara Schild: Alle Laienkurse sind sehr wichtige Kurse. Wir wissen heute, dass die Rettungskette vor Ort beginnt und diese einen grossen Erfolg hat. Vor allem bei der Reanimation ist die Zeit ein wichtiges Element. Es sind die Laien vor Ort, welche die Rettungskette beginnen.

Es macht für Sie als Rettungskräfte wirklich einen Unterschied, wenn die Personen, die am Unfallort ankommen, irgendwann einen Nothelferkurs absolviert haben?

Auf jeden Fall. Das Handy kann heute viel ersetzten und vor allem die Alarmierung beschleunigen. Aber es kann keine erste Hilfe leisten. In der Schweiz gibt es viele abgelegene Orte und die Wetterbedingungen sind nicht immer ideal.

Die Strassenverkehrsämter sagen, dass die Zahl der Verkehrstoten seit den 90er Jahren stark zurückgegangen ist und dass deshalb der Nothelferkurs Zeitverschwendung ist.

Zum Glück sind die Notfälle zurückgegangen. Einerseits sicherlich dank Prävention, aber andererseits auch dank der schnellen Hilfe. Wir haben in der Schweiz eine ausgezeichnete Rettungskette, die beim Laien beginnt.

Normalerweise ist es so, dass man den Nothelferkurs etwa mit 18 Jahren macht. Bleibt dieses Wissen?

Das Wissen sollte man sicher erneuern. Aber die Sensibilisierung findet als junge Person statt. Ich hoffe nicht, dass wir so schnell vergessen, vor allem wenn es um erste Hilfe geht. Ich denke, da sind wir alle sehr sensibilisiert.

Würde es nicht mehr bringen, wenn man erste Hilfe sowieso in der Schule lernt?

Das wäre ein anderer Ansatz. Man hat schon mehrfach versucht, die Schulen zu sensibilisieren. Aber da geht es um die finanzielle Unterstützung. Wir hatten die Kurse teilweise im Tessin. Leider sind diese gestrichen worden. Wir kämpfen immer wieder dafür, die Kurse in die Schulen verlegen zu können. Aber im Moment ist es vielerorts nicht möglich und deshalb denke ich, dass die Fahrprüfung der richtige Moment dafür ist.

Das Gespräch führte Monika Glauser.

Barbara Schild

Barbara Schild

Barbara Schild ist Co-Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin (SGNOR).

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Gerald Broflovski (Skankhunt42)
    Von den gravierenden Notfällen, die man im Alltag antreffen kann, ist der Herzstillstand jener, bei dem man durch einfache Massnahmen als Laie viel Gutes tun kann. Dies ist in Studien belegt. Nothilfekurse befähigen, sich zu handeln zu trauen. Wenn Sie einen Herzstillstand beobachten, ist alles besser, als nichts zu tun! 1. Eigene Sicherheit 2. Alarmieren 144, nach Defi schreien 3. Herzmassage beginnen! http://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2397833
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Als ich 1975 die Fahrprüfung machte, gab es den Nothelferkurs noch nicht. War auch noch nie in einen schweren Unfall verwickelt.
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  • Kommentar von Jens Mueller (Jens Mueller)
    Der Nothelferkurs soll abgeschafft werden oder der sollte Pflicht für jeden Verkehrsteilnehmer sein wie also auch für Velofahrer. In der Realität hilft der Kurs sowieso kaum was da die meisten nur wegschauen oder sogar angst haben zu helfen. Im schlimmsten Fall bei einer Wiederbelebung bricht man der Person eine Rippe und man wird schon verklagt. Auch wenn einen nichts droht es ist stress und daher tun wir lieber nichts und rufen lieber die experten.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Niemand wird in der Schweiz wegen einer gebrochenen Rippe verklagt und schon gar nicht verurteilt! Hingegen wurden schon Menschen wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt und verurteilt. Und das ist auch richtig so. Den Rettungsdienst anrufen kann jeder. Wer nicht einmal das macht soll zu Recht fürchten müssen verklagt zu werden. Es geht immerhin um Menschenleben und Nächstenhilfe gehört zu unseren Schweizer Traditionen.
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