«Eine höchst konzentrierte Angelegenheit»

Am Lauberhorn-Rennen in Wengen ist die Patrouille Suisse zu bewundern. Die Besonderheit bestand in diesem Jahr allerdings darin, dass die Flieger hoch über den Berner Alpen einen Airbus A320 eskortierten. «SRF News Online» hat sich vor dem Flug mit dem Kapitän unterhalten.

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Swiss-Airbus 320 am Lauberhorn

0:42 min, vom 18.1.2015

SRF News Online: In einem Airbus A320 über dem Lauberhorn-Rennen kreisen zu können, muss für einen Flugkapitän eine besondere Ehre sein. Warum dürfen gerade Sie diesen Flug antreten?

Martin Stotzer: Seit 21 Jahren bin ich im Piloten-Ausbildungsbereich von Swiss tätig. Als Cheffluglehrer der Airbus A320-Flotte bin ich das Fliegen nach Sichtflugregeln gewohnt. Mit mir im Cockpit sitzen zudem ein zweiter Fluglehrer und ein Copilot-Instruktor, die beide als ehemalige Profimilitärpiloten über einschlägige Jet-Erfahrung verfügen.

Also haben Sie sich nicht gross vorbereiten müssen?

Natürlich. Ein Flug, wie der am Lauberhornrennen in Wengen, ist keine alltägliche Angelegenheit. Wir haben uns mit den Informationen vergangener Sonder-Flüge vertraut gemacht und den Flug zusammen mit den Piloten der Patrouille Suisse im Flugsimulator mehrfach geübt. Die Sicherheit hat stets oberste Priorität, aber natürlich wollen wir den Zuschauern auch eine schöne Vorstellung bieten. Auch das verlangt Training.

Worin besteht während des Fluges die grösste Schwierigkeit? Machen Ihnen die kurzen Radien eher zu schaffen oder die schroffen Gipfel und Kämme der Berner Alpen?

Beide Aspekte fordern mich und mein Team heraus. Hinzu kommt, dass wir möglichst rund und mit langsamen Bewegungen fliegen müssen, damit uns die Jets der Patrouille Suisse eskortieren können.

Wie gestaltet sich der Ablauf des Fluges genau?

Nach dem Briefing starten wir wie gewöhnlich nach Instrumentenflug-Regeln am Flughafen Kloten und steuern die Innerschweiz an. Über Willisau übernimmt dann die militärische Kontrollstelle die Überwachung unseres Fluges. Diese Kontrolle des Luftraums ist nötig, damit wir auf dieser speziellen Flughöhe alle relevanten Informationen erhalten. Beispielsweise betreffend anderer Flugzeuge in unserer Nähe.

Was geschieht, nachdem sie den Himmel über Willisau passiert haben?

Nach Willisau steuern wir den Hohgant und die Schrattenfluh an und stossen hinter dem Brienzer Rothorn zu den Fliegern der Patrouille Suisse. Oder genauer: Sie stossen zu uns. Der Airbus ist nämlich zuerst in der Luft, weil den Fliegern der Patrouille Suisse rascher der Sprit ausgeht und der Airbus in einem sogenannten «Holding Patterns» – eine Art Warteschleife – ohne Probleme auf sie warten kann.

Dann spielen Sie in der Luft also quasi die erste Geige?

Seitens Swiss ja, wenn Sie so wollen. Im Anschluss geht es gemeinsam weiter Richtung Süden via Interlaken ins Lauterbrunnental. In der Region Mürren beginnt dann die Darbietung nach Plan entlang der berühmten Ski-Rennstrecke. Nach einer Linkskurve über den Hundsschopf folgt eine Rechtskurve über den Männlichen und die Kleine Scheidegg.

Können Sie den Flug, die Sicht auf die majestätischen Berge und der Blick auf die jubelnde Menge, selbst geniessen?

Wie erwähnt ist unsere Darbietung ein Sicht-Flug. Die Aussicht geniessen können wir aber natürlich nicht. Es ist vielmehr eine höchst konzentrierte Angelegenheit.

Was bedeutet Ihnen mehr: mit der Patrouille Suisse zu fliegen oder am berühmten Ski-Rennen teilzuhaben?

Mit der Patrouille Suisse zusammenzuarbeiten, ist gerade für mich eine äusserst reizvolle Aufgabe. Und als Berner und leidenschaftlicher Skifahrer freue ich mich natürlich auch, zu einem gelungenen Lauberhorn-Rennen beizutragen.

Das Gespräch führte Christine Scherrer

Martin Stotzer

Martin Stotzer

Martin Stotzer ist Flugkapitän und Chief Flight Instructor Airbus A320 bei der Swiss. Am FIS Ski World Cup Wengen steuert er einen Airbus A320 über den Sportanlass und lässt sich dabei von der Patrouille Suisse begleiten.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Hektische Vorbereitungen am Lauberhorn

    Aus Schweiz aktuell vom 16.1.2015

    «Schweiz aktuell» hat den Wengener Rennleiter Bob Lehmann bei den Vorbereitungen zur Kombinationsabfahrt, dem ersten Lauberhornrennen, begleitet. Ein hektischer Tag, denn dem Rennleiter bereitete eine Sache grosse Sorgen: der Wind. Die Reportage und Oliver Bono meldet sich live vor Ort.