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Einsatz im Bundesasylzentrum Zürcher Pilotprojekt mit muslimischen Seelsorgern ist ein Erfolg

Legende: Audio Muslimische Seelsorge im Bundesasylzentrum Zürich: positive Bilanz nach einem Jahr abspielen. Laufzeit 3:11 Minuten.
3:11 min, aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 16.02.2018.
  • Vom 1. Juli 2016 bis zum 30. Juni 2017 wurde im Testbetrieb Zürich ein Pilotprojekt für eine muslimische Seelsorge in den Bundesasylzentren durchgeführt.
  • Der Einsatz wird sowohl von den Asylsuchenden als auch von den Mitarbeitenden und der christlichen Seelsorge positiv beurteilt.
  • Das Pilotprojekt wird bis Ende Juni 2018 verlängert.
Container im Bundes-Asylzentrum.
Legende: Im Bundes-Asylzentrum in Zürich arbeiten drei muslimische Seelsorger. Keystone

Das seit dem Juli 2016 laufende Pilotprojekt im Testbetrieb des Bundes in Zürich wurde vom Staatssekretariat für Migration (SEM) in enger Zusammenarbeit mit den reformierten und katholischen Landeskirchen und dem israelitischen Gemeindebund (SIG) erarbeitet.

Es sollte geprüft werden, ob der Einsatz von muslimischen Seelsorgern einen Nutzen bringt und ob die flächendeckende Einführung in den Bundesasylzentren möglich wäre.

Mit der Umsetzung wurde die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) betraut. Das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) an der Universität Freiburg hat das Projekt wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Mehrwert in den Asylzentren und darüber hinaus

Das SZIG hält in seinem Bericht fest, dass die muslimische Seelsorge aus Sicht der Asylsuchenden, der Mitarbeitenden in der Betreuung und der christlichen Seelsorger einen klaren Mehrwert bringt.

Dieser Mehrwert zeige sich innerhalb des Asylzentrums, gehe aber über diesen Kontext hinaus. Die muslimischen Seelsorger seien ein Brückenbauer zwischen den Herkunftsländern der Gesuchsteller und der Schweiz und vermittelten diesen ein offenes, humanistisches Verständnis des Islam.

Auch andere Kantone haben Erfahrungen

Der Kriterienkatalog und das Anforderungsprofil für die Auswahl der muslimischen Partnerorganisation als auch der Seelsorgenden haben sich gemäss dem Bericht grundsätzlich bewährt.

Um einen Auf- und Ausbau der muslimischen Seelsorge in den anderen Asylzentren des Bundes angehen zu können, brauche es einen Klärungs- und Dialogprozess mit weiteren muslimischen Partnerorganisationen.

Auch wenn diese heute noch nicht über eine mit den Landeskirchen vergleichbare Legitimation verfügten und sie unterschiedlich gut organisiert seien, gebe es in verschiedenen Kantonen durchaus Erfahrungen in der Kooperation zwischen staatlichen Einrichtungen, den Landeskirchen und Muslimen; auf diese könne zurückgegriffen werden.

Finanzierung ist noch offen

Das Anforderungsprofil an die muslimischen Seelsorgenden decke zudem nur das absolut notwendige Fachwissen im Bereich der Seelsorge und der Religion ab. Daher müsse zunächst die fachliche Aus- und Weiterbildung für muslimische Geistliche und Seelsorgende verbessert werden.

Angestrebt wird ein Lehrgang in der Schweiz, der den Fokus auf die Seelsorge, das Verhältnis von Kirche und Staat sowie die Interreligiosität legt. Er soll christlichen wie auch muslimischen Seelsorgern offen stehen. Die Landeskirchen begrüssen den Aufbau eines solchen Lehrganges.

Eine offene Frage ist, wie die muslimische Seelsorge künftig finanziert werden könnte. Auf Bundesebene bestehen heute keine gesetzlichen Grundlagen für die Übernahme dieser Kosten. Bei der christlichen Seelsorge sind es die Landeskirchen, welche die Kosten tragen. In den Gesprächen mit den muslimischen Organisationen hat sich jedoch gezeigt, dass diese ausser Stande sind, die Finanzierung der muslimischen Seelsorge zu sichern.

Aktive Mitarbeit der Landeskirchen im Pilotprojekt

Heute wird die seelsorgerische Tätigkeit in den Bundesasylzentren durch den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Christkatholische Kirche der Schweiz (CKS) und den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) in Zusammenarbeit mit den kantonalen Landeskirchen erbracht.

Diese Organisationen haben 2002 mit dem damaligen Bundesamt für Flüchtlinge (heute SEM) die «Rahmenvereinbarung für die regionalen Seelsorgedienste in den Empfangsstellen für Asylsuchende» abgeschlossen. Die Landeskirchen haben viel Arbeit beim Aufbau des Pilotprojektes für die muslimische Seelsorge geleistet und sind an der Weiterentwicklung der Seelsorge im interreligiösen und muslimischen Kontext interessiert.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Meili (Arthur Meili)
    So wie ich das sehe, haben diese Leute Heimweh( Depressionen). Das naheliegende waere doch, dass diese Leute wieder in ihre Heimat zurueckkehren, wo ihre Liebsten sind. Die Rueckreise kriegen sie ja gratis + ein Anfangsgeld. In Syrien oder Afghanistan gibt es ja grosse Flaechen (groesser als die Schweiz), wo der IS nicht gewuetet hat.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      "dass diese Leute wieder in ihre Heimat zurueckkehren, wo ihre Liebsten sind." Der Gestank von Leichen sei fast unerträglich in Mossul. Es ist ja nicht so, dass die Menschen aus Irak, Syrien und Afghanistan nicht zurück wollen. Aber auch Ihnen sollte inzwischen klar sein, dass dort Krieg herrscht und dass Millionen an "Liebsten" tot sind.
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    2. Antwort von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
      Wie makaber HP. Menschen pauschal oder Grundwissen für Tot zu erklären. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Freunden und Verwandte nicht tot sind. Und zum Glück sind sie das auch nicht pauschal. Siehe etwa den sehr üppigen Familiennachzug. Kein Mensch hat es verdient zu sterben oder seine Liebsten zu verlieren. Auch wenn HP dies anders sehen mag.
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    3. Antwort von robert mathis (veritas)
      HP.Müller oder Frau Pfister ....Ihre Aussagen werden immer peinlicher und respektloser !!
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    ......... humanistisches Verständnis des Islam...... und wo bleibt das "Verständnis des Islam" sich an unseren westlichen Werte zu orientieren??
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Und wer darf das wueder finanzieren? Natürlich der "Steuerzahler" und das ist "schweinerei", den Glauben und Religion ist "Privatsache" und ausserdem wird es "viel zuviel gewichtet"!
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