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Einwanderung aus Italien Mit Sack und Pack und dem Uni-Titel in die Schweiz

Das Wichtigste in Kürze

  • In den 1960er-Jahren kamen sie zu Tausenden in die Schweiz: Italiener, vor allem Saisonniers.
  • Diese – zumeist ungelernten Arbeiter – fanden hauptsächlich Arbeit auf dem Bau.
  • In den 1980er- und 1990er-Jahren kamen dann vor allem Deutsche und Portugiesen, um die Italiener wurde es still.
  • Doch: Seit zehn Jahren ist die Schweiz als Einwanderungsland bei Italienerinnen und Italienern wieder beliebt. Nun kommen aber die gut ausgebildeten.

Aus keinem anderen EU-Land kamen 2016 so viele Personen auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz wie aus Italien. Das zeigen die Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM).

Rund 19'000 Italienerinnen und Italiener wanderten 2016 in die Schweiz ein. Wenn man die Abwanderung mitberücksichtigt, macht das netto 10'000 Personen zusätzlich. Das ist die höchste Einwanderungsquote aller EU-Länder.

Es sind Junge, die einen Bachelor oder Master beendet haben und die keine Arbeit in Italien finden.
Autor: Toni RicciardiMigrationshistoriker Universität Genf

Der Grund für den Zulauf der letzten zehn Jahre sei die politische und wirtschaftliche Krise in Italien und die damit verbundene unsichere Zukunft, sagt der Migrationshistoriker Toni Ricciardi von der Universität Genf. Er erklärt: «Es gibt ganze Generationen, die mit 500 Euro leben müssen.»

Nun verlassen auch gut ausgebildete Menschen das Land – im Unterschied zu den 1960er-Jahren. «Es sind Junge, die einen Bachelor oder Master beendet haben und die keine Arbeit in Italien finden», sagt Ricciardi.

«Abwanderung aus Italien wird weitergehen»

Die Beobachtung, dass immer mehr Italienerinnen und Italiener in die Schweiz kommen, teilt auch Anna Rüdeberg vom Centro Familiare in Bern – einer Beratungsstelle für zugewanderte Italiener. Zu ihr kämen beispielsweise Mediziner, Juristen oder Forscher aus den Bereichen Physik und Chemie, die noch keine gute Stelle gefunden hätten, sagt sie.

Die Abwanderung gut qualifizierter Menschen aus Italien werde weitergehen – das sagen sowohl Rüdeberg als auch Ricciardi. Denn: Die Verhältnisse in Italien würden sich in nächster Zeit nicht grundlegend ändern.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    Wo findet denn ein Migrationshistoriker eine bezahlte Stelle? Ach ja, in der schweizer Administration.
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  • Kommentar von Kurt Flury (Simplizissimus)
    Nach der Mehrheit der Schreibenden ist es somit besser, wenn die Wirschaft die dringend benötigten Spezialisten (Chemiker, Physiker, Ingenieure etc.) in Indien und China rekrutiert? Nur nebenbei erwähnt sei, dass die AHV zuerst verdient werden muss im knochenharten Wettbewerb, bevor sie den Rentnern ausgezahlt werden kann (ja, die Einwanderer zahlen dort auch mit ein...). Die Diskussion um falsche und echte Flüchtlinge ist sowieso nicht zielführend und wird nur zum Selbstzweck bewirtschaftet...!
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Kurt Flury: Ich sehe das Problem bei der italienischen Regierung. Auch Italien braucht dringend Fachkräfte. Sie werden dort ausgebildet, aber der italienische Staat kann sie nicht zum Bleiben animieren. Damit dreht sich die Spirale abwärts. Fällt Italien, werden auch wir das zu spüren bekommen, denn Italien ist der drittgrösste Abnehmer von Schweizer Produkten. Wir sollten also hoffen, dass es Italien schafft und gleichwertiger Handelspartner der Schweiz bleibt, und, auch Italien hat Rentner.
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Sie sollen kommen und sich im Wettbewerb behaupten. Wir sind auch gut ausgebildet und uns die Konkurrenz vom nördlichen Nachbarn schon gewohnt und deshalb abgehärtet. Schade finde ich es aber für Italien. Diejenigen die sich zu uns aus dem Staub machen wären gerade diejenigen die Italien am dringendsten benötigt, weil die ihr Land vorwärts bringen würden. Da müsste der italienische Staat Anreize schaffen, diese Menschen zu behalten und zusätzlich noch gut qualifizierte Schweizer anzulocken.
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