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Schweiz Elfenbein und tote Affen am Schweizer Zoll

In London befasst sich eine Internationale Konferenz derzeit mit der Frage, wie illegaler Wildtierhandel bekämpft werden kann. Die Bestände betroffener Arten – wie Elefanten und Nashörner – schrumpfen dramatisch. Auch in der Schweiz werden immer wieder illegale Produkte von Wildtieren konfisziert.

Im Jahr 2010 musste der Schweizer Zoll 300 Mal eingreifen, weil illegale Tiere oder Tierprodukte ins Land geschmuggelt werden sollten. Ein Jahr später waren es bereits 578 Mal, im Jahr 2012 dann 623 Mal. Die Zahlen für 2013 sollen in wenigen Tagen vorliegen.

Legende: Video Kampf dem illegalen Wildtierhandel abspielen. Laufzeit 1:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.02.2014.

Walter Pavel von der Eidgenössischen Zollverwaltung zählt auf, was den Zollbeamten in der letzten Zeit in die Finger geriet: Schuhe, Gürtel und Taschen aus Schlangen- oder Krokodilleder. Shatoosh-Schals, die aus dem Fell der Tibet-Antilope hergestellt werden. «Für einen solchen Schal zahlen Leute über 20‘000 Franken. Für einen einzigen Schal werden etwa vier Tiere geschlachtet.» Züchten könne man diese Tiere nicht, so Pavel.

Weiter gibt es Elfenbein-Schnitzereien, Aschenbecher aus Schimpansenschädeln, Salon-Tische aus Elefantenfüssen, Gefässe aus Schildkrötenpanzer oder Schnaps mit Kobra-Kopf. Auch wertvolle Papageieneier, die hier dann ausgebrütet werden, wurden schon entdeckt.

Das grösste Problem an Schweizer Zöllen ist jedoch das so genannte Bushmeat, wie Corina Gyssler von WWF Schweiz erklärt. Es handelt sich dabei um Fleisch von Wildtieren, die im Urwald oder in Savannen gejagt werden – obwohl sie unter Artenschutz stehen. Dies habe damit zu tun, dass in der Schweiz lebende Personen häufig ihre Bekannten und Familien in Afrika besuchen und das Fleisch dann mit zurück nach Hause bringen.

Im Jahr 2012 wurden am Schweizer Zoll 381 Kilogramm Bushmeat sichergestellt. Kein schöner Anblick für die Zöllner – die toten Tiere sehen nicht nur widerlich aus, sie riechen auch so. Der Zoll sei sensibler geworden, sagt Corina Gyssler. Es seien auch Artenspürhunde in Ausbildung, die dereinst wie Drogenschnüffelhunde nach dem verbotenen Fleisch in Gepäckstücken suchen sollen.

Tierbestände schrumpfen dramatisch

Häufige Herkunftsländer von Bushmeat sind Kamerun, Ghana, Nigeria, die Elfenbeinküste und Südafrika. Dort werden beispielsweise Schimpansenmütter getötet und zu Bushmeat verarbeitet – um das Fleisch haltbar zu machen, wird es häufig geräuchert. Die Schimpansenbabys werden an Tierhändler verkauft, welche auf dem Markt bis zu 50‘000 US-Dollar bezahlen.

Die Zollstellen am Flughafen Genf und Zürich sind auf die Bushmeat-Problematik sensibilisiert, wie es bei der Eidgenössischen Zollverwaltung heisst. Entsprechend finden gezielte Kontrollen statt, um den Import von solchem Fleisch zu verhindern.

In London wird die Frage, wie international Wilderei und illegaler Wildtierhandel bekämpft werden sollen, derzeit diskutiert. Die Elefanten- und Nashornbestände in Afrika schrumpfen dramatisch, darüber hinaus gibt es eine erwiesene Verbindung von Wilderei mit Terrornetzwerken und organisierter Kriminalität.

Prinzen Charles und William mit gutem Beispiel voran

Jährlich sterben bis zu 50'000 Elefanten durch Wilderei. Das ist im Durchschnitt ein Elefant alle 15 Minuten. Ein Kilogramm Elfenbein hat derzeit einen Marktwert von rund 1800 Franken. Um wirksame Mittel zur Bekämpfung der gegenwärtigen Wilderei-Krise zu finden, hat die britische Regierung etwa 50 Staaten zu einer Konferenz eingeladen – darunter auch China, wo Elfenbein als Statussymbol gilt.

Die Konferenz steht unter der Schirmherrschaft von Prinz Charles und seinem Sohn Prinz William. «Wir müssen die Generation sein, die den Handel mit Tierprodukten stoppt», sagten Prinz Charles und sein Sohn William in einem vor der Konferenz verbreiteten Video. «Tun wir es nicht, ist es zu spät».

7 Kommentare

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  • Kommentar von M. Haener, Büsserach
    1. Fleisch zu essen ist immer eine Form von Kannibalismus, auch wenn es schön verpackt ist und sich ein Preisschild darauf befindet, denn Tiere haben auch eine Seele. 2. Dass auf Afrikas Agrarflächen Futtermittel für die westlichen Fleischberge erzeugt wird, davon redet hier wieder niemand. 3. Hauptsache man kann von seinen eigenen Unzulänglichkeiten ablenken und mit dem Finger auf andere zeigen.
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    1. Antwort von David Rothen, Bern
      Da haben Sie leider Recht. Allein der westliche Fleischkonsum braucht 70% der weltweiten Agrarflächen (unglaublich aber wahr) und ist damit Hauptverantwortlich für den Welthunger, welcher jährlich 9Mio. Menschen (davon 6Mio. Kinder) das Leben kostet. Davon wird, genau wie Sie es sagen, lieber abgelenkt.
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    2. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Der Begriff Kannibalismus beschreibt das Verhalten, seine eigene Art zu fressen. Fleisch zu essen, bleibt aber Gewissensfrage. Deshalb respektiere ich die Argumente der Vegetarier. Evolutionär und physiologisch sind wir Allesesser. Die effizientesten Vegetarier bleiben die Wiederkäuer. Den Mangel kann Mensch aber durch kochen, Säfte auspressen etc. kompensieren. Kaloriemetrisch ist die Sache jedoch klar. Die eingesetzte pflanzliche Futtermenge für Fleisch ist energetisch Verhältnisblödsinn.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Korrektur zum obigen Artikel: In Südafrika gibt's Bushmeat aber keine wild lebende Schimpansen! Deren Verbreitung liegt in den anderen korrekt genannten Ländern. Zudem kann der Begriff Bushmeat nicht pauschal negativ zu den Schockbildern assoziiert werden. Bushmeat bedeutet nichts anderes als Wildbret. Afrikanisch/asiatisches Bushmeat zubereitet aus dem Fleisch nicht artgefährderter Wildtiere, ist genau soviel oder wenig fragwürdig wie Hirschpfeffer oder Hasenbraten. Die Zubereitung macht’s.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Andere Länder andere Sitten und Kehrseite der (gerühmten) Multikulti Gesellschaft. Am erschreckendsten zeigt der Auswuchs, wie unaufhaltsam, zielgerichtet und unendlich naiv bis dumm der Mensch seine eigenen Lebensgrundlagen sukzessive zerstört. Dabei sollten wir aber nicht nur verärgert auf andere exotische Kulturen zeigen, sondern unser eigenes „zivilisiertes“, nicht weniger zerstörerisches Tun und Handeln hinterfragen. Allen voran unser grenzenloses Wachstum in jeder Beziehung und Facetten.
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