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Schweiz Endspurt der Antibiotika-Strategen

Alle sind sich einig: Die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen sind ein grosses Problem. Die Strategie des Bundes, den Verbrauch von Antibiotika zu reduzieren, wird deshalb auch von vielen Experten unterstützt. Doch welcher Weg führt zum Ziel? Morgen Sonntag läuft die Frist zur Anhörung ab.

Krankheitserreger auf einer Petrischale.
Legende: Der Kampf gegen Antibiotika-resistente Krankheitserreger wird von einem breiten Konsenz getragen. Reuters

Tierärzte, Human-Mediziner, Spitäler oder auch die Bauern sind ganz auf der Seite des Bundes, wenn es um die Reduktion des Einsatzes von Antibiotika geht.

Begrüsst wird durchweg, dass die Strategie alle einbezieht. Stefanie Rohrer vom Apothekerverband PharmaSuisse sagt es so: «Der vorgeschlagene One-Health-Ansatz, bei dem man eben nicht Mensch, Tiere, die Landwirtschaft und die Umwelt getrennt anschaut, sondern die Zusammenhänge im gesamten System.» Rohrer betont, gerade die Apotheker könnten Rückmeldungen über den Antibiotika-Verbrauch an eine zentrale Stelle weiterleiten.

Ausbau der bestehenden Datenbank

So eine zentrale Antibiotika-Resistenz-Stelle des Bundes existiert bereits. Dort betreibt man eine Datenbank, um Antibiotika-Verbrauch und Resistenzen zu überwachen. Der Bund möchte diese nun ausbauen. Und er will vermehrt mit internationalen Laboratorien zusammenarbeiten. Der Ärzteverband FMH begrüsst dies.

Beim Spitalverband H plus leuchten hingegen die Warnlampen: Dies bedeute mehr administrativen Aufwand und führe schliesslich zu höheren Kosten. Beim Bauernverband heisst es, die Strategie sei sehr allgemein gehalten und dem könne man zur Zeit zustimmen. Aber man wolle mitreden, wenn es später zu konkreten Massnahmen komme.

Warnfinger der Tierärzte

Auch die Gesellschaft Schweizer Tierärzte hebt den Warnfinger: Das Tierwohl stehe an erster Stelle. Präsident Christoph Kiefer: «Wir unterstützen aber einen viel gezielteren Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin. Und wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, müssen auch in der Haltung der Tiere Verbesserungen gemacht werden.»

Diese Forderung unterstützt auch der Schweizer Tierschutz. Aber: Eigentlich brauche es keine neuen Massnahmen. Die bestehenden Vorschriften müssten bloss darauf ausgerichtet werden, die Antibiotika-Resistenzen einzudämmen. Am Bund ist es nun, die zur Zeit positiven Stellungnahmen auszuwerten.

5 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Wenn unsere Bauern das Antibiotika nur noch einsetzen wenn es vom Arzt als nötig geraten wird, haben wir das beste Fleisch auf der Welt. Wenn wir auch noch von der Massentierhaltung wegkommen, resp. die Tiere in jedem Fall gut +artgerecht behandeln, dann kommen Käufer aus der ganzen Welt +sie wollen von unserem Fleisch kaufen. Wenn diese Käufer auch nur um 1% der ausländischen Einkäufer handelt, wären unsere Bauern die glücklichsten auf Erden.Diese Rechnung ist wohl für die meisten "zu einfach".
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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Es ist fünf vor zwölf, dass endlich gehandelt wird. Aber wie ich schon sehe werden viele der Beteiligten Einwände dagegen haben. Nur leider denken diejenigen nicht über die Nasenspitze hinaus. Nur wer einmal zugeschaut hat wie ein Leben erlöscht, weil die Antibiotika nicht mehr angesprochen haben wird mich begreifen. Die Resistenz der Mittel geht rasant vorwärts. Es geht um die Leben der Menschen und der Tiere.
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  • Kommentar von Peter Escher, Leuk - Stadt
    .. im Grunde genommen kann, sehr vereinfacht, folgendes zur Kenntnis genommen werden : Weniger Antibiotika verwenden = WENIGER Antibiotika herstellen / verkaufen = WENIGER Gewinn ...
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @P.Escher. Das Problem liegt anders. Wir haben es wegen fehlenden Gewinnaussichten verpasst, in den letzten 20 Jahren für neue Antibiotika zu forschen. Nun haben wir eine Lücke, in der wir über keine wirksamen Medikamente mehr verfügen - weltweit. Wenn sich die Forscher nun sputen, kann die Versorgungslücke vielleicht gekürtz werden.
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