Zum Inhalt springen

Energiestrategie 2050 konkret Jetzt wird der Stromkunde gläsern

Der Bund setzt beim Stromsparen auch auf moderne Technik. Das obligatorische Helferlein kann aber auch Daten sammeln.

Legende: Audio Strommesssysteme für jeden Haushalt und Betrieb abspielen. Laufzeit 31:00 Minuten.
31 min, aus Rendez-vous vom 02.11.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis spätestens Ende 2027 werden intelligente Strommesssysteme fast in der ganzen Schweiz zur Pflicht. So will es die im Mai vom Volk bejahte Energiestrategie 2050.
  • Damit sollen bis in zehn Jahren mindestens 80 Prozent aller Haushalte und Unternehmungen im Netzgebiet eines Stromversorgers so genannte «Smart Meter» haben.
  • Die Kosten für diese Geräte, die Nutzerdaten sammeln, kann der Netzbetreiber auf die Konsumenten überwälzen. Der Bundesrat hat das Gesetz per Januar 2018 in Kraft gesetzt.

Welche Daten genau erfasst werden, werde die Zukunft zeigen, erklärt Daniel Büchel, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie. Da werde noch einiges auf die Schweiz zukommen: «Aber man sollte keine Angst haben. Diese Geräte erfassen den Verbrauch und lassen auch die Steuerung zu. Das ist die Zukunft.»

So wird künftig im Viertelstundentakt erhoben, wer wo zu welchem Zweck wie viel Strom verbraucht. Diese Daten müssen dann mindestens während 60 Tagen beim Stromproduzenten gespeichert werden.

Diese Geräte erfassen den Verbrauch und lassen auch die Steuerung zu. Das ist die Zukunft.
Autor: Daniel BüchelBundesamt für Energie, Vizedirektor

Solche «Smart Meter» böten den Stromverbrauchern viele Möglichkeiten zum Stromsparen, sagt Büchel. Bei Abwesenheit per Handy-Klick alle Geräte abzustellen zum Beispiel. Oder auf der Fahrt von den Ferien nach Hause alle Geräte wieder einzuschalten.

Welche Kompetenzen hat der Netzbetreiber?

Stromkunden können es ihrem Stromanbieter auch freiwillig erlauben, aufgrund der Daten den Stromverbrauch zu steuern. Im Notfall ist es den Stromproduzenten sogar möglich, ohne Zustimmung der Kunden einzugreifen. Ist der sichere Netzbetrieb gefährdet, darf der Netzbetreiber gemäss den Erläuterungen zur entsprechenden Verordnung des Bundesrates jederzeit auf die Steuersysteme einwirken.

Und der Datenschutz?

Weil das extensive Sammeln von teilweise sehr sensiblen Daten heikel ist, sieht der Bundesrat in seiner Verordnung zahlreiche Vorschriften zum Datenschutz vor. Alle Daten, die Rückschlüsse auf eine konkrete Person zulassen, müssen in der Datenbank durch ein Pseudonym ersetzt werden. Nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitenden beim Netzbetreiber hat Zugang zur Tabelle mit den Pseudonymen. Verkauft der Netzbetreiber Daten an Dritte weiter, darf er dies auch nur in anonymisierter Form tun.

Wer bezahlt die neuen Geräte?

Berappen werden die neuen intelligenten Strommessgeräte ziemlich sicher die Stromkunden. Denn die Elektrizitätsunternehmen haben die Möglichkeit, die Kosten auf die Kundschaft abzuwälzen. «Die Netzbetreiber können diese Kosten als Netzkosten anrechnen lassen», sagt Büchel.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

71 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniel Kellerhals (Daniel Kellerhals)
    Darum war der sog. Volksentscheid ein dummer Fehler, ganz allgemein und auch deshalb.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ob Sie da nicht vorschnell urteilen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Käppeli (thkaepp)
      Herr Kellerhals. Die Smart-Zähler haben aus meiner Sicht nur wenig mit der Energiestrategie 2050 und Abstimmungsresultat zu tun. Viel mehr liegt es im Trend der Zeit die nahtlose Kontrolle der Bürger/Konsumenten in allen Lebenslagen auszubauen. Hier in Mittelamerika sind wir noch weit von einer umfassenden Energieplanung entfernt. Auch wenn erste Ansätze erkennbar sind. Trotzdem verbreiten sich diese elektronischen und digitalen Zähler (vornehmlich Made in China) wie die Amöben im Darm.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Und die Messgenauigkeit? Seit wir im März von der Hauptstadt aufs Land zogen, stelle ich einen unerklärlichen Anstieg des monatlichen el. Energiekonsum fest. Obwohl wir hier weniger Licht und Haushaltsgeräte nutzen. In der Stadt mittels eines alten Ferraris Zählers ermittelte Verbrauch lag im Schnitt bei 185kWh/m. Am neuen Ort nach modernem eHZähler aber 225kWh/m. Suchte nach Gründen und stiess auf: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Smart-Meter-messen-oft-falsch-3644942.html
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Wenn es falsch misst, muss man reklamieren, denke ich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Käppeli (thkaepp)
      Haben Sie den Link geöffnet, Herr Reuteler? Dort wird die Problematik zur Reklamation beschrieben. Selbst in der Schweiz sieht sich der Konsument/Verbraucher oft genug vor hohe Hürden gestellt, wenn es um die Einforderung seiner Rechte geht. Trotz Konsumentenschutz und in Härtefällen Ombudsstelle bis Kassensturz oder Beobachter. Von sowas können Sie hier in Lateinamerika leider nur träumen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andy Illi (AndyIlli)
    Lächerlich diese Verschwörungsängste. Wir reden da über einen intelligenten Stromzähler, nicht mehr. Ich denke die neusten Fernseher leiten mehr persönliche Daten weiter. Oh, ich hoffe ich habe niemanden erschreckt mit dieser Info. Paranoia lässt grüssen. Diejenigen die diese Zähler einführen wollen, sind daran intressiert dass die Schweiz für die zukünftigen Stromnetze vorbereitet ist und nicht an den Daten von Herr und Fau Schweizer. Dür die Daten sind Smartphones und Google & Co. zuständig.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen