Energiewende auf dem Rücken der Mieter?

Will die Schweiz die Energiewende schaffen, müssen Hunderttausende Häuser saniert werden. Kritiker warnen, die Zeche müssten die Mieter bezahlen. Jetzt zeigt eine Studie des Bundesamtes für Energie: Tatsächlich treiben energetische Sanierungen die Mieten in die Höhe.

Ein Dach mit Solarzellen, darüber rankt sich der Ast eines Baumes

Bildlegende: Grüner, nachhaltiger, und sauberer – was verträglich für die Umwelt ist, könnte Mietern schlecht bekommen. Keystone

Neue Fenster, eine Dachdämmung, eine effizientere Heizung: Nach energetischen Sanierungen sparen Mieter zwar Energie und Geld. Doch nach der Sanierung steigt auch die Miete – und frisst den Spareffekt gleich weg.

Mehr noch, wie Olivier Meile vom Bundesamt für Energie BFE sagt: Eine Studie des Bundesamts bei zehn Liegenschaften belege erstmals, «dass am Ende des Tages eine energetische Sanierung für den Mieter zu einer Erhöhung der Mietzinsen führen kann.» Und zwar bei grossen Wohnungen um bis zu 50 Prozent.

Vorwand für Luxussanierung?

Die Studie zeigt: Fast immer nutzen Eigentümer die Energiesanierung für eine Rundumerneuerung – und renovieren auch Küche oder Bad. Entsprechend stiegen die Preise, stellt der Vizepräsident des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands, Balthasar Glättli, fest.

Der Grünen-Nationalrat betont zwar, dass auch Mieter ihren Teil an die Energiewende zahlen müssten. «Wenn das aber immer dazu gebraucht wird, Luxussanierungen durchzuziehen und ein neues Segment von Mietern anzusprechen, gehen dem Mittelstand irgendwann die bezahlbaren Wohnungen aus.»

Viele Eigentümer freut's

Für die Liegenschaftseigentümer hingegen rentiere eine Energiesanierung meist, zeigt die Studie. Umso mehr, wenn sie Fördergeld aus dem Gebäudeprogamm von Bund und Kantonen erhalten. Doch dieses Geld habe für sechs von acht Eigentümern gar keine Rolle gespielt, als sie die Sanierung beschlossen hätten, hält die Studie fest.

Nationalrat Glättli äussert sein Unverständnis: «Es kann nicht sein, dass man vom Staat Subventionen erhält, und diese Gelder dann braucht, um eine Renovation vorzunehmen, nach der man mit einer Leerkündigung sehr viel höhere Mieten verlangen kann.»

Akzeptanz der Energiewende gefährdet

Immerhin: Bei kleineren Wohnungen stiegen die Mieten nach Sanierungen deutlich weniger stark, sagt Meile vom Bundesamt für Energie. Ein gewisser Aufpreis sei ohnehin gerechtfertigt, denn «die energetische Sanierung hat auch zu mehr Komfort und zu einer besseren Lebensqualität geführt.»

Die Frage bleibt aber, wie viel das den Mietern wert ist. Die Studie des Bundesamt für Energie selbst kommt zum Schluss, dass deutliche Mietzinserhöhungen die Akzeptanz der Energiestrategie schnell unterminieren könnten.