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Schweiz Energiewende wird zur Glaubensfrage der Lobbys

Soll die Energiewende bis 2050 umgesetzt werden, muss die Kapazität von vier AKW eingespart oder ersetzt werden. Heute entspräche dies einer riesigen «Lücke» von 40 % des Gesamtverbrauchs. Elektrizitätsunternehmen stellen ihre Lösung vorsichtig vor, die Umweltallianz ist optimistisch.

AKW.
Legende: Der Kern des Problems beginnt mit der Spaltung ersteres. Keystone

Mit dem Titel «Energie sind wir» will die Umweltallianz die Bevölkerung in die Pflicht nehmen. Mitglieder der Gruppe sind Greenpeace, Pro Natura, der VCS und der WWF. «Berechnungen belegen: Übers Jahr gesehen produziert die Schweiz im Jahr 2035 so viel erneuerbaren Strom, wie sie verbraucht.»

Im Winter könne Ökostrom importiert werden, im Sommer exportiert. Die Umweltallianz geht davon aus, dass dank Effizienzsteigerung der Stromverbrauch nicht weiter ansteigen, oder sogar sinken werde.

Hoffen aufs Ausland

Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) hat drei Szenarien zum neuen Stromfluss ausgearbeitet. Er unterscheidet zwischen einem «Bergwanderweg», dem «alpinen Pfad» und der «schwierigen Klettertour». Und geht vom schwierigsten Weg aus. Der Optimismus beim VSE ist aber deutlich kleiner.

Das Szenario beruhe auf einem «fundamentalen Wandel gesellschaftlicher Werte mit einer verzichtsorientierten Grundeinstellung.» Der VSE rechnet für den Fall mit 22 TWh Stromimport für 2035, also rund einem Drittel des gesamtschweizerischen Verbrauchs. Grundlage dafür sei, dass im angrenzenden Ausland der Ausbau der alternativen Energieerzeugung ebenfalls massiv ausgebaut würde.

Hohe Kosten, hohes Sparpotenzial

Beide Organisationen sind sich einig: In diesem rigorosen Szenario sind keine Gaskombikraftwerke notwendig. AKW durch diese auch nur zwischenzeitig zu ersetzen, ist höchst umstritten, weil man «den Wasserdampf aus den Kühltürmen durch CO2-Kamine» ersetzen würde.

Die Kosten für die Energiewende sind in jedem Fall hoch. Der VSE geht bis 2050 von 150 Milliarden Franken für Energieerzeugung und Netze aus. Dazu kämen Kosten für Massnahmen zur Energieeffizienz-Steigerung. Die Umweltallianz geht bis 2035 von Kosten von 105 Milliarden Franken aus.

Einigkeit besteht darin, dass Energie gespart werden müsse. Die Umweltverbände sprechen davon, dass 40 % des Stroms verschwendet werde. Sie wollen die Verschwendung stoppen und so eine grosse Lücke schliessen. Die Elektrizitätsunternehmen sind weniger optimistisch: Das Einsparungspotential liege bei wenigen Prozentpunkten, Effizienzmassnahmen würden durch Wachstum vernichtet.

Der VSE lehnt eine Förderung fossiler Energien, konkret von Gaskombikraftwerken, ab. Strom werde so einseitig diskriminiert, obwohl er Teil der Lösung sein solle. Zudem sieht der Verband im Vorschlag des Bundesrates einen planwirtschaftlichen Ansatz, dem die Gesamtbetrachtung fehle. Die Strategie 2050 müsse umfassend nachgebessert werden, so der VSE vor den Medien.

60 Milliarden Kilowattstunden

2010 lag der Stromverbrauch der Schweiz bei 60 Terawattstunden (TWh). 1 Terawattstunde (TWh) entspricht 1 Milliarde Kilowattstunden (kWh). 1 kWh reicht, um mit einem Staubsauger rund 1Stunde die Wohnung zu saugen.

34 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Zimmermann, Berner Oberland
    Wenn ich richtig verstehe, ist der Atomausstieg breit abgestützt und beschlossene Sache. Also sollten wir uns auf dieses Ziel konzentrieren und die AKW-Debatte nun endlich abschliessen und uns diesbezüglich nicht mehr die Köpfe einrennen. Einfallsreichtum und eine gesunde Portion Optimismus wird die Eidgenossen zu diesem fernen Ziel führen. Die AKW's haben dann während 50 Jahren eine wichtige Brückenfunktion wahrgenommen, die mit dem Ausbau der Erneuerbaren wie geplant ein Ende nehmen wird...
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  • Kommentar von Peter Stutz, Thun
    Welche Produktionsart blockiert die die Warteliste wie stark, und welche Realisierungsrate haben die Projekte mit KEV Freigabe? Stand 17.1.2013. Wind blockiert zu 52,2%, mit einer Realiserungsrate von 4,1% Wasser blockiert zu 41,3%, mit einer Realisierungsrate von 33,1% Biomasse blockiert zu 5,4%, mit einer Realiserungsrate von 79,7% Solar blockiert zu 1,0%, mit einer Realisierungsrate von 79,5% Seltsam, wenn das BFE die PV mit Kontingenten blockiert, wenn PV im Gegensatz zu Wind gebaut wird!
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  • Kommentar von Max Wartenberg, 4000 Basel
    Swissgrid hat per 1.1.13 eine Warteliste von Projekten für Fördergelder veröffentlicht, aufsummiert nach Energieart. Da ist ersichtlich, dass Wasserkraft mit 13% Kostenanteil 24% kWh/a liefert, Windenergie mit 32% Kostenanteil 41% kWh/a und Fotovoltaik mit dem höchsten Kostenanteil von 39% lediglich 18% kWh/a. Stehen beschränkte Mittel zur Verfügung, müssen Projekte basierend auf Wasser- und Windkraft Priorität erhalten, gefolgt von Biomasse und Geothermie. Fotovoltaik ist nicht priorit
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    1. Antwort von Benedikt Jorns, 4000 Basel
      Ihre Zahlen zeigen uns, in welche Richtung wir gehen müssen. Zusätzlich ist zu bedenken, dass wir im Sommerhalbjahr bis zur starken Verbreitung von Elektrofahrzeugen Stromüberschuss haben und jede zusätzl. kWh nur die Exportmenge vergrössert. Dies zu nicht kostendeckenden Preisen. Im Winterhalbjahr müssen wir zunehmend Strom importieren. PV bringt dann leider nur 25% seiner Jahresleistung. Windkraft, tiefe Geothermie und ein KKW mit neuster Sicherheitstechnologie sind in der CH effizienter...
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    2. Antwort von Armin Bühler, 4000 Basel
      Abgesehen davon, dass neue AKW teurer sind als Effizienzmassnahmen und erneuerbare Energien mit regionalen Arbeitsplätzen, eine viel längere Bauzeit ausweisen und kaum Wertschöpfung in der Schweiz schaffen: qr.net/j64F Die Europäischen Uranminen sind inzwischen versiegt und die Uranproduktion deckt nur 70% des Uranbedarfs, obwohl Atomenergie inzwischen nur noch 2% des Weltenergiebedarfs deckt, weil neue AKW trotz massiven Subventionen zu teuer sind: arxiv.org/abs/1106.3617
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    3. Antwort von Armin Bühler, 4000 Basel
      @MW. 1. Hat Wasser- und Windkraft ohnehin Vorrang. 2. PV ist inzwischen wesentlich günstiger und dessen Vergütungen können gesenkt werden. 3. Hat PV ein wesentlich höheres Potential als Wasserkraft (auch wenn man Glarus flutet). 4. Wurde gemäss BFE 2010 gerade einmal 69 Mio Fördermittel für sämtliche erneuerbare Energien ausbezahlt. 5. Mussten die Steuerzahler für die nie gebauten AKW Graben und Kaiseraugst 577 Mio bezahlen. 6. Ein einziges neues AKW kostet rund 11'000 Mio: qr.net/j66...
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