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Energiewende «Unverständlich und verantwortungslos»

Der Entscheid des Bundesgerichts zu Mühleberg sorgt für heisse Köpfe. Viele Kommentatoren auf srf.ch und auf unserer Facebook-Seite können ihn nicht nachvollziehen. Andere Leser mahnen Sachlichkeit an.

Das umstrittene Atomkraftwerk Mühleberg hat nun doch eine unbefristete Betriebsbewilligung erhalten. Das Bundesgericht entschied, dass das bestehende Aufsichtsverfahren ausreichend ist.

Blick auf das AKW Mühleberg
Legende: Blick auf das AKW Mühleberg: Der Bundesgerichtsentscheid sorgt für heisse Köpfe. Reuters

Mühleberg darf also vorerst am Netz bleiben. Was die Betreiberin BKW freuen dürfte, sorgt bei vielen Nutzern für Unbehagen.

«Unverständlich und verantwortungslos», kommentiert etwa Leserin Marie-Thérèse Weber-Gobet aus Schmitten den Entscheid. «Eine Atomkatastrophe in Mühleberg würde die ganze Schweiz in den Ruin treiben: menschlich und wirtschaftlich. Vier von fünf Bundesrichtern sagen Ja zum Risiko, dass dies eintreten könnte.»

«Ein strahlender Tag in Bern»

«Nun lässt das Bundesgericht die Bevölkerung im Stich», findet Rudolf Rechsteiner aus Basel. «Alle zehn Jahre explodiert statistisch ein AKW. Keiner haftet. Bezahlen muss die Allgemeinheit – in Tschernobyl übrigens mit über einer Million Toten. [...] Das Ensi rechnet die Erdbebenwirkung schön und lässt Nachrüstungen von gefügigen Experten begutachten – so wie die Finma vor 2008 alle Praktiken absegnete, die später zu ‹toxischen Papieren› führten. Finanzschulden kann man tilgen, einen Super Gau nicht.»

Kommentare wie «Unglaublich – das ist eine Zeitbombe» und «Ein strahlender Tag in Bern» sind auf unserer Facebook-Seite zu lesen. 

Nachvollziehbarer Entscheid

Längst nicht alle Kommentatoren aber sind derart empört von dem Entscheid der Bundesrichter. Urs Bürkli aus Zofingen etwa hielte einen vorzeitigen Ausstieg aus der Atomenergie für verantwortungslos. Dieser «würde die Schweiz in den Ruin treiben. Um Störfälle zu vermeiden arbeiten viele hundert, bestens ausgebildete und verantwortungsvolle Leute in den Werken. Das Ensi überprüft diese regelmässig und die Betreiber investieren viel Geld um die Werke auf dem neusten technischen Stand zu halten.»

Hanspeter Beer aus Schaffhausen weist daraufhin, dass die Richter nicht über die Sicherheit des Kraftwerks an sich abgestimmt haben, sondern über Zuständigkeiten. «Der angeführte Bericht liest sich wirklich, als wäre die Laufzeit einer Zeitbombe verlängert worden. In Wirklichkeit ging es im Entscheid darum, ob das Ensi für die Sicherheit von AKWs zuständig ist oder ob allenfalls ein Gericht besser über die Sicherheit urteilen kann als das Ensi. Und laut dem Ensi kann Mühleberg vorläufig sicher betrieben werden.»

Woher den fehlenden Strom nehmen?

Nachvollziehbar sei der Entscheid, meint schliesslich Alexander Moser aus Interlaken. «Was aber nicht heissen soll, dass er auch richtig ist! Doch woher hätten wir bei einer sofortige Stilllegung den fehlenden Strom nehmen sollen oder wo einfach per sofort einsparen? Bei der Bahn? Und wer käme für die Haftungsrisiken in dreistelliger Millionenschäden auf?» Auch er sei für eine Abschaltung, meint Moser. Er gibt aber zu bedenken: «Vorher brauchen wir Lösungen, die ‹verhäbä› und keine leeren Versprechungen von Idealisten!»

24 Kommentare

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  • Kommentar von S. Keel, Ittigen
    Ich bin auch enttäuscht, dass das Bundesgericht dem ENSI sein Vertrauen ausgesprochen hat. Ich werde einfach den Verdacht nicht los, dass das ENSI sehr stark mit der Elektrowirtschaft verbunden ist. Und dort wo sehr viel Geld im Spiel ist, besteht die grosse Gefahr, dass man Kompromisse eingeht. Bei der Hochrisikotechnologie "Atomenergiegewinnung" dürfen aber keine Kompromisse eingegangen werden - siehe Fukushima !
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  • Kommentar von Willi Zimmermann, Berner Oberland
    Ein Wort zum Karfreitag, liebe Kommentatoren: Die Energiewende 2050 (inkl. Atomausstieg) ist mittlerweile politisch breit abgestützt und längst kein ideologisches Thema mehr (oder habe ich etwas verpasst?). Die Frage ist doch nur, ob wir überstürzt handeln oder die Wende mit Besonnenheit und Verträglichkeit angehen wollen. Darüber können wir friedlich diskutieren, ohne linke/grüne und rechte Brille, wir ziehen alle am gleichen Strick. Ich wünsche ein frohes Osterfest.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Besonnenheit und Verträglichkeit sind derzeit ziemlich abgenutzte Begriffe wie Friedfertigkeit eben auch. Vor allem dann, wenn es nicht ins persönliche Parteiprogramm passt wird damit nur noch idiologisch motivierte Vorhaltungen adressiert an den politischen Gegner gemacht. Und jeder möchte am gleichen Strick ziehen um seinen politischen Gegner damit aufhängen zu können. - c'est la vie.... (smile)
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  • Kommentar von T.Hofer, Rosshäusern
    Eben hier entdeckt und per sofort mein Lieblings-Antiatomzitat: «Alle zehn Jahre explodiert statistisch ein AKW» ...nein also aber echt, pruuuuust! dagegen kommt nichtmal die darauf folgende Aufrundung der 29 Todesopfer von Tschernobyl auf eine Million wirklich mehr an. Im Zehnjahresrhytmus statistisch explodierende AKWs, schafft es bestimmt auf die ewige Bestenliste, das soll mal einer toppen! Ich fall gleich vom Stuhl!
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    1. Antwort von A. Planta, Chur
      Warum sie die Folgen vom Super-Gau Tschernobyl hier verniedlichen ist mir unbekannt. Tatsache ist, dass die Gesamtzahl der auf den Unfall zurückzuführenden Todesopfer bei etwa 4000 liege. Diejenigen, die an Schilddrüsenkrebs,Leukämie, Strahlenkrankheit starben ist noch um ein Vielfaches höher.Insgesamt wurden etwa 218.000 Quadratkilometer mit mehr als 37.000 Becquerel (37 kBq) 137Cs pro Quadratmeter radioaktiv belastet.Stellen sie sich mal vor, sowas würde in Mühleberg passieren.
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Die AKW-Gegner übertreiben, das ist leider öfters als nötig genau so der Fall. Allerdings wir müssen tatsächlich weg vom Atom-Strom, die Risiken sind trotz aller anderslautenden Beteuerungen dennoch zu hoch. Idiologisch motivierte Amok-Läufe der Grünen & Linken machen diese Herausforderung nur noch schwerer und behindern all jene, die konstruktiv einen vernüftigen und gangbaren Weg suchen. - Ist doch sehr typisch heute in unserem Land. (smile)
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    3. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ H. Haller: Die Frage ist, was man als venünftig und gangbar betrachtet. Also ob auch dazu die Pflege der Interessen der Atomindustrie gehört. Seit Jahrzehnten ist man jedenfalls diesbezüglich mehr als genug vernünftig gewesen...Seit Jahrzehnten wird ein effektiver (!)Fortschritt hin zu dezentralen Lösungen mit mehr Energieeffizienz und Erneuerbare und weg von zentralistischen Lösungen erfolgreich blockiert. Siehe Deckelung der KEV als Amoklauf der Bürgerlichen gegen die Energiewende.
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    4. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      @A. Planta: Das tat ich im diesem Fall, um der massiven Übertreibung der kommentierten Aussage etwas entgegen zu setzen. Allerdings habe ich die Zahl 29 nicht frei erfunden, so viele Menschen kamen laut Angaben der UNO durch die Explosion ums Leben. Es fehlt lediglich der Hinweis, dass bloss die Opfer direkter Auwirkung gemeint sind. Diese Definition fehlt aber auch bei der angeblichen "Million", die selbst bei Berücksichtigung der indirekter Auswirkung masslos übertrieben ist!
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