Ensi gibt AKW Mühleberg mehr Zeit

Bei der geplanten Abschaltung des AKW Mühleberg kommt das Eidgenössische Nuklearsicherheits-Inspektorat Ensi der Betreiberin BKW in wichtigen Punkten entgegen. Die BKW zeigt sich zufrieden. AKW-Gegner sind dagegen empört.

Video «Sicherheitsauflagen für AKW Mühleberg» abspielen

Sicherheitsauflagen für AKW Mühleberg

1:33 min, aus Tagesschau vom 21.11.2013

Video «Ensi-Direktor zu den Anforderungen an die BKW» abspielen

Ensi-Direktor zu den Anforderungen an die BKW

1:10 min, vom 21.11.2013

Die Atomaufsichtsbehörde Ensi lässt im Fall Mühleberg mit sich reden. Sie gibt der BKW mehr Zeit, billigere, alternative Lösungen zu finden, wie das Atomkraftwerk bis zur Abschaltung 2019 sicherheitstechnisch nachgerüstet werden kann.

Zwar betonte Ensi-Direktor Hans Wanner vor den Medien: «Die verkürzte Laufzeit entbindet die Mühleberg-Betreiberin nicht davon, weiter in die Sicherheit des Kernkraftwerkes zu investieren». Jedoch weichte das Ensi einen Teil seiner Forderungen für den Stromkonzern auf. «Wir gestehen der BKW das Recht zu, von vier Langzeitforderungen abzuweichen.»

Regeln vorhanden

Dabei handelt es sich um zentrale Forderungen. Etwa um ein zusätzliches Kühlwassersystem, das von der Aare unabhängig ist. Auch bei der Stabilisierung des Kernmantels durch Zuganker und der Kühlung des Brennelement-Beckens lässt das Ensi mit sich reden.

Video «Ensi-Direktor zu Details der Stilllegung» abspielen

Ensi-Direktor zu Details der Stilllegung

1:15 min, vom 21.11.2013

Doch warum kommt das Ensi der BKW entgegen? Diese vier Massnahmen würden Jahre dauern, bis diese umgesetzt sind. Wanner: «Wenn uns jetzt die BKW ein alternatives Konzept einreichen will, das in die gleiche Richtung zielt, dann werden wir das prüfen.»

Das Ensi hat der BKW eine Frist bis im nächsten Sommer zugesagt, um Alternativen vorzulegen. Die Stilllegungs- und die Rückbauphase nach der Abschaltung des AKW müsse frühzeitig und sauber geplant werden, sagte der Ensi-Direktor.

BKW zufrieden

Die Betreiberin BKW zeigt sich zufrieden. «Die neuen Präzisierungen sind das, was wir erwartet haben. Sie stellen für uns keine Überraschung dar», sagte Mediensprecher Antonio Sommavilla. Er fügte an: «Die BKW wird selbstverständlich den Forderungen der Ensi fristgerecht nachkommen.»

Experten seien nun daran, die vom Ensi gewünschten Vorschläge für das Sicherheitskonzept auszuarbeiten. «Wir gehen davon aus, dass diese innerhalb des im Oktober präsentierten finanziellen Rahmens zu finanzieren sind.»

Damals berechnete die BKW Investitionen von 200 Millionen Franken in Betrieb und
Instandhaltung und 15 Millionen Franken für ausserordentliche Massnahmen.

Video «Ensi-Direktor über den Vorwurf von Greenpeace» abspielen

Ensi-Direktor über den Vorwurf von Greenpeace

0:48 min, vom 21.11.2013

AKW-Gegner enttäuscht

Enttäuscht zeigen sich hingegen die AKW-Gegner. Sie werfen der Ensi einen Kniefall vor der BKW vor. Die Nachrüstung verkomme zu einer reinen Alibiübung, kritisierte Greenpeace. Noch im Dezember 2012 seien klare Forderungen gestellt worden, die nun mit Alternativvorschlägen und Konzepten umgangen werden könnten.

«Das Ensi kommt der BKW total entgegen», sagt Florian Kasser von Greenpeace. Es sei ein schlechtes Zeichen für die Sicherheit der Schweiz. Für die Grünen öffnet die Aufsichtsbehörde Ensi der Betreibergesellschaft BKW die Tür, das AKW Mühleberg bis 2019 weiterlaufen zu lassen. Dies, ohne der BKW die verbindliche
Befristung und die notwendige Verbesserung der Sicherheit abzuverlangen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ein halbes Jahr hat die BKW jetzt Zeit, ihre Pläne für günstigere Sicherheitsmassnahmen im AKW Mühleberg zu konkretisieren.

    AKW Mühleberg muss Sicherheit bis 2019 gewährleisten

    Aus Echo der Zeit vom 21.11.2013

    Die Atomaufsichtsbehörde kommt der BKW in Sachen AKW Mühleberg nur ein bisschen entgegen: Nur zu vier von achtzehn Sicherheitsauflagen darf die BKW Vorschläge für günstigere Lösungen machen - bis Mühleberg 2019 vom Netz geht. Die Sicherheit würde damit nicht geschmälert, sagt das Ensi.

    Das sehen nicht alle so.

    Christian von Burg