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Schweiz Entführt, gerettet, belangt

Eine Reise in potenziell gefährliche Weltgegenden könnte künftig teuer werden: Der Bund will Schweizer stärker zur Kasse bitten, die trotz Warnungen in gefährliche Regionen reisen und denen dann etwas passiert.

Landschaft in Afghanistan
Legende: Wunderschöne Landschaft in Afghanistan: Doch von einer Reise in das kriegsgeschüttelte Land wird dringend abgeraten. imago

Immer wieder geraten Schweizer im Ausland in die Hände von Entführern: 2012 wird ein Schweizer Vogelkundler in einer abgelegenen Provinz auf den Philippinen entführt, 2011 fährt ein Schweizer Paar mit einem VW-Bus durch Pakistan und fällt den Taliban in die Hände. Oder 2009: Al-Kaida kidnappt in Mali ein Schweizer Ehepaar.

Eigenverantwortung wird wichtiger

Das eidgenössische Aussendepartement EDA hofft nun, dass es bald weniger Entführungsfälle werden. Anlass zur Hoffnung gibt das neue Auslandschweizergesetz. «Der Staat kommt erst zum Zug, wenn alle anderen Stricke gerissen sind», umschreibt Esther Leupp den Kernpunkt des neuen Gesetzes. Sie ist Leiterin Reisehinweise beim EDA.

Das neue Gesetz setzt also auf die Eigenverantwortung der Reisenden. Was wie eine Allgemeinformel tönt, ist weit mehr; denn dahinter stecken handfeste Geldfragen. Wer nämlich gedankenlos reist und Entführern in die Hände fällt, mobilisiert einen ganzen Stab von Diplomaten. Und das kann Millionen Franken kosten. Dieses Geld sollen leichtsinnige Entführungsopfer in Zukunft vermehrt selbst aufbringen.

Künftig werde bei der Rechnungsstellung miteinbezogen, wieviel Selbstverschulden mit im Spiel gewesen sei, sagt Leupp. Für die Geretteten heisse das, «dass es in Zukunft vielleicht noch höhere Rechnungen geben wird als bis jetzt». Wie hoch diese Rechnungen ausfallen werden, ist noch unklar. Sicher aber ist: Das neue Gesetz tritt im November in Kraft, gerade ist die Referendumsfrist ungenutzt verstrichen.

Hoffen auf erzieherische Wirkung

Die Reise- und Versicherungsbranche freut es, dass leichtsinnige Reisende künftig mehr Verantwortung übernehmen sollen. «Das wird schon eine gewisse erzieherische Wirkung haben», ist Franco Muff, Ombudsmann der Reisebranche überzeugt. Es gebe Leute, die in Regionen reisten, in die «man nicht unbedingt hinsollte». Diese müssten künftig damit rechnen, einen grossen Teil der Kosten selber bezahlen zu müssen, falls man für sie einen ausserordentlichen Aufwand leisten müsse.

Romano Simeon von der Versicherung Helvetia meint sogar, der Bund sollte klar deklarieren, dass nicht mit Hilfe rechnen könne, «wer in grobfahrlässiger Art Gebiete bereist, von denen man eigentlich Abstand nehmen sollte».

Aktuelle Reisehinweise des EDA

Welche Gebiete der Erde sollte man als Tourist meiden? Dazu gibt die Internetseite des EDA Auskunft. Dort werden zu jedem Land Reisehinweise ins Netz gestellt. Für Frankreich steht dort nach den Terroranschlägen der vorletzten Woche im Moment etwa: «Das Land ist stabil. Die französischen Behörden weisen auf das Risiko von Terroranschlägen hin.»

Anders tönt das für das kriegsgeschüttelte Afghanistan: «Von Reisen nach Afghanistan und von Aufenthalten jeder Art wird abgeraten. Im ganzen Land besteht das Risiko von Terroranschlägen, Entführungen, Raubüberfällen, Blindgängern und Tretminen.» Wer jetzt also dorthin reist, macht dies auf eigene Verantwortung.

Umbuchen möglich

Wer eine Reise gebucht hat und das EDA danach explizit davon abrät, kann umbuchen oder die Reise stornieren; manchmal sogar gratis. Denn Reiseveranstalter und Versicherer berücksichtigen die Ratschläge des Bundes, obwohl dies nicht vorgeschrieben ist. Wer trotzdem reist, ist künftig vermehrt selber verantwortlich.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Schulthess, 8824 Schönenberg
    Für mich zeigt das wie wir zusammenhalten, nämlich gar nicht. Ich finde es peinlich vom Bund, dass er Geld verlangt. Die Schweiz ist ein Schurkenstaat.
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    1. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Bitte brechen Sie Christian Schulthess nicht den Stab über der Schweiz. Sie ist genau so wenig und viel ein Schurkenstaat, wie der Rest der Welt auch. Global ist eine zunehmende "Entsolidarisierung" zu Lebensrisiken beobachtbar. In den Völkern nimmt der Ego zu und die Mentalität "Geiz ist geil" dringt auch bis in die Regierungsebenen. Vielmehr müssen solche Fälle individuell (juristisch) beurteilt werden und bei grosser "Eselei", die Summe mit wieviel Regress betroffene (mit)bluten sollen.
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  • Kommentar von Kurt Vollmer, Zürich
    Es gibt gute Gründe, weshalb Menschen in Länder reisen, welche vom Sofa aus gefährlich erscheinen. Viele gehen dort hin, weil sie helfen wollen, weil sie das Leid nicht nur aus der bunten Illustrierten bei Kaffee & Kuchen beglotzen wollen, oder weil sie dort forschen oder sonst arbeiten. Wer hier grossmaulig fordert, dass die CH Behörden nicht mehr helfen oder die vollen Kosten zurückfordern sollen, der hat die schön CH noch nie verlassen oder nur Ferien im Holiday Inn gemacht.Kleinbürgerlich!
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    1. Antwort von F. Muster, Zürich
      @Vollmer, Zürich: Jemand der helfen will, soll dann unter dem Patronat einer Hilfsorganisation in ein solches Land reisen, aber sicher nicht auf eigenes Risiko und Vorbereitung. Das ist nicht kleinbürgerlich von uns, sondern dämlich von solchen Leuten, allein solche gewagten Sachen zu machen. Aber das Sie als Anhänger der SP solche Giesskannen-Ausgaben vom Staat befürworten ist auch klar. Hauptsache, der Steuerzahler muss bluten.
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    2. Antwort von Kurt Vollmer, Zürich
      F.Muster, wohl können sie sich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die auch anders unterwegs sein können. Um das zu verstehen, müssten sie so etwas schon einmal erlebt haben. Weil sie dies offensichtlich noch nicht erlebt haben, verzichte ich auf weitere Erläuterungen. Übrigens, auch wenn sie es nicht glauben mögen, ich bin weder ein SP-ler, noch ein Grüner oder ein Linker. Das einzige was ich definitiv NICHT bin, ist ein SVP-ler. Es gibt eben auch noch etwas anderes als ihr Denkmuster...
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Richtig! Und bitte rektroaktiv anwenden und Leute wie diesen Vogelkundler, das Paar, das in Pakistan von den Taliban gepackt wurde, und das in Mali entführte Ehepaar finanziell belangen. Wer derart gedankenlos in der islamischen Welt herumgondelt, hat nicht verdient, dass der Schweizer Steuerzahler für die damit verbundenen Befreiungskosten blecht. Es reicht!
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