«Er war immer einen Schritt voraus»

Die Reaktionen machen es deutlich: Die Leistungen von Carsten Schloter werden durchwegs positiv gewürdigt. Zum Beispiel von Panagioti Spiliopoulos, Leiter Research der Bank Vontobel. SRF-Wirtschaftsredaktorin Barbara Widmer hat mit ihm gesprochen.

Panagioti Spiliopoulos, Leiter Research der Bank Vontobel.

Bildlegende: Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research bei der Bank Vontobel. SRF

SRF: Der Tod von Carsten Schloter hat alle überrascht. Wie beurteilen Sie seine Leistung in den vergangenen Jahren als CEO von Swisscom?

Panagiotis Spiliopoulos: Ich beurteile seine Leistung als sehr gut. Und ich denke, dass die Nachricht von seinem Tod ein grosser Verlust ist für das Unternehmen.

Wenn wir zurückblicken, was sind die wichtigsten Taten gewesen, die er bei Swisscom vollbracht hat?

Es gab mehrere. Zum einen sicher, dass er die komplette Kontrolle über Swisscom Mobile erlangt und den Anteil von Vodafone zurückgekauft hat. Das war ein wichtiger und grosser Schritt.

Zweitens, dass er sehr visionär war in Sachen Produktentwicklung und Produktneuheiten. Er hat die Konkurrenz unter Druck gesetzt, indem er einen oder sogar zwei Schritte voraus war. Und als Drittes hat er auch geschaut, dass die Aktionäre nicht zu kurz kommen. Sprich: Trotz hoher Investitionen in Mobilfunk und Festnetz hat er die Aktionäre immer mit Dividendenausschüttung bedacht.

Wo war er allenfalls nicht so stark?

Ich sehe keine solchen Punkte. Man kann sich darüber streiten, ob er etwas zu viel bezahlt hat für Fastweb – die Akquisition damals in Italien, die dann teilweise abgeschrieben werden musste. Das war aber mehr das Umfeld, das solche Preise verlangt hatte. Auf der anderen Seite hat er sehr günstige Spektrum-Lizenzen erwerben können, die ihm entsprechendes Potenzial in der Schweiz eröffnet haben.

Wenn wir Swisscom heute anschauen: Wo steht das Unternehmen, wie fit ist es?

Das Unternehmen ist sehr fit, sowohl im Vergleich mit der heimischen Konkurrenz, die sich schwer tut, Swisscom auf den Fersen zu bleiben. Aber auch im Vergleich zu Kabelunternehmen in der Schweiz, die doch Marktanteile verloren haben bei den Digitalfernsehkonsumenten. Und insbesondere auch im europäischen Vergleich, wo die Swisscom von der Bilanz und von der Profitabilität her deutlich besser dasteht als andere ehemalige staatliche Telekom-Konzerne.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Carsten Schloter an der Bilanz-Medienkonferenz der Swisscom, am 15. Februar 2012.

    Swisscom-Konzernchef Carsten Schloter ist tot

    Aus Echo der Zeit vom 23.7.2013

    Der 49-jährige Carsten Schloter wurde am Morgen an seinem Wohnort Villars-sur-Glâne im Kanton Freiburg tot aufgefunden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Schloter kam im Jahr 2000 zur Swisscom und leitete zunächst die Mobiltelefonsparte. Im Jahr 2006 wurde er zum CEO von Swisscom ernannt.

    Philip Meyer