Erneut eine Agrar-Initiative gestartet

Die Bauerngewerkschaft Uniterre hat mit der Unterschriftensammlung für ihre «Ernährungssouveränitäts»-Initiative begonnen. Sie will eine umfassende Debatte über Landwirtschaft und Ernährung in der Schweizer Bevölkerung.

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Initiative «Für Ernährungssouveränität»

1:20 min, aus Tagesschau am Mittag vom 30.9.2014

Die Bauerngewerkschaft Uniterre hat ihre Initiative «Für Ernährungssouveränität. Die Landwirtschaft betrifft uns alle» gestartet. Passend zum Thema begann sie die Unterschriftensammlung auf dem Bundesplatz, dem Marktplatz vor dem Bundeshaus in Bern.

Die Initiative soll laut der Bauerngewerkschaft eine umfassende Debatte über Landwirtschaft und Ernährung in die Bevölkerung tragen. «Wir wollen wissen, woher unser Essen kommt, wie es hergestellt wurde», so Uniterre.

Alpabzug mit Ziegen und Kühen

Bildlegende: Auch Kulturflächen sollen mit der Initiative erhalten werden (Alpabzug im Appenzellerland). Keystone

Gegen das Bauernsterben

Rudolf Berli, Vize-Präsident von Uniterre, Sektion Genf, sagt: «Es braucht eine neue Vision für die Ernährungspolitik, sowohl weltweit wie auch für die Schweiz. Wir stecken in der Sackgasse, es verschwinden täglich drei bäuerliche Betriebe in der Schweiz. Wir brauchen neue Ideen und eine Grundsatzdebatte.»

Zwei weitere Initiativen stehen an

Zum Thema Ernährung und Landwirtschaft sind auf Bundesebene bereits zwei andere Initiativen lanciert worden. Die Grünen sammeln derzeit Unterschriften für ihre «Fairfood»-Initiative. Nach dieser sollen auch für importierte Lebensmittel Schweizer Umwelt- und Tierschutz-Standards gelten.

Die SVP und der Bauernverband haben ihre Initiative «Für Ernährungssicherheit» bereits eingereicht. Die Schweizer Bauern sollen damit gestärkt werden, ist das Ziel. Sie verlangt die «Stärkung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus vielfältiger und nachhaltiger einheimischer Produktion.»

Einheimische Produktion fördern

Die dritte Initiative «Für Ernährungssouveränität» hat eine ähnliche Stossrichtung – warum denn ausgerechnet eine neue lancieren?

Aus Sicht von Uniterre enthalten die anderen beiden Initiativen zu wenig konkrete Vorschläge. Um die einheimische Produktion und den Konsum von Lebensmitteln von Schweizer Bauernbetrieben zu fördern, sollen Exporte von Landwirtschaftsprodukten nicht länger subventioniert werden.

Es sollen auch Zölle auf die Einfuhr von Erzeugnissen und Lebensmitteln erhoben werden, wenn diese sozial und ökologisch nicht den Schweizer Normen entsprechen. Der Bund könne auch deren Einfuhr verbieten.

Zudem soll laut Uniterre auch die Transparenz auf dem Markt gewährleistet und auf gerechte Preise in allen Produktionszweigen hingewirkt werden. Genetisch veränderte Organismen (GVO) sollen verboten werden. Auch Kulturflächen sollen erhalten werden – ein Ansinnen, das auch der Bauernverband und die SVP verfolgen. Zudem soll es Massnahmen geben, um die Zahl der landwirtschaftlich tätigen Personen zu erhöhen.

Gerechtes Einkommen für Bauern

Auch die Arbeitsbedingungen der landwirtschaftlichen Angestellten sollten genau betrachtet werden. Die Arbeitsbedingungen der einheimischen Bäuerinnen und Bauern sowie deren Angestellten sollten schweizweit einheitlich sein.

Das Ziel sei eine Landwirtschaft, welche die natürlichen Ressourcen schütze, kommenden Generationen eine Zukunft biete sowie den Bäuerinnen und Bauern ein gerechtes Einkommen sichere, so die Initianten.

Ein konkretes Paket

Es ist ein ziemliches Paket von verschiedenen Punkten, welche die Initianten in die Initiative «Für Ernährungssouveränität» gepackt haben. Ihnen gehe es denn auch um eine Neuausrichtung der Schweizer Ernährungspolitik, wie Rudolf Berli von Uniterre festhält. Die Grundsatzdiskussion sei wichtig.

Muss man sich denn für oder gegen eine der drei Initiativen entscheiden? Dies liege nicht im Interesse der Initianten. «Die Initiativen sind komplementär», erklärt Berli.

Bis Mitte März 2016 müssen nun 100‘000 Unterschriften gesammelt werden, damit die Initiative «Für Ernährungssouveränität. Die Landwirtschaft betrifft uns alle» bei der Bundeskanzlei eingereicht werden kann.