Erschwerte Arbeit für Schweizer Wirtschaftsförderer

Ausländische Firmen wählen den für sie günstigsten Standort. Das Ja zur Zuwanderungsinitiative erschwert die Arbeit für die hiesigen Wirtschaftsförderer. Sie müssen viel Überzeugungsarbeit leisten.

Ein Mann platziert Stecknadeln auf einer Schweizer Karte.

Bildlegende: Ausländische Unternehmen prüfen regelmässig, wo für sie die besten Bedingungen herrschen. Keystone

Dank der Wirtschaftsförderung kommen rund 400 Firmen jährlich vom Ausland in die Schweiz. Das bringt Tausende von Arbeitsplätzen und zusätzliche Steuereinnahmen ins Land – aber eben auch mehr ausländische Angestellte: Eine Zuwanderung, die mit der Annahme der Zuwanderungsinitiative der SVP nun gedrosselt werden soll. Unklar ist, was das konkret für die Schweizer Wirtschaft heisst. Darum haben Wirtschaftsförderer momentan viel zu tun.

«Wir waren vorher einfach so viel besser»

«Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten und versuchen das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Schweiz auf hohem Niveau zu halten», sagt Walter Stalder. Er ist Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern. Die Bürokratie für eine Arbeitserlaubnis mag mit der Annahme der Initiative nun grösser werden. Allerdings sei es auch in anderen Staaten nicht unbedingt einfach, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, sagt Stalder. Als Beispiel nennt er die USA oder Russland, wo man ein Visum brauche und etliche Einreiseformalitäten erledigen muss. «So viel schlechter als andere Staaten sind wir nicht. Wir waren vorher einfach so viel besser», sagt Stalder.

Ausländische Firmen suchen den Ort mit den besten Bedingungen

Vorläufig bleibt dem Wirtschaftsförderer nichts anderes übrig, als Zweckoptimismus zu verbreiten und die übrigen Qualitäten der Schweiz zu unterstreichen. Ausländische Konzerne prüfen regelmässig, wo sie die günstigsten Bedingungen vorfinden. Verschlechtert sich das Umfeld, ziehen sie weg. Und dass die Schweiz weniger attraktiv geworden ist durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, ist offensichtlich.

Das australische Pharma-Unternehmen CSL Behring im Kanton Bern überlegt sich bereits, ob es statt in der Schweiz in Singapur 300 Arbeitsplätze schaffen soll. Doch Denis Grisel von der Berner Wirtschaftsförderung gibt sich im Wettbewerb um die Gunst von CSL nicht geschlagen. «Wir sind noch im Rennen. Wir glauben, dass wir eine Chance haben.»

Der Berner Wirtschaftsförderer hat von sich aus das Gespräch mit verunsicherten Unternehmen gesucht. Noch wisse er von keiner Firma, die Bern wegen des Volksentscheids verlassen wolle, sagt Grisel.

Der Druck ist je nach Region unterschiedlich gross

Sein Kanton zieht nicht so sehr ausländische Grosskonzerne an wie die Wirtschaftsmetropolen Zürich oder Genf. Nach Bern kommen eher kleine und mittlere Unternehmen, die vor allem gut ausgebildete Leute aus der Schweiz einstellen möchten. «Der Druck in Bern ist kleiner als in anderen Regionen in der Schweiz», sagt Grisel.

Bern und auch Luzern haben nun aber eine zusätzliche Schwierigkeit: Beide Kantone haben klar Ja gesagt zur Zuwanderungsinitiative. Im Volk findet das Anlocken ausländischer Firmen offenbar nicht nur Gefallen. Für die Wirtschaftsförderer wird dadurch die Arbeit noch anspruchsvoller als bisher.