Zum Inhalt springen
Inhalt

Ärger bei Werbekunden Erste Schweizer Firmen stoppen Werbung auf Google und Youtube

Swisslife und Baer schalten vorderhand keine Werbung mehr bei Google und Youtube. Sie reagieren damit auf Recherchen von «10vor10». Diese zeigen auf, dass Werbevideos auf Youtube vor Videos mit extremen Inhalten geschaltet werden.

Legende: Video Schweizer Firmen trotzen Google abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.03.2017.

Die Weichkäse-Herstellerin Baer AG teilt mit: «Wir sind schockiert, dass unsere Werbung offenbar auf Youtube im Kontext mit Videos mit inakzeptablem Inhalt erscheint. Dies ist Rufschädigung und wir distanzieren uns in aller Vehemenz von solchen Inhalten, die in keiner Weise von uns akzeptiert oder geteilt werden. Aus diesem Grund werden wir sofort sämtliche Werbeaktivitäten auf Google Display Network (GDN) und Youtube stoppen.»

Einen klaren Strich zieht auch Swiss Life. Der grösste Schweizer Lebensversicherungskonzern schreibt «10vor10»: «Swiss Life distanziert sich klar von extremistischen Inhalten jeder Art und zieht deshalb die Konsequenzen: Wir haben die von uns gebuchten Swiss Life Ads auf Youtube und auf Google Display per sofort gestoppt.» Und: «Wir erwarten von den Plattformen, extremistische Inhalte unverzüglich zu löschen.» Sunrise und Electrolux prüfen derzeit einen Rückzug – falls Google das Risiko von Fehlplatzierungen nicht substanziell reduziere. Auch die anderen betroffenen Firmen distanzieren sich ausdrücklich von fragwürdigen Inhalten.

Legende: Video Unternehmen wehren sich gegen Youtube-Werbung abspielen. Laufzeit 04:53 Minuten.
Aus 10vor10 vom 21.03.2017.

Coop, Migros und Post vor Neo-Nazis und Hass-Predigern

Der konkrete Hintergrund: Wie Recherchen von «10vor10» zeigen, tauchen vor Neonazi-Videos Werbungen von Post, Micasa, Ikea Schweiz, Baer, Swisslife, Sunrise, Nivea, Ricola, Swisscom und Electrolux auf.

Ein Coop-Werbefilm läuft vor einem Video von Michael Savage, dem die Einreise nach Grossbritannien wegen «Schürens von Hass» untersagt ist. Werbevideos von Coop oder Baer werden auch vor einem Video mit dem umstrittenen Salafisten Pierre Vogel platziert.

Zudem taucht Schweizer Werbung bei diversen Verschwörungs-Talkern auf. So etwa bei Alex Jones von «Infowars». Jones ist der Mann, der auch schon behauptete, Hillary Clinton habe persönlich Kinder ermordet oder das Sandy-Hook-Massaker habe nie stattgefunden. Auch vor Videos von Jones tauchen Post, Fust, Emmi und viele weitere namhafte Schweizer Firmen auf. Pikant: Betreiber von fragwürdigen Kanälen auf Youtube verdienen – bei genug Klicks aus der Schweiz – an dieser programmatischen Werbung mit.

Google: «Änderungen sind angeschoben»

In Grossbritannien haben laut der Zeitung «The Times» bereits über 250 Unternehmen Werbe-Deals mit Google gestoppt, weil ihre Anzeigen bei extremen Inhalten platziert worden waren.

Wie die britische Zeitung «The Guardian» berichtet, hat zudem Havas, eine der weltweit grössten Agenturen, die Google- und Youtube-Werbung ihrer Kunden in Grossbritannien sistiert.

Die betreffenden Videos hat Google inzwischen gesperrt. Auf Anfrage von «10vor10» schreibt Google, man möchte sich «ausdrücklich entschuldigen» für Fälle von «Anzeigen von Marken im Umfeld von Inhalten, die nicht mit ihren Werten übereinstimmen». Und: «Wir wissen, dass dies für Werbetreibende und Agenturen, die uns vertrauen, nicht hinnehmbar ist.»

Man habe daher die Richtlinien und Tools für Werbung umfassend überprüft. Und bereits Änderungen in drei Bereichen angeschoben: bei den Anzeigen-Richtlinien, bei der Durchsetzung dieser Richtlinien und in Form neuer Kontrollmöglichkeiten für Werbetreibende. «YouTube als Betreiberin der Plattform lehnt die Einstellung solcher Inhalte genauso ab wie die Gemeinschaft der Nutzer selbst», heisst es in der Stellungnahme. «YouTube reagiert innerhalb von Stunden mit der Prüfung solcher Inhalte, sobald diese gemeldet werden.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mike Wieland (Mike Wieland (SEMSEA))
    Für ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist der Nutzen (ROI) von leistungsorientierter Werbung wie "programmatic advertising" m.E. höher als auf diese Ausrichtungsmöglichkeiten zu verzichten. Es gibt Alternativen im Google Display Netzwerk!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Mike Wieland (Mike Wieland (SEMSEA))
    Sofort sämtliche Werbeaktivitäten auf dem Google Display Network zu stoppen ist eine überstürzte Reaktion aufgrund von viel Unkenntnis. Ich empfehle den Personen, sich mal über die Ausrichtungsmöglichkeiten im Displaynetzwerk zu informieren. Über ausgewählte Placements lassen sich die Google Werbeanzeigen im Display Netzwerk auch explizit auf bestimmten Webseiten platzieren und dadurch die Anzeigen präzise aussteuern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Es gilt zu beachten, welche Clips da vom User selber gesucht und angeschaut werden. Die Werbung wird da mit-eingeblendet und ist sicherlich nicht gezielt zwangsverknüpft mit den dubiosen Clips.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen