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Schweiz Erste Schweizer Goldstatistik seit 1981 besänftigt Kritiker nicht

Woher stammt das Schweizer Gold? Lange Zeit wollte das hierzulande niemand so genau wissen. Wirtschaftliche Interessen wogen mehr als ethische Bedenken. Doch nun wird veröffentlicht, woher das Gold kommt und wohin es geht. Also alles bestens? Mitnichten.

Erstmals seit mehr als 30 Jahren hat die Eidgenössische Zollverwaltung Einzelheiten zum Aussenhandel mit Gold, Silber und Münzen publiziert. Die Jahre zuvor hatte man offiziell aus wirtschaftlichen Gründen keine Statistik bekanntgegeben. Inoffiziell ging es aber darum, den Ursprung des Goldes zu verschleiern. Denn weder Südafrika noch die UdSSR standen im Westen in den 80ern moralisch hoch im Kurs.

Kein Gold von Potentaten

Das nun erstmals wieder eine Statistik veröffentlicht wurde, hat zweierlei Gründe: Zum einen gab es 2012 einen Vorstoss des SP-Nationalrats Cédric Wermuth. Zum anderen strebt die offizielle Schweiz einen Imagewandel an.

Die Rohstoffdrehscheibe soll «sauber» werden. Gold, bei dessen Förderung die Umwelt zerstört wird oder das zur Bezahlung von Kriegen dient, möchte man hierzulande nicht mehr handeln. So weit der Plan.

«Die neue Statistik sagt wenig aus»

«Die heutige Veröffentlichung wird als grosse Leistung gefeiert, dabei ist es nur eine längst überfällige Korrektur eines vor 30 Jahren eingeschlagenen Sonderweges», so Oliver Classen, Sprecher der «Erklärung von Bern» (EvB).

Deshalb sehe er in der heutigen Veröffentlichung nur ein erstes «Schrittchen» in Richtung Transparenz. «Denn die neue Statistik sagt weder etwas über das Förderland, noch über die ethische Qualität des Edelmetalls aus.»

So werde in der jüngsten Statistik zum Beispiel Togo als Bezugsquelle genannt. Dort wird allerdings gar kein Gold gefördert. «Vermutlich kommt es ursprünglich aus Ghana oder einem anderen Land mit heiklem Hintergrund.»

Goldförderung ist ein schmutziges Geschäft

Laut Classen wäre es deshalb wichtig, die gesamte Lieferkette offenzulegen – von der Mine über die Zwischenhändler bis hin zu den Schweizer Goldschmelzen. Und nicht nur das: «Zudem müsste man auch gesetzlich sicherstellen, dass dabei die international gängigen Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden.»

Denn die Goldförderung ist oft noch immer ein schmutziges Geschäft. Zum Auswaschen wird nahezu überall hochgiftiges Quecksilber verwendet. Vielfach ist die Landschaft auf Jahrzehnte hinaus kontaminiert. Für die Menschen vor Ort fällt vom grossen Geschäft nur selten etwas ab.

Für die Schweizerische Nationalbank ist die Einhaltung dieser Standards laut eigener Aussage eine Selbstverständlichkeit. Gut 1000 Tonnen des Edelmetalls habe man im Depot, so SNB-Sprecher Walter Meier. Bei allfälligen Goldkäufen werde man sich in Zukunft selbstverständlich an die international geltenden Standards halten.

Legende:
Die grössten Goldproduzenten der Welt Goldproduktion 2012 in Tonnen goldseiten.de

Die Schweiz hätte hier die Möglichkeit regulierend einzugreifen – als einer der grössten Player im Goldhandel. Sie könnte zudem die Rahmenbedingungen mitgestalten und aktiv die Einhaltung sozialer unökologischer Richtlinien einfordern, so EvB-Sprecher Oliver Classen.

«Hier könnte die Goldbranche eine Führungsrolle übernehmen und auch positiv auf den Rest des Schweizer Rohstoffsektors einwirken.» Noch besser wäre es allerdings laut Classen, wenn die Schweizer Firmen einer vom Staat auferlegten Sorgfaltspflicht nachkommen müssten. Dann wären sie in der Pflicht, genau nachzuweisen, woher das Edelmetall stammt.

Legende: Video Woher das Gold kommt abspielen. Laufzeit 2:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.02.2014.

Schweizer Goldimporte

Aus der Goldstatistik geht hervor, dass Gold, Silber und Münzen im Wert von 7,2 Milliarden Franken importiert wurden. Der Bezug erfolgte zumeist aus Europa. So betrugen die Importe allein aus Grossbritannien 60,2 Prozent. Auch die USA, Italien, Deutschland und Thailand gehören zu den wichtigsten Bezugsländern.

Schweizer Goldexporte

44,3 Prozent aller Gold- und Silberbarren, die im Januar von der Schweiz exportiert wurden, gingen nach Hongkong. Auch die anderen grossen Abnehmer sind in Asien. Auf Platz zwei rangiert Indien, danach folgen Singapur, die Arabischen Emirate und China. Insgesamt wurden im Januar Gold und Silber im Wert von 6,9 Milliarden Franken exportiert.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von alfred tanner, biel
    Klar ist es unschön, dass das Gold unter ethisch schwierigen Umständen gewonnen wird und es ist sinnvoll, dass Verbesserungen in die Wege geleitet werden. Wichtig ist, dass das bereits gewonnene Gold, alles welches der CH gehört, von der Nationalbank so rasch wie möglich aus dem Ausland zurückgeholt wird.
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Es gibt noch viel mehr Schwermetalle und Erden,deren Gewinnung die Umwelt vergiftet.Und alle Staaten der Welt und deren Industrien kaufen Rohstoffe,Gold ist hier nur Beiwerk,dient parallel der HGgewinnung (kommt zusammen vor).Was ist alles an Giftstoffen in der Elektronik,in der Chemieindustrie,im Kunststoffbereich in Verwendung?Wenn schon die Vergifter des Nestes benennen,dann komplett und weltweit,aber dafür hat SRF leider nicht die Hosen an!Thema:Umweltkriminalität und "Wohlstands"produkte!
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Woher das Schweizer Gold stammt? Aus Sotschi natürlich.
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