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Asylsuchende an der Uni Erstes Schnuppern an einem Studium

Hochqualifizierte Flüchtlinge können sich an manchen Universitäten an eine Hochschulausbildung herantasten. Die Hürden zum Studieren sind allerdings hoch.

Legende: Audio Unis öffnen sich für qualifizierte Flüchtlinge abspielen. Laufzeit 02:31 Minuten.
02:31 min, aus HeuteMorgen vom 20.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer Unis bieten für qualifizierte Asylbewerber Schnuppersemester an.
  • Ein reguläres Studium dürfen die meisten Schnupperstudenten allerdings nicht absolvieren, da ihre Schulabschlüsse in der Schweiz nicht anerkannt werden.

Maroof Noori ist 21 und stammt aus Afghanistan. Vor seiner Flucht in die Schweiz studierte er in seiner Heimat Betriebswirtschaft. Nun lebt er in einer Asylunterkunft im Kanton Baselland und träumt davon, sein Studium fortsetzen zu können.

In den vergangenen Monaten hat er darum ein Schnuppersemester an der Universität Basel absolviert: «Ich habe eine Einführung in die Betriebswirtschaft absolviert und es war sehr gut. Ich bedanke mich ganz herzlich.»

Asylsuchende wie er dürfen derzeit zwei Vorlesungen pro Semester in Basel besuchen, aber höchstens ein Jahr lang. Dann ist das Schnupperprogramm zu Ende.

Erste Schritte an einer Schweizer Uni

Auf die Beine gestellt hat dieses Flüchtlings-Projekt eine Gruppe von Studierenden. Tim Harder, einer der Initianten, sagt: Das Projekt ersetze kein Universitätsstudium, aber Asylsuchende könnten wenigstens erste Schritte an einer Schweizer Universität machen.

«Zunächst mal wird ein Kontakt hergestellt zwischen hochqualifizierten Asylsuchenden und der Universität. Die Asylsuchenden profitieren insofern davon, als dass sie ihre Chancen abwägen können, in der Schweiz einen höheren Bildungsweg einzuschlagen. In ihrer Heimat mussten sie den meistens abbrechen.»

Ein Erfolg, aber kein nachhaltiger

Das Programm sei ein Erfolg. Die Teilnehmer hätten grosse Fortschritte gemacht: «Vor allem auf sprachlicher Ebene konnte man extreme Lernkurven beobachten. Sie haben sich auch alle gefreut, wieder in ihrem Fachgebiet unterwegs zu sein.»

Harder bedauert aber, dass für viele Flüchtlinge die Unikarriere nach dem Schnupperprogramm schon wieder beendet sei. Von den 20 Teilnehmern des ersten Schnupperprogramms haben nur zwei den Sprung in ein reguläres Studium geschafft.

Schulabschlüsse nicht anerkannt

Dass es nicht mehr sind, habe damit zu tun, dass die Schulabschlüsse aus den Heimatländern der Flüchtlinge in der Schweiz nicht anerkannt würden, sagt Harder. «Es ist unnachvollziehbar schwierig, ein Studium, nicht nur beginnen, sondern auch fortsetzen zu können.»

Er würde sich daher von den Universitäten mehr Engagement für hochqualifizierte Flüchtlinge wünschen. Maroof Noori, der junge Afghane, jedenfalls würde sich darüber freuen, wenn er an der Universität Basel bleiben könnte: «Ich würde gerne richtig hier studieren, aber das Problem ist, dass ich nicht darf.»

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    In eine Vorlesung kann man immer sitzen. Das kontrolliert niemand. Ein Jahr ist m.E. zu kurz. Die Sprachbarrieren fallen erst im zweiten Semester, denn zuerst sind sie sich teils nicht bewusst, wie schwierig es sein wird. Dazu kommen undeutliche Aussprache von Dozierenden, halbfertige oder verschachtelte komplizierte Sätze, etc. Ansonsten spannend solche Leute anzutreffen an der Uni.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Geht es hier nun um Asylsuchende, oder um anerkannte Flüchtlinge? Es ist nicht unwichtig, denn über Asylsuchende wurde noch nicht entschieden, d.h., es kann durchaus vorkommen, dass sie inmitten des Projektes des Landes verwiesen werden. Daher wäre eine derartige Investition in Asylsuchende rein verschwendetes Geld. Also hier auch bitte um präzise Benennung der Rechtslage der Zielgruppe, vielen Dank.
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    1. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      Wenn jemand als Flüchtling anerkannt wurde, ist auch schon über Asyl entschieden worden. Schön, dass Sie immerhin den Unterschied kennen. Flüchtling sind Leute gemäss der Genfer Flüchtlingskonvention. Für ein Nein dort braucht es schwere Verbrechen des Flüchtlings, keine Fluchtgründe, etc. Bei Asyl reicht teilweise schon der Verdacht auf eine Straftat gemäss Bundesverwaltungsgericht.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Übrigens, die Diplomanerkennung ist ein Problem, selbst innerhalb der EU. Reglementierte Berufe (Lehrer, Pflege, Arzt usw.) verlangen eine Gleichwertigkeitsanerkennung, weil die Systeme sich Land zu Land minim oder in grösserem Ausmass unterscheiden. Und dies kostet. Wir haben immerhin einen EU-Vorrang, also finde ich berechtigt, dass das Problem zuerst für EU-Bürger gelöst wird, erst danach für Drittländer.
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