«Es bedeutet die Anerkennung ihres Leids»

Der 27. Januar ist weltweit der Tag des Gedenkens an den Holocaust. Eine Schweizer Stiftung kümmert sich um verarmte Überlebende des Genozids. Für sie ist es mehr als nur Geld.

Eine Frau legt in der Yad-Vashem-Gedenkstätte in Jerusalem eine Blume nieder

Bildlegende: Die Jahre vergehen, die Erinnerung bleibt. Gamaraal will Überlebenden helfen, nicht nur finanziell. Keystone

Als Kind im Konzentrationslager, dann geflüchtet in die Schweiz – und im Alter muss man jeden Rappen umdrehen. Von den 150 Holocaust-Überlebenden ist mehr als die Hälfte bedürftig, lebt unter dem Existenzminimum. Die kürzlich Gegründete Stifung Gamaraal hilft diesen Menschen.

Präsidentin Anita Winter zu ihrem Wirken: «Eigentlich ist es ja fast zu spät um diese Menschen, die als Kinder allergrösstes Leid erfuhren, im Alter endlich ein wenig zu entlasten. Aber ich habe mir gedacht: Besser spät als nie.»

Kleine Geste – grosse Dankbarkeit

Und so erhalten arme Holocaust-Überlebende dreimal jährlich jeweils einen dreistelligen Betrag geschenkt. So auch zum Holocaust Gedenktag – 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Jährlich sind das mehrere 100 Frankren pro Person. Die Dankbarkeit ist gross: «Die Stiftung erhält rührende, überwältigende und zu Herzen gehende Dankesschreiben von Betroffenen», so Winter.

Mehr als nur Geld

Das Geld, ist sich auch Winter bewusst, ist nur ein kleiner Beitrag für Menschen in Not. Die Gamaraal-Stiftung befindet sich noch im Aufbau. Andere Organisationen kümmern sich schon länger um Holocaust-Überlebende in der Schweiz.

Winter will ein Zeichen setzen: «Ich denke, dass das Projekt – neben dem finanziellen Aspekt – für die Betroffenen die Anerkennung ihres Leids bedeutet.» Denn wer den Horror in einem Konzentrationslager miterlebt hat, wird diese Bilder ein Leben lang nicht mehr los.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die letzten Zeugen

    Aus Tagesschau vom 27.1.2015

    Vor genau 70 Jahren wurde das nationalsozialistische Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit.1.1 Millionen Menschen wurden während des 2. Weltkrieges in Auschwitz in Polen ermordert. Im Zentrum der heutigen Gedenkfeiern stehen vor allem auch die Menschen, die Auschwitz überlebten – die letzten Zeugen.

  • Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck während der Rede vor dem Bundestag - zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.

    «Keine deutsche Identität ohne Auschwitz»

    Aus Rendez-vous vom 27.1.2015

    Vor 70 Jahren hat die Rote Armee Auschwitz befreit, ein Zentrum des Völkermordes von Deutschen an Juden. Am Nachmittag wird dort, in Polen, eine Gedenkfeier stattfinden. Im deutschen Bundestag hat Bundespräsident Joachim Gauck über die Bedeutung von Auschwitz gesprochen.

    Casper Selg