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Unternehmenssteuerreform «Es braucht Köpfe aus der Wirtschaft für die Politik»

Legende: Audio Gerold Bührer: «Verbände sind wichtig, aber sie ersetzen diese Vertreter nicht.» abspielen. Laufzeit 2:08 Minuten.
2:08 min, aus HeuteMorgen vom 21.02.2017.

SRF News: Haben sich die Grosskonzerne zu wenig in dem Abstimmungskampf um die Unternehmenssteuerreform III engagiert?

Gerold Bührer: Es ist sehr wichtig, dass die Unternehmen Vertreter in der Politik haben. Verbände sind wichtig, aber sie ersetzen diese Vertreter nicht. Es braucht auf kantonaler und eidgenössischer Ebene Köpfe aus der Wirtschaft, die sich in der politischen Arena einsetzen. Das ist vernachlässigt worden.

Wie erklären Sie diese Zurückhaltung der Unternehmen?

Das dazugehörige Stichwort ist die Globalisierung. Noch in den 90er Jahren waren Unternehmen weniger auf der Welt präsent als heute. Das ist sicher ein Aspekt, der das politische Engagement von Exponenten von grossen Unternehmungen erschwert. Aber nichtsdestotrotz: Ich glaube, es ist eine Willenssache. In meinem Fall hat man einfach die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, um mir Zeit für das politische Engagement zu geben. Und das ist auch in anderen Grossunternehmen möglich.

Mehr als 50 Prozent der Unternehmen in der Schweiz werden unterdessen von Ausländern geführt. Mag das auch eine Erklärung für das fehlende Engagement der Unternehmen in der Schweizer Politik sein?

Das mag sein. Aber in den Verwaltungsräten ist ja eine Mehrzahl Schweizerin oder Schweizer. Und die Verwaltungsräte sollten mit den Aspekten der politischen Seite vertraut sein. Und da sollte man doch meinen, dass sich die Verwaltungsräte auch entsprechend einbringen. Ich plädiere sehr dafür, dass sich auf kantonaler und eidgenössischer Ebene wieder vermehrt Köpfe aus der Wirtschaft zur Verfügung stellen.

Das Interview führte Maren Peters.

Gerold Bührer

Von 2006 bis 2012 war Bührer (68) Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse. Seine politische Karriere begann er im Grossen Rat des Kantons Schaffhausen. Von 1991 bis 2007 war er im Nationalrat und von 2001 bis 2002 Präsident der FDP Schweiz. Er arbeitet als Unternehmensberater und ist in mehreren Verwaltungsräten aktiv.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Kleffel (Hell Flodo)
    Es ist wieder einmal erhellend, aber nicht mehr erstaunlich, dass hier viele auf der einen Seite richtig erkennen, dass die Wirtschaft zunehmend zu viel Macht über die Politik hat und daher mehr Volksvertreter fordern, dass dieselben Leute dann aber in anderen Kommentaren stets gegen sozialdemokratische Parteien wettern, die gegen dieses Problem vorgehen möchten, und lieber die SVP wählen, die im Nationalrat stets für die grosse Wirtschaft stimmt, wenn es nicht gerade um böse Ausländer geht.
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  • Kommentar von Daniel Seiler (D. Seiler)
    Eine Mehrheit der Schweizer argumentiert noch immer hoch oben vom Ross. Dass wir eine funktionierende Wirtschaft benötigen wird gerne ausgeblendet. Das Schweizer Volk hat in den letzten Jahren bereits viel Schaden in der Wirtschaft angerichtet. Seit 3 Jahren ist keine nennenswerte Ansiedlung einer neuen Firma in der Schweiz erfolgt. Seit 3 Jahren verschieben Konzerne Strukturen ins Ausland, Investitionsentscheide fallen häufig zuungunsten der Schweiz. Es gibt immer 2 Seiten einer Medaille.
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  • Kommentar von David Gfeller (David Gfeller)
    Interessant wie nun die Parteien auf die Wirtschaft eindreschen. Dabei waren es die Parteien, die dieses Paket geschnürt haben. Aber den Groove der politischen Parteien kennen wir schon lange. Gelingt etwas, war es der Verdienst der eingen Partei. Misslingt etwas, sind die anderen schuld. Einsicht ist leider noch nicht eingekehrt. So wird die Diskrepanz zum Volk bleiben.
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    1. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Es waren die der Wirtschaft nahe stehenden Parteien, die das Paket mit (teilweise abstrusen) Steuerprivilegien für Firmen überladen haben. Sonst hätte ich Ja gestimmt, weil der internationale Standort-Wettbewerb für Staaten und Gesellschaften mittlerweile schädliche Ausmasse erreicht hat.
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