«Es gibt keinen ‹Dschihad im Internet›»

Gehackte Websites und Twitter-Konten: Mit solchen Aktionen machen Dschihadisten auch im Internet auf sich aufmerksam. Doch von einem Cyberkrieg kann dabei noch lange nicht gesprochen werden, relativieren Fachleute des Bundes. Auch die Chance für einen Cyberangriff auf die Schweiz sei gering.

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Wachsende Gefahr von Cyberterror?

1:51 min, aus Tagesschau vom 17.1.2015

Frankreich, Belgien, Grossbritannien, Griechenland, Marokko – in zahlreichen Ländern kam es in den vergangenen Tagen zur Festnahme von Terror-Verdächtigen, möglicherweise Dschihadisten.

«Das ist Propaganda»

Auch in der virtuellen Welt ist die dschihadistische Bedrohung sichtbar. Vergangene Woche gab es vermehrt entsprechende Hacker-Angriffe: auf die Internetseiten des Französischen Verteidigungs-Ministeriums oder auf Twitter-Konten von Zeitungen oder des Militärs in den USA. Droht nun auch ein Cyberkrieg?

«Das ist Propaganda, das ist noch lange kein Krieg», sagt Pascal Lamia, Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani des Bundes. Aber es sei so, dass unterdessen auch die Dschihadisten die Cybermittel für ihre Zwecke nutzten. Dahinter stecke die Motivation, Angst zu verbreiten. Vom «Dschihad im Internet» könne jedoch noch keine Rede sein.

Finanzplatz, Telekommunikation, Transportinfrastruktur

Doch ein Potenzial, das Internet für terroristische Zwecke zu nutzen, bestehe durchaus. Melani beobachte die Bedrohungslage genau. Im Fokus stehen dabei die kritischen Infrastrukturen der Schweiz – etwa der Finanzplatz, die Telekommunikation und die Transportinfrastruktur.

Doch Pascal Lamia relativiert: «Die Schweiz ist ein neutrales Land, wir exponieren uns nicht gleich wie andere Länder, gerade im kriegerischen Bereich.» Man analysiere die Cyberlage stündlich und geben die Informationen an die Betreiber weiter. Im Moment sei die Bedrohungslage klein.

Hacker von «Anonymous» aktiv

Auch Cyberangriffe auf Atomkraftwerke in der Schweiz seien unwahrscheinlich: der Aufwand dafür sei immens - im Vergleich zu anderen Anschlägen.

Derweil rufen Hacker unter dem Namen Anonymous im Internet zum Gegenangriff auf – als Reaktion auf das Attentat auf die Zeitung «Charlie Hebdo». Ziel ist es dabei, die Dschihadisten im Internet zu enttarnen. Und «Anonymous» will Datenlecks schlagen und Informationen von Dschihadisten-Websites öffentlich machen. Das Vorgehen der Hacker ist umstritten. Doch den Behörden könnte es am Ende nützen.