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Schweiz «Es werden weitere Wolfsrudel entstehen»

In der Schweiz gibt es immer mehr Wölfe. Deshalb will der Bund den Abschuss der Tiere in gewissen Fällen ermöglichen. Oberjäger Reinhard Schnidrig erläutert die Idee hinter dem überarbeiteten, neuen Wolfskonzept.

Ein Wolf in einer Wiese, er blickt in die Kamera.
Legende: Einer der Schweizer Wölfe, aufgenommen im Wallis. Keystone

SRF: Hat der Wolf mit dem neuen Wolfskonzept, das den Abschuss von Wölfen erleichtert, überhaupt noch eine Zukunft in der Schweiz?

Reinhard Schnidrig: Ganz bestimmt hat der Wolf in der Schweiz eine Zukunft. Er breitet sich nach wie vor aus. Bereits gibt es am Calanda in Graubünden ein erstes Rudel und es werden bald weitere entstehen.

Mit dem überarbeiteten Wolfskonzept soll es grundsätzlich möglich werden, Wölfe zu schiessen, um den Bestand zu regulieren. Gleichzeitig soll der Bestand nicht gefährdet werden. Ist dies nicht sozusagen die Quadratur des Kreises?

Klar ist: Die Meinungen sind geteilt, wann eine Population gross genug ist, damit sie eine Regulation erträgt. Das Konzept sieht vor, dass wir uns nicht am Bestand, sondern an der dokumentierten Fortpflanzung orientieren. Am Calanda haben wir ein erstes Rudel mit dokumentierter, regelmässiger Fortpflanzung. Hier wäre laut dem neuen Konzept also eine Regulation möglich. Es dürfte jedoch maximal die Hälfte der Jungtiere weggenommen werden.

Könnte infolge der neuen Möglichkeiten der Wolfsregulation nicht die Motivation bei Viehzüchtern abnehmen, besondere Schutzmassnahmen für ihre Tiere zu ergreifen wie etwa Herden-Schutzhunde?

Damit in einem spezifischen Fall überhaupt über eine Regulation diskutiert werden kann, muss bereits Herdenschutz betrieben werden. Es müssen also Hunde, elektrisch verstärkte Zäune oder Hirten eingesetzt werden.

Was hat sich in den letzten Jahren eigentlich verändert, was die Situation der Wölfe in der Schweiz betrifft?

Ich denke, mittlerweile haben alle in unserem Land verstanden: Die Wölfe sind da und sie werden bleiben. In allen Kantonen setzt man sich intensiv mit dem Herdenschutz auseinander. Auf der anderen Seite setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein Totalschutz des Wolfes in der menschgeprägten Landschaft nicht möglich ist. Es braucht Möglichkeiten, einzugreifen.

Bis Anfang September läuft nun die Konsultation des überarbeiteten Konzepts. Wie schätzen Sie die Chancen einer Zustimmung von allen Seiten (Naturschutz, Tierhalter, Jäger) ein?

Das Dossier ‹Wolf› ist sehr emotionalisiert. Deshalb erwarte ich Kritik von allen Seiten. Das heisst für mich aber auch: Sollte die Kritik tatsächlich von Schutz- und Nutzerseite, von Links und Rechts kommen – dann haben wir von der Bundesverwaltung die Mitte nicht so schlecht getroffen.

Das Interview führte Elmar Plozza.

Reinhard Schnidrig

Reinhard Schnidrig

Der Walliser Reinhard Schnidrig ist Chef der Sektion Jagd, Wildtiere und Waldbiodiversität im Bundesamt für Umwelt BAFU. Er ist u.a. zuständig für das Grossraubtiermanagment in der Schweiz.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Kistler, Walensee
    @Peter Wittwer, Thun. Es war wohl nie die Rede davon, dass wir die Wölfe als Haustiere halten wollen, oder? Und bei den Hunden ist ja nicht die Rasse das Problem, sondern der Halter. Die Menschen sind meistens überzüchtet und haben keinerlei Verstand mehr gegenüber Tier und Natur. Jedes Tier und jede Pflanze hat einen Nutzen auf unserem Planeten. Welcher Nutzen war's nochmal, den der Mensch hat? War's Umweltzersörung, Artenausrottung oder vielleicht auch Völkermord?
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    1. Antwort von Peter Wittwer, Thun
      @Andy Kistler, Walensee: Sie haben völlig Recht! Aber ich meine, dass es nicht möglich ist Raubtiere unter Kontrolle zu haben. Ein Haustier muss über seinen Besitzer gemeldet und kontrolliert werden. Ein Raubtier ist überall und doch nirgends. Es hat die grössere Bisskraft als Haustiere und kann nicht verantwortlich gemacht werden für sein Tun.
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  • Kommentar von W.Ineichen, Luzern
    Wölfe würden am liebsten Menschen schiessen, um deren Bestand zu regulieren.
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    1. Antwort von Peter Wittwer, Thun
      @W. Ineichen, Luzern: Warum vermenschlichen Sie die Raubtiere? Was schreiben Sie hier auf dieser Plattform den Angehörigen für den Fall, dass Schweizerbürger von Raubtieren getötet werden?
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    2. Antwort von Andy Kistler, Walensee
      @Peter Wittwer, Thun. Ja genau, in all den anderen Ländern, in denen es Wölfe hat, sterben jährlich sicher tausende an den Folgen eines Wolfangriffs. Was erzählen Sie denn den Angehörigen, wenn deren Kind auf dem Schulweg von einem falsch gehaltenen Hund angefallen wird? Und bis nach Thun werden es die Wölfe wohl kaum schaffen. Falls doch, gibts da ja genug Militär, das dann auch staatlich bewilligt rumballern darf. Ein Wunder, dass wir nur die Tiere erschiessen, die einwandern!
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    3. Antwort von Peter Wittwer, Thun
      @Andy Kistler, Walensee: Der Regierungsrat hat nun festgelegt, welche Hunderassen zu dieser Gruppe von Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotential gehören und künftig von Zürcher Hundehaltern nicht mehr gehalten oder gezüchtet werden dürfen. Es sind dies American Staffordshire Terrier, Bull Terrier, American Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Pit Bull Terrier, Pit Bull Terrier, Bandog ect.. Das Verbot gilt ab 1. Januar 2010. Raubtiere mit grösserer Bisskraft wollt ihr zulassen?
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  • Kommentar von Elisabeth Hasler, Zürich
    "Das Dossier Wolf ist sehr emotionalisiert"...Das wohl auch, Herr Schnidrig. Aber es wird in der CH mit Sicherheit auch und noch stärker zu einem Politikum & zu einem Kräftemessen zwischen Stadt & Land werden. Die Frage wird sein: Gelingt es Rot-Grün, dem Berggebiet nach der Zweitwohnungsinitiative auch noch diese Raubtiere aufzuzwingen (nur dort werden diese Tiere angesiedelt, sollte es anders sein, würde im Mittelland schon gehandelt)? Soll die dezentrale Besiedelung der CH aufgegeben werden?
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    1. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      Die Wölfe werden nicht "angesiedelt", sondern kommen von selber, mit ihrer natürlichen Menschenscheu nehmen sie eben dünn besiedelte Bergregionen in Anspruch. Mit Rot-Grün oder politisch motiviertem Zwang hat das gar nichts zu tun. Im Übrigen sind die von Rot-Grün u. Ihrer BDP forcierte Masseneinwanderung und Übervölkerung der CH wohl das wirkliche Problem.
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