Europa will härter gegen illegale Sportwetten vorgehen

Sportwetten sind ein Riesengeschäft. In vielen Ländern versucht die Wettmafia, Spiele zu beeinflussen und so grosse Summen zu gewinnen. Dagegen wollen nun 57 europäische Staaten vorgehen und unterzeichnen in Magglingen eine Übereinkunft.

Video «Gegen Wettkampf-Manipulationen im Sport» abspielen

Gegen Wettkampf-Manipulationen im Sport

2:20 min, aus Tagesschau vom 18.9.2014

Experten schätzen, dass mit Sportwetten weltweit jedes Jahr rund 700 Milliarden Franken umgesetzt werden. Nicht immer sind die Wetten legitim: Spieler oder Schiedsrichter werden bestochen, um einem Spiel die gewünschte Wendung zu geben. Auch in der Schweiz: Ermittlungen deckten 2009 Betrug oder zumindest Betrugsversuche bei über 20 Spielen der Challenge League auf. Drei verdächtigte Spieler des FC Thun und FC Gossau wurden 2012 letztlich wegen fehlender gesetzlichen Grundlagen freigesprochen.

Doch jetzt wollen die europäischen Länder härter gegen Sportbetrug vorgehen. Heute unterzeichnen sie eine entsprechende Übereinkunft – an einer Konferenz in Magglingen. Diese verpflichtet die 57 Länder des Europarates, ihre Gesetze so anzupassen, dass Sportbetrug strafbar wird. Ausserdem verlangt der Vertrag, dass die Staaten enger zusammenarbeiten und mehr Daten austauschen.

Schweiz trägt besondere Verantwortung

Beim Bund ist man sehr zufrieden, dass die Konvention zustande gekommen ist. Für Matthias Remund, Direktor des Bundesamtes für Sport, ist sie «sehr wichtig». «Wir sind auch stolz, dass diese Konvention hier in der Schweiz unterzeichnet werden kann.» Denn die Schweiz trage eine besondere Verantwortung – als Sitz vieler internationaler Sportverbände wie die Fussballverbände FIFA und UEFA oder das Internationale Olympische Komitee.

Im Parlament engagiert sich der St. Galler SVP-Nationalrat Rino Büchel besonders im Kampf gegen Wettbetrug. Er begrüsst die neue Konvention, warnt aber vor zu hohen Erwartungen: «Es ist definitiv ein wichtiger Schritt. Aber es ist ein Schritt auf einem langen Weg, der noch nicht beendet ist.»

Debakel von 2009 soll sich nicht wiederholen

Es sei nicht sicher, ob dann auch alle Länder scharfe Gesetze erlassen würden. Zuversichtlich ist Büchel, was die Schweiz betrifft: Sie mache im Kampf gegen Sportbetrug jetzt vorwärts und sei bereits daran, die Konvention umzusetzen – mit einem neuen Gesetz über Geldspiele: «Wir haben schon angefangen umzusetzen, was den anderen jetzt als Auftrag gegeben wird.» Denn der Fall soll sich nicht wiederholen, dass geständige Wettbetrüger von Schweizer Gerichten freigesprochen werden müssen.