Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Exit: «Haben bereits Anrufe erhalten»

Von «Staatsanwälten am Sterbebett» war die Rede und vom Zwang, sich das Leben zu nehmen. Die Debatte im Deutschen Bundestag verlief hochemotional und endete mit einem Verbot der «geschäftsmässigen Sterbehilfe». Das hat auch Auswirkungen auf die Schweiz.

Ansicht des Sterbezimmers der Sterbehilfeorganisation Dignitas in Zuerich-Wiedikon; aufgenommen am 18. September 2002.
Legende: In der Schweiz erlaubt, in Deutschland nicht: Aber in beiden Ländern erhitzt kommerzielle Sterbehilfe die Gemüter. Keystone

Es war eine emotionale, engagierte Debatte, wie sie das deutsche Parlament selten erlebt. Kerstin Griese von den Sozialdemokraten warb eindringlich für ein Verbot von organisierter Sterbehilfe: «Wir wollen unter Strafe stellen, wenn jemand mit der Absicht der Selbsttötung, geschäftsmässig handelt. Diejenigen, die unseren Antrag unterstützen, sagen ganz klar: ‹Wir halten dieses Geschäft mit dem Tod von Menschen für ethisch untragbar›».

Aber auch die Gegner einer strengen Sterbehilfe-Regelung werben für ihre Anliegen. Es stehe dem Staat nicht zu, sich in derart persönliche Fragen einzumischen, sagen die Grünen. Auch Peter Hintze von der CDU will erreichen, dass Sterbehilfe für Schwerkranke erlaubt bleibt: «Für den Satz ‹Leiden im Sterben ist sinnlos› wurde ich schwer angegriffen. Aber ich wiederhole ihn. Denn kein Mensch muss einen Qualtod hinnehmen. Wir wollen, dass am Sterbebett nicht Anwälte stehen. Sondern Angehörige und Ärzte.»

Deutsche wenden sich an Schweizer Sterbehilfeorganisationen

Am Ende setzte sich jedoch das Verbot durch. Konkret ist etwa organisierte Sterbehilfe durch einen Verein illegal und kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Auch Ärzte machen sich strafbar, wenn sie wiederholt mit schwerkranken Patienten über einen möglichen Suizid sprechen.

Der Entscheid des Bundestages dürfte auch Auswirkungen auf die Schweiz haben. Bernhard Sutter, der Geschäftsführer der Sterbehilfeorganisation Exit, berichtet von einer steigenden Nachfrage aus Deutschland: «Wir haben das bereits gespürt. Wenige Minuten nach dem Entscheid haben wir erste Telefonate von Leuten erhalten, die sich über eine Mitgliedschaft erkundigt haben.»

Exit lehnt Anfragen aus dem Ausland allerdings ab. Um Mitglied zu werden, muss man einen Wohnsitz in der Schweiz haben. Verschiedene andere Schweizer Sterbehilfeorganisationen, etwa Dignitas, handhaben das aber anders. Jedes Jahr reisen mehrere hundert Menschen in die Schweiz, um hier zu sterben. Diese Zahl dürfte nach dem heutigen Entscheid in Deutschland weiter ansteigen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Paul (Karl Paul)
    Es ist mein Leben und es wird mein Tod sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von erwin ilg (igel)
    Da ich kein Theologe bin, ist meine Ansicht über Leben und Sterben doch kaum anders. Wir als sehr raffinierte Menschen sehen nur das Schöne und Nützliche! Wir werden doch in der Kindeszeit darauf gewiesen, dass unser Leben nicht ewig währt! Das müssen wir akzeptieren! Früher war die Rede: "Des Menschen Alter währet siebzig was darüber ist geschenkt! Nun was die sog. Sterbehilfe anbelangt. habe ich meine Probleme. Das sollten wir schon der Natur überlassen. Irgendwie müssen wir mal sterben!!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Ich bin seit Jahren bei EXIT - eine wunderbare, seriöse Institution in CH! Ich will ein würdiges Sterben haben, das mit unserer Medizin zu oft nicht möglich sein kann. Dank EXIT kann ich für MICH ALLEINE entscheiden, falls eine unheilbare Krankheit eintreffen sollte und ich keine weiteren lebenserhaltenden Medis, Schläuche, Schmerzen mehr haben will. Es ist meine Entscheidung und das Gesetz, die Ärzte haben kein Recht, mir einen anständigen Tod zu verwehren. Ich bin 68 J. alt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      kein arzt verwehrt ihnen einen würdigen tod wenn sie zeitig eine patientenverfügung unterschreiben,jedem ist es überlassen wie er entscheidet was mich nur ungemein stört ist dass ein business aus dem tod gemacht wird,nur wer geld hat z.b.aus deutschland kann sich diese dienste leisten-----
      Ablehnen den Kommentar ablehnen