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Explosion in der Hosentasche So gefährlich sind Akkus

Legende: Video Explosion in der Hosentasche: So gefährlich sind Akkus abspielen. Laufzeit 7:28 Minuten.
Aus Kassensturz vom 23.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Lithium-Ionen-Akkus können bei einem Kurzschluss in Brand geraten. Sie stecken nicht nur in Handys oder Computern, sondern auch in elektrischen Zigaretten.
  • In Zürich ist einem E-Raucher der Akku in der Hosentasche explodiert. Schwere Verbrennungen waren die Folge. Ein zweiter, ähnlicher Fall ist bekannt.
  • Versuche im Empa-Sicherheitslabor zeigen, wie heftig eine solche Explosion sein kann.
  • Die Branche relativiert die Gefahr. Es handle sich um Einzelfälle. Allerdings wird empfohlen, Ersatzakkus immer in einer Schutzhülle zu transportieren.

Eine verkohlte Hose, Verbrennungen dritten und vierten Grades: Das sind die Folgen eines dramatischen Unfalls. «Der Akku meiner elektrischen Zigarette ist mir letzten Dezember in der Hosentasche explodiert», erzählt Mehdi Peihani aus Zürich. «Ich habe davon eine so starke Verbrennung davongetragen, dass ich fünf Tage im Spital verbringen musste. Bis heute bin ich schockiert.»

Verletzte Haut am Bein.
Legende: Die Verbrennungen am Oberschenkel sind erheblich. Eine Hauttransplantation war nötig. SRF

Das kam so: Seit zwei Jahren benutzt Mehdi Peihani eine elektrische Dampf-Zigarette. Der ehemalige Kettenraucher ist ein überzeugter Dampfer: Das Gerät habe ihm geholfen, vom Tabak wegzukommen. Nur: Der Akku, der halte nicht lange, sagt Mehdi Peihani. Deshalb trägt er immer einen Reserve-Akku in der Hosentasche, wenn er das Haus verlässt. So auch am 12. Dezember letzten Jahres: Als Mehdi Peihani nach Hause zurückkehrt, kommt es zum Schockerlebnis: Der Reserve-Akku explodiert ohne Vorwarnung, die schwere Brandverletzung machte eine Hauttransplantation notwendig. Die Wunde auf dem rechten Oberschenkel muss Mehdi Peihani täglich behandeln.

Zwei Unfälle in zwei Wochen

«Kassensturz» weiss: Nur zwei Wochen später erleidet eine zweite Person aus Zürich den gleichen Unfall. Auch ihr explodiert der Akku einer E-Zigarette in der Hosentasche, auch sie wird mit schweren Brandverletzungen ins Universitätsspital eingewiesen. Auch auf Youtube finden sich Dutzende, scheinbar ähnliche Fälle aus Frankreich, Deutschland und den USA.

Wie gefährlich sind solche Lithium-Ionen-Akkus? Marcel Held, Batterie-Experte bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt EMPA, erklärt «Kassensturz»: «Wird die Isolation des Akkus beschädigt, durch Münzen oder Schlüssel in der Hosentasche zum Beispiel, kann es zu einem gefährlichen Kurzschluss kommen.»

Feuerwerk im Labor

Im Sicherheitslabor der EMPA stellt Marcel Held für «Kassensturz» die Situation nach: Er entfernt die Isolationsfolie eines Lithium-Ionen-Akkus und stellt den Akku in ein Becherglas voller Schraubenmuttern. Hinter einer Schutzscheibe in einem Chemikalien-Abzug füllt Marcel Held anschliessend das Becherglas mit einigen Fünf-Rappen-Münzen auf. Es entsteht ein Kurzschluss, und nach knapp zehn Sekunden explodiert der Akku in einem 30 Zentimeter hohen Feuerwerk.

«Was wir gerade gesehen haben, ist ein sogenanntes thermisches Durchgehen der Zellen. Diese Akkus haben eine sehr hohe elektrische Energiedichte und sind darum auch sehr beliebt. Leider sind sie deshalb in der Regel aber auch die gefährlichsten», betont der EMPA-Forscher. Denn beim thermischen Durchgehen können Temperaturen bis zu 800 Grad entstehen.

Branche relativiert Gefahr

Hemag Nova heisst der grösste Schweizer Importeur von E-Zigaretten und den dazugehörigen Akkus. Geschäftsführer Stefan Meile bedauert die Zwischenfälle, relativiert aber die Gefahr: «Seit 2010 hat unsere Firma über 600'000 solcher Akkus verkauft, und wir wissen von bisher drei Vorfällen in der Schweiz.» Der Branchenvertreter weist zudem darauf hin, dass explodierende Batterien nicht ein Problem von E-Zigaretten, sondern ein allgemeines Batterie-Problem seien. «Wir empfehlen deshalb, Akkus nur gut geschützt, entweder im Gerät selbst, oder aber in einer Schutzfolie oder in Kunststoffboxen zu transportieren. Diese verhindern einen Kurzschluss.»

Zähne ausgeschlagen

Akkus können aber auch im Gerät selbst durchgehen. Für Schlagzeilen sorgte ein Fall aus den USA: Andrew Hall explodierte das Gerät ins Gesicht – er verlor dabei sieben Zähne und erlitt schwerere Brandverletzungen. Andrew Hall stellte seine Bilder ins Netz, um andere Konsumenten zu warnen.

«Beim krassen Fall aus den USA war es ein Zusammenspiel von Batterie und Dampfgerät», sagt Hemag Nova-Geschäftsleiter Stefan Meile dazu. Es gebe zwei verschiedene Gerätetypen von E-Zigaretten: Zum einen elektronisch gesicherte Geräte, die ein Explodieren das Akkus verhindern würden. Und zum anderen sogenannte mechanische Geräte, die keinerlei Sicherheitsfunktionen besässen. «Im Fall aus den USA war ein mechanisches Gerät im Einsatz, das nur Experten benutzen sollten. Herr Hall hat zudem daran herumgebastelt», hält Stefan Meile fest.

Legende: Video Studiogespräch mit Marcel Held von der Empa abspielen. Laufzeit 6:28 Minuten.
Aus Kassensturz vom 23.01.2018.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Herrmann (Samuel Herrmann)
    Der Test wurde mit No Name Batterien durchgeführt, und es fehlt die Angabe ob es sich um geschützte oder ungeschützte Batterien handelt. Ich bezweifle dass so etwas z.B. bei einer Panasonic oder LG Batterie passiert. Diese kosten halt 5x mehr und kürzen die Händlermarge im Gegensatz zu billigen China-Importen. Schade wurde hier nur oberflächlich recherchiert. Es geht meiner Meinung nach eher um Marge vs Sicherheit. Macht euren Test doch mal mit einer Panasonic ncr18650b
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  • Kommentar von Roman Sidler (R0man)
    Ein mühseliger Dauerbrenner... Insofern tragisch, da die Thematik mit den Li-Ion Akkus ausschliesslich mit der E-Zigarette in Verbindung gebracht wird. Mir wurde schon als Kind beigebracht Batterien niemals zusammen mit anderen metallischen Gegenständen zu transportieren. Glücklicherweise "gasen" Li-Ion Akkus nur aus, was noch schlimmere Verletzungen (z.B. wie durch LiPo Akkus) verhindert. Nebst konsequenterer Aufklärung beim Erwerb ist hier auch Eigenverantwortung (!) erforderlich...
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    1. Antwort von Thomas Käppeli (thkaepp)
      Mit überhitzten LiPo (lithium-polymer) Akkus machte ja schon Bertrand Piccard mit seinem Solar Impulse 2 auf der Weltumrundung einschlägige Erfahrungen. Während herkömmliche Li-Ion Akkus in eine Stahlhülse eingebettet sind ist dies bei LiPo eben Kunststoff. Ist zwar leichter aber bezüglich thermischer Leitfähigkeit problematischer. Übrigens ein Lagerfeuer entfachte ich schon als Kind mit einer 4.5V Kohle-Zink Taschenlampenbatterie und etwas Putz-Stahlwolle ;-)
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Der Umgang mit Batterien/Akkus ist meist recht blauäugig. Wer sich der physikalisch/elektrischen Eigenschaften dieser elektrochemischen Energiespeicher bewusst ist, nimmt deren Handhabung ernster. Das Kernproblem dieser Elemente, stellt ihr sehr tiefer innere elektrische Widerstand dar. Im Kurzschlussfall fliesst ein hoher Strom mit einhergehender Wärmeentwicklung. Aber die tiefen und harmlosen Batteriespannungen täuschen leider über die hohe gespeicherte Energie (Joules) hinweg.
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