F/A-18-Absturz: Untersuchung dauert Monate

Beim Absturz eines F/A-18-Kampfflugzeugs in Alpnachstad im Kanton Obwalden sind höchstwahrscheinlich beide Personen an Bord ums Leben gekommen. Die Militärjustiz eröffnete eine Untersuchung

Der Unfall ereignete sich am frühen Mittwochnachmittag bei Alpnachstad (OW). Zwei Kampfjets waren in Meiringen/BE zu einem Trainingsflug gestartet. An Bord der Unglücksmaschine befanden sich der Pilot und ein Passagier, wie der Kommandant der Luftwaffe, Aldo C. Schellenberg, sagte.

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Armeechef André Blattmann

0:44 min, vom 23.10.2013

Zu den beiden Insassen liegen keine gesicherten Informationen vor, aber man müsse mit dem Schlimmsten rechnen, sagte Armeechef André Blattmann. Beim verunglückten Kampfjet handelt es sich um eine F/A-18D-Hornet (Doppelsitzer) des US-Herstellers McDonnell Douglas.

In Felswand gekracht

Der unbewaffnete Jet flog offenbar in die Flanke des Lopper und ist dort zerschellt. Um 13.56 Uhr sei die erste Meldung über den Absturz bei der Luftwaffe eingegangen, sagte Schellenberg.

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Erste Erkenntnisse zum Flugunfall

2:57 min, vom 23.10.2013

Den Aussagen zufolge leiteten leiteten die beiden unbewaffneten Mehrkampfjets bei Alpnach eine Umkehrkurve ein. Der Einsitzer brach das Manöver ab, stieg steil nach oben und konnte unversehrt zum
Ausgangsort Meiringen zurückkehren. Der Doppelsitzer stürzte ab.

Weshalb sich die beiden Piloten verschieden verhielten, ist unklar. Aufschluss erhofft sich die Untersuchungsbehörde von den Flugdaten. Die Black Box wurde bislang aber noch nicht gefunden. Zu den Sichtbedingungen am Unfallort machte Schellenberg keine Angaben. Die Wetterprognosen hätten die Mission aber ermöglicht, sagte er.

Die Absturzstelle liegt wenig oberhalb des Alpnachersees (südwestlicher Teil des Vierwaldstättersees) ganz knapp noch auf Obwaldner Kantonsgebiet.

Polizei, Feuerwehr und Ambulanz waren mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch ein Superpuma der Luftwaffe war im Einsatz. Die Zentralbahn-Strecke zwischen Hergiswil und Alpnach-Dorf bleibe bis Betriebsschluss unterbrochen, wie die Zentralbahn meldet.

Die Bergungsarbeiten dauerten auch noch am Abend an. Die Rettungskräfte suchten fieberhaft nach Spuren der beiden vermissten Insassen und nach dem Flugdatenschreiber. Wann die Suche eingestellt werde, wollten die Rettungskräfte situativ entscheiden.

Untersuchung eingeleitet

Die Militärjustiz eröffnete eine Untersuchung. Die Experten würden vom Forensischen Institut der Kantonspolizei Zürich unterstützt, sagte Tobias Kühne. Allerdings könne es Wochen oder gar Monate dauern, bis der Unfall aufgeklärt sei. Erste Ergebnisse werden für Donnerstag erwartet, sagte der Sprecher der Militärjustiz.

Die Armeeführung hat bereits erste Konsequenzen getroffen: Sämtliche Kampfjets der Luftwaffe bleiben vorerst am Boden.

Erster F/A-Absturz 1998 und die Folgen

Der Absturz in Alpnachstad ist der zweite eines F/A-18 Jets. Der erste ereignete sich 1998 im Wallis. Beim Crash in Crans-Sur-Sierre kamen zwei Personen ums Leben. Der Untersuchungsbericht nannte eine räumliche Desorientierung des Piloten als Unfallursache. Das damalige Flugmanöver ist seither aus dem Trainingsprogramm gestrichen.

Seither werde vorsichtiger geflogen, sagte Res Schmid in der Sendung «10vor10». Der Nidwaldner Regierungsrat weiss, wovon er spricht. Er war F/A-18-Testpilot bei Armasuisse. Seit dem Absturz im Wallis wurde die Technik stark weiterentwickelt. Zudem sind die Flotte und Flugstunden stark reduziert worden. Kritiker sagen sogar zu stark.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schwarzer Tag für die Luftwaffe

    Aus 10vor10 vom 23.10.2013

    Nach dem Absturz eines F/A18-Kampfflugzeugs fehlt von den beiden Piloten jede Spur. Die Armee hat nur wenig Hoffnung, dass die beiden Piloten überlebt haben.