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Fachleute zu Corona-Bekämpfung Taskforce des Bundes hält nichts von Durchseuchung

  • Die «Covid-19 Task Force des Bundes» ist gegen eine Durchseuchung der Schweizer Bevölkerung mit dem Coronavirus.
  • Die Fachleute warnen in einem Bericht vor den gesundheitlichen Folgen einer Durchseuchung.
  • Es bestünde die Gefahr eines dramatischen Anstiegs der Todesfälle, heisst es – für den Fall, dass die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werden könnte.
  • Die Experten empfehlen, den derzeitigen Ansatz weiterzuverfolgen, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist.
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Aus dem Archiv: Differenzierte Durchseuchung als Plan B?
Aus 10vor10 vom 03.08.2020.
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Bei einer Durchseuchung wird versucht, eine Herdenimmunität zu erreichen. Diese Herangehensweise beruht dem Bericht der Taskforce zufolge jedoch auf «unsicheren Grundlagen und würde Wirtschaft und Gesellschaft sowie dem Gesundheitswesen massive Kosten verursachen».

Im «Policy Brief» warnen die Experten vor den gesundheitlichen Folgen. Für eine Herdenimmunität müssten zwei Drittel der Bevölkerung infiziert sein. Dies würde den Schutz der Risikogruppen extrem schwierig gestalten. Denn so würde sich das Virus verbreiten, bevor bei den infizierten Personen Symptome auftreten würden.

Und: «Die Zahl der Todesfälle würde dramatisch ansteigen, falls die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werden könnte.» Das Gesundheitssystem würde kollabieren.

Warum eine Impfung besser als unkontrolliertes «Durchseuchen» ist

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Ein grosser Vorteil einer Impfung ist, dass sie im Unterschied zu einer «Durchseuchung» gezielt durchgeführt werden kann. Eine Impfung kann Personen schützen, die aufgrund ihres Alter oder ihrer gesundheitlichen Verfassung ein erhöhtes Risiko dafür haben, schwer an COVID-19 zu erkranken oder zu sterben. Mit Hilfe eines sicheren und möglichst wirksamen Impfstoffs kann eine Herdenimmunität erreicht werden – und zwar in einem kontrollierten Tempo, so dass keine Überlastung des Gesundheitssystems droht – und ohne dass viele Menschen schwer erkranken oder gar sterben.

Dazu kommt ein weiterer Vorteil einer Impfung: Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen oft mit milden oder gar keinen Symptomen. Die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass solche milden oder asymptotischen Verläufen nur eine schwache Immunreaktion hervorrufen könnten – und dass die nachfolgende Immunität auch schneller wieder verschwinden könnte. Bei einer Impfung kann durch die Dosierung des Impfstoffs eine robustere Immunreaktion ausgelöst werden, die – so die Hoffnung – auch eine länger andauernde Immunität nach sich zieht.

Um das zu verhindern, dürfen gemäss der Taskforce nicht mehr als tausend Patienten gleichzeitig auf der Intensivstation behandelt werden. So würde es mindestens ein Jahr dauern, um lediglich die Hälfte der Bevölkerung zu infizieren.

Weiter wie bisher – bis Impfstoff da ist

Mit dem gegenwärtigen Ansatz, die Zahl der Ansteckungen möglichst tief zu halten, würde die Wirtschaft weniger hart getroffen. Diesen Ansatz gelte es weiterzuverfolgen, «bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes».

Die Strategie der Durchseuchung analysiert haben unter anderen Taskforce-Chef Martin Ackermann, Epidemiologe Marcel Tanner und ETH-Professor Sebastian Bonhoeffer.

Auch Gesundheitsminister Alain Berset hat jüngst erklärt, von einer differenzierten Durchseuchung, wie sie von einzelnen Virologen vorgeschlagen wird, halte er nichts. Wer glaube, man müsse nur die Verletzlichen schützen und könne ansonsten dem Virus freien Lauf lassen, begebe sich auf einen gefährlichen Weg.

SRF 4 News, 16.09.2020; 09:30 Uhr;

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148 Kommentare

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  • Kommentar von Max Baumann  (Ueberwacher)
    Was heisst Fachleute / Experten. Es ist immer das gleiche. Holen sie 10 Meinungen von Fachleute / Experten ein und sie haben wie immer mindestens 7 Varianten. Einer wiederspricht dem Anderen.
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  • Kommentar von Markus Kotthaus  (Alcheringa)
    Auf einen baldigen Impfstoff zu setzen ist fatal. Ein zuverlässiger UND sicherer Impfstoff kann Jahre dauern. Übrigens ist ein Impfstoff niemals gegen ein aktuellen Virus, da dieses ständig mutiert läuft man dem immer hinterher. Allenfalls hat man eine Kreuzimmunität.
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  • Kommentar von Thomas Tanneler  (ipool)
    Es ist so gerade in Mode, dass Impfskeptiker, basierend auf Verschwörungstheorien, die Impfung schon im Vorfeld per se verteufeln. Dass Durchseuchung nicht die Lösung ist, ist jedem halbwegs sachlich informierten logisch. Wenn dann aber die Impfungen nicht breit durchgeführt werden, werden wir noch ewig auf Normalität hoffen dürfen, weil sie nicht mehr kommen wird. Dank den Impfgegnern. Wartet doch mal ab was kommt und entscheidet dann, wie wirksam/ungesund der Impfstoff sein wird.
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Die Warner vor der Impfung sind ja eben Teil des hier besprochenen strategischen Problems. Sehr viele werden zunehmend die Angst vor Covid verlieren (ausser über den Winter kommt es zur Katastrophe, halte ich mit Blick nach Schweden und auf die Zahlen für eher unwahrscheinlich), aber aus Angst vor Impfschäden sich nicht impfen lassen wollen. Die Weisung ,fahren wir auf Sicht' wird niemanden beruhigen (so vertraut sie klingt).
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    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Möchte nicht falsch verstanden werden, dass ich die Angst vor Impfschäden und sonstige Bedenken als Problem bezeichne (wüsste selbst noch nicht, ob ich mich gegen Covid impfen lasse - mit einem RNA-Stoff eher nicht). Ist einfach eine Tatsache, mit der man konfrontiert sein wird.
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