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Schweiz Fahrtest erst ab 75 – Pro und Contra

Rund 800‘000 Senioren müssen sich ab dem 70. Altersjahr einem Fahrtauglichkeitstest unterziehen. Diese Alterslimite soll jetzt auf 75 Jahre heraufgesetzt werden. Macht das Sinn? Im «Kassensturz»-Studio kreuzten Gegner und Befürworter die Klingen. Hier die wichtigsten Argumente zusammengefasst.

Legende: Video Studiogespräch mit Maximilian Reimann, Nationalrat SVP/AG und Rolf Seeger, Verkehrsmediziner abspielen. Laufzeit 09:23 Minuten.
Aus Kassensturz vom 07.06.2016.
Säulendiagramm mit Unfallverursacher nach Alter.
Legende: Mit +80 nehmen die Unfälle stark zu. SRF

1,5 Mio Menschen in der Schweiz sind über 65 Jahre alt. Viele davon sind mobil und mit dem Auto unterwegs. Mit dem Alter sinkt die Leistungsfähigkeit, deshalb müssen Autofahrer ab 70 alle zwei Jahre zum Arzt. Er kontrolliert den allgemeinen Gesundheitszustand und beispielsweise die Sehkraft.

Aktuell wird im Parlament diskutiert, die Altersgrenze für diese Ärzte-Checks auf 75 zu verschieben. Der Nationalrat hat diesem Vorschlag bereits zugestimmt, am Mittwoch, 8. Juni, entscheidet der Ständerat darüber.

Skeptische Beratungsstelle für Unfallverhütung und Pro Senectute

Was die Kontrollen der Fahreignung im Hinblick auf die Unfallprävention genau bringen, weiss nicht einmal die Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU. Direktorin Brigitte Buhmann erhofft sich von einer Studie konkrete Antworten. Gegenüber der Erhöhung der Altersgrenze von 70 auf 75 zeigt sich Brigitte Buhmann in der Sendung «Kassensturz» skeptisch und verweist auf die positiven Effekte, welche ein Termin beim Arzt haben kann: «Der Arzt kann den Senioren helfen, länger Autofahren zu können. Eventuell genügt ja bereits eine Brille oder ein Hörgerät um die Mobilität möglichst lange zu erhalten.»

Auch die Pro Senectute sieht bei der aktuellen Alterslimite keinen Handlungsbedarf. Ältere Menschen seien heute zwar länger fit. Die Zunahme des Verkehrsaufkommens relativiere jedoch diesen Umstand zunehmend. Pro Senectute erachtet den Gesundheitscheck als Chance für die Sensibilisierung und Prävention. «Er bietet die Möglichkeit, ältere Menschen auf freiwillige Angebote wie Fahrtrainings hinzuweisen», erklärt die Pro-Senectute-Sprecherin Judith Bucher auf Anfrage von «Kassensturz.»

Fahrtauglichkeitstests erst ab 75: Macht das Sinn oder nicht?

Im «Kassensturz»-Studio diskutierten Gegner und Befürworter:

  • Pro: Maximilian Reimann, SVP-Nationalrat und Verfasser des parlamentarischen Vorstosses.
  • Contra: Rolf Seeger, Verkehrsmediziner am Institut für Rechtsmedizin Zürich

Die Argumente

Pro:

  • Die Regelung mit der Alterslimite 70 wurde in den 1970er-Jahren aufgestellt. Die Senioren sind heute um einiges gesünder als damals. Es ist Zeit für eine Änderung.
  • In verschiedenen Nachbarländern (Deutschland, Frankreich, Österreich) kennt man solche Medizinal-Checks für ältere Lenker überhaupt nicht.
  • Ausländische Senioren-Lenker, die auf Schweizer Strassen fahren, dürfen dies auch ohne Kontrolle. Warum also nicht auch die Schweizer? In der Schweiz werden diese Altersgruppen diskriminiert.
  • Die Selbstverantwortung ist auch im höheren Alter noch vorhanden. Nicht zuletzt leben die älteren Lenker auch in einem Umfeld (Familie, Ärzte etc.). Auch diese Personen können dem Lenker Hinweise geben, wenn sie ein schlechtes Gefühl haben, was das Autofahren betrifft.

Contra:

  • Genau im Alter von 70 Jahren verzeichnen wir fünf Mal mehr Führerausweis-Entzüge oder -Abgaben als in den Folgejahren.
  • Es gibt auch bei den 70- bis 75-Jährigen Personen, die nicht mehr fähig sind, das Auto durch den Verkehr zu lenken. Zum Beispiel wenn Sie an einer beginnenden Demenz leiden oder die Sehschärfe nachlässt. Deshalb ist auch hier eine Kontrolle wichtig.
  • Eine wichtige Rolle bei diesen Arztbesuchen spielt auch die Sensibilisierung. Muss ein ü70-Lenker das erste Mal zum Arzt, macht er sich seine Gedanken und legt sich einen Plan B bereit.
  • Bei gewissen Erkrankungen können die Fahrer keine Selbstverantwortung mehr übernehmen. Es ist daher wichtig, dass sie regelmässig kontrolliert werden.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Danke für viele einsichtige Senioren,welche erkennen,dass sie sich für den Strassenverkehr fit machen müssen & verantwortungsvoll sind.Leider ist aber die Mehrzahl der alten Menschen stur,uneinsichtig & unbelehrbar.Studien zeigen deutlich auf,dass >65 jährige in den letzten Jahren markant mehr Unfälle verursacht haben.Sie glauben,indem sie durch die Welt schleichen& sich brüsten unfallfrei zu sein,gute Autofahrer zu sein.Täglich erlebe ich,welche Gefahr von solchen überforderten Senioren ausgeht
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      N. Bächler Unfallfrei fahren ist nicht sich zu brüsten,sondern es hat mit Vorsicht und Aufmerksamkeit während des Autofahrens zu tun.Junge Menschen sehe ich oft mit Handys am Steuer oder gestresst weil sie keine Geduld mehr haben und so auch überfordert sind.Ob Alt,ob Jung ich finde Ihr Kommentar wie immer sehr provokativ. Vielleicht gehört dies zu Ihrem Job weiss nicht, um Menschen heraus zu fordern. Z.B. bevor Arzt Besuch, wäre einen Autofahrtest durch TCS oder Fahrlehrer eher wirksamer.
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  • Kommentar von Urs Müller (Confoederatio)
    Die Überprüfung der Fahrtauglichkeit sollte bereits ab 60 erfolgen. Die Überforderung im Strassenverkehr durch die Einschränkung der persönlichen Fähigkeiten mit der sturrköpfigen Nichteinsichtigkeit ebendieser nimmt immer mehr zu.
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      U.M Starrköpfigkeit gibt es die nur bei älteren Menschen?Denke Uneinsichtigkeit kennt keine Altersgrenze.Mir ist schon oft ein Auto sehr nahe hinter mir her gefahren,dies waren nicht nur Alte,auch wenn ich die Geschwindigkeit eingehalten habe.Bin viel mit dem Auto unterwegs, denke da macht die Routine beim Autofahren sicher auch etwas aus.Glück haben sicher schon viele beim Autofahren gehabt. Gesundheitszustand ist sicher erste Priorität,ob dies aber nur Altersabhängig ist? z.B. Sekundenschlaf.
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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Jetzt kommt die Geburtenstarke Generation,die in den 70 ger Jahren Autofahren konnten,weil es damals für viele auch ein Statussymbol oder einfach eine freiere Beweglichkeit und Unabhängigkeit gab,vor allem auf dem Lande.Postautoverkehr wie heute gab es nicht im halbstunden tackt.Bin selber Diabetikerin und 68 J. fahre seit 49 Jahren Auto,Gottseidank unfallfrei. Zudem gehe ich alle 3 Mt. in die Kontrolle zum Arzt,da meine ich Altersgrenze sollte flexibel sein, je nach Verfassung einer Person.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Na, dann wird die Zeit nicht allzufern sein, wo sie im "tackt" fahren werden,-)
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    2. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      A.Planta danke für Ihre taktvolle Korrektor(smail), nun meine Korrektur "Halbstündlich" sind Sie nun so auch zufrieden? Aber Hauptsache ist doch, dass die Gesundheit noch im "Takt" ist. Dies ist schon über 40 Jahren so, durch das Wahrnehmen der Eigenverantwortung Gottseidank. Schöner Abend Grüessli M. Artho.
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