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Schweiz Fall «Carlos»: «Man hat völlig das Augenmass verloren»

Die Kosten im Fall des jugendlichen Straftäters «Carlos» sorgen für Unverständnis – auch beim Präsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren. Nun soll abgeklärt werden, ob es noch weitere solche Fälle gibt.

Legende: Video Fall «Carlos» hat nationale Folgen abspielen. Laufzeit 2:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.09.2013.

Betreutes Wohnen, Taschengeld und Thaibox-Training verursachten monatliche Kosten von 29'200 Franken, bezahlt von Steuergeldern. Die Auswüchse der Massnahmen im Falle des jugendlichen Straftäters «Carlos» sorgen für Kopfschütteln. Der Zürcher Justizdirektor Martin Graf hat unlängst die Kosten-Notbremse gezogen. Solche Luxusbehandlungen sollen in Zukunft nicht mehr vorkommen.

«Wir sind alle sehr betroffen»

Dafür setzen sich nun auch der Berner Regierungsrat und Präsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren KKJPD, Hans-Jürg Käser, ein. «Ich habe die Absicht, dem Vorstand der KKJPD den Vorschlag zu machen, dass alle Fälle in den einzelnen Kantonen geprüft werden und man sich einen Überblick verschafft», erklärte Käser gegenüber SRF. Er gehe aber davon aus, dass es sich bei «Carlos» um einen Einzelfall handelt. Trotzdem: «Wir sind alle sehr betroffen, dass es einen solchen Fall gibt.»

Ein strukturelles Problem im Jugendstrafrecht sieht Käser aber nicht. Dass man bei jugendlichen Straftätern zweigleisig fahre, also eine Strafe mit Resozialisierungs-Massnahmen verbinde, «finde ich vom Grundsatz her richtig.» Im Fall Carlos sei die Strafe aber definitiv zu kurz gekommen.

Zu stark auf einen Fall fokussiert

Betreffend der Aufsicht in den Kantonen sieht Käser keinen Handlungsbedarf. Diese funktioniere an sich gut. Man müsse aber vermehrt bei Einzelfällen hinschauen, gerade wenn es sich um Sondersettings handle.

Die Ursache für die Kostenexplosion im Fall «Carlos» sieht Käser in der «Sozialindustrie die am Werk ist» und das Bestreben habe, alles Mögliche zu tun, dass diese Person wieder auf den rechten Weg kommt. Und da habe man «völlig das Augenmass verloren.» In Zukunft müsse, so Käser, die Jugendanwaltschaft vermehrt schauen, dass Leitlinien gelegt werden, die solche Auswüchse verhindern.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von M. Steiner, ZH
    Es geschehen noch Zeichen und Wunder: der Präsi der KKJPD nimmt himself das Wort "Sozialindustrie" in den Mund und bestätigt das, was alle schon längst vermuteten. Ein durch und durch kommerzialisiertes linkes Netzwerk unter dem Deckel des Sozialstaates und auf massive Kosten des Steuerzahlers. Hier muss ausgemistet werden. Sozialstaat ja, Solidaritätsprinzip ja, übern Tisch ziehen lassen nein.
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  • Kommentar von Müller A.K., 8750 Glarus
    Ich finde die Behandlung von Carlos eine echte Sauerei, es ist ja direkt eine Einladung zum kriminell werden. Dafür wird dann bei den Ergänzungsleistungsbezüger massiv gespart, Bsp. werden die Mietzinse viele Jahre nicht mehr angepasst, die IPV wird auch immer weniger, uns wurde mal gesagt, dass EL-Bezüger die ganze Grundversicherung verbilligt erhalten. Aktuell muss ich im Jahr 2013 Fr. 50.-- pro Monat selber bezahlen. Ich bin überzeugt, dass sich viele EL-Bezüger mit mir ärgern.
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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Als Krimineller hat man in der Schweiz offenbar nur Vorteile. In anderen Laender wuerde dieser schon lange unter der Erde liegen, oder in einem Loch von Gefaenglis sein. Doch wenn man diesen Fall Carlos verfolgt, ist es ein Wunder, dass man sein weg nicht noch mit Jungfauen die Rosen blaetter vor ihm hinwerfen organisiert hatte. Das schlimme ist, es wurde mit UNSEREN Steuergeldern Bezahlt. Eine Sauerei ohne Gleichen. So was kann nicht sein, einfach NEIN!
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