Fall Luca: Lässt sich die Staatsanwaltschaft beeinflussen?

Im Kanton Wallis stehen anfangs März Gesamterneuerungswahlen an. Erst danach will der Generalstaatsanwalt neue Erkenntnisse zum Fall Luca veröffentlichen. Die Familie des behinderten Jungen, aber auch Politiker von links bis rechts sind empört.

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Verzögerung im Fall Luca

4:18 min, aus Schweiz aktuell vom 30.1.2013

Der Generalstaatsanwalt begründet gegenüber «Schweiz aktuell» die Verzögerung damit, dass er noch auf Untersuchungsergebnisse warte. Er bestätigt aber in einem Mail schriftlich, dass «(…) die Öffentlichkeit wahrscheinlich nicht vor dem 3. März informiert werden kann.»

«Wir wollen keine Politik machen»

«Ich begreife nicht, wie der Fall meines Sohnes die Walliser Wähler beeinflussen könnte», erklärt Lucas Vater Nicolas Mongelli. «Das finde ich wirklich sehr merkwürdig.» Seine Familie warte schon seit Monaten auf neue Informationen seitens der Staatsanwaltschaft. «Und jetzt müssen wir noch länger warten.»

Er sei unpolitisch, so Mongelli weiter. Und wolle auch mit dem Fall seines Sohnes keine Politik machen. «Mir geht es einfach darum, die Wahrheit zu erfahren.»

Politiker sind empört

Auch Politiker – von links bis rechts – haben kein Verständnis für die Pläne der Staatsanwaltschaft: «Sollte sie die Pressekonferenz tatsächlich wegen den Wahlen verschoben haben, dann ist das ein ausgemachter Skandal», empört sich Germann Eyer. Er ist Fraktionschef der linken Allianz im Grossrat. Die Gewaltentrennung müsse akzeptiert werden.

Das Opfer: Luca Mongelli, hier bei einer Medienkonferenz der Walliser Behörden im Januar.

Bildlegende: Das Opfer: Luca Mongelli, hier bei einer Medienkonferenz der Walliser Behörden im Januar. Keystone

Ähnlich äussert sich Jean Luc Addor, Fraktionschef der SVP Unterwallis: «Die Verzögerung der Staatsanwaltschaft ist kontraproduktiv. Denn gerade damit macht sie den Fall Luca zum Wahlkampfthema.» Damit sei einmal mehr erwiesen, dass die Justiz ihre Arbeit in diesem Fall nicht richtig mache.

Michel Rothen, Parteipräsident der CVP Unterwallis, nimmt die Staatsanwaltschaft in Schutz. Es sei sinnvoll, mit weiteren Informationen zu warten. «Dadurch kann verhindert werden, dass der Fall Luca zu einem Thema werden könnte im Wahlkampf.»

Italienische Experten involviert

Luca Mongelli war vor fast elf Jahren in Veysonnaz (VS) im Wald aufgefunden worden: schwer verletzt, bewusstlos, unterkühlt und halb nackt. Seither ist der Junge blind und Tetraplegiker.

Die Walliser Behörden kamen damals zum Schluss: Der junge Schäferhund der Familie hatte den Jungen so zugerichtet. Eine Tatsache, welche die Familie so nie glauben wollte. Der Fall löste auch in Italien, wo Luca mit seiner Mutter nun wohnt, ein grosses Medienecho aus. Deshalb untersuchten auch italienische Experten den Fall.

An einer Pressekonferen vor drei Wochen äusserten die Experten Zweifel an den Untersuchungsergebnissen der Walliser Staatsanwaltschaft. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ein Hund Luca so übel zugerichtet habe.

Die Walliser Behörden wollten sich dazu nicht äussern. Sie versprachen jedoch, weitere Informationen zu präsentieren.