Fall Luca soll neu untersucht werden

Die Akte von Luca Mongelli soll neu aufgeschlagen werden. Dies fordert der Walliser SVP-Staatsrat Oskar Freysinger. Luca wurde als 7jähriger schwer verletzt im Schnee gefunden und ist seither schwer behindert. Die Behörden befanden, ein Hund habe Luca so zugerichtet. Dies bestreitet die Familie.

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SVP-Staatsrat Oskar Freysinger fordert Neubeurteilung

5:29 min, aus Schweiz aktuell vom 18.4.2013

Luca Mongelli liegt am 7. Februar 2002 schwerverletzt und halbnackt im Schnee von Veysonnaz. Rasch ist den Walliser Ermittlungsbehörden klar, der Schäferhund der Familie hat dem damals 7jährigen Knaben die Verletzungen zugefügt.

Luca Mongelli wacht mehr als drei Monate nach dem Vorfall aus dem Komma auf, ist blind und querschnittgelähmt. Seither hat der heute 18jährige Luca Mongelli immer wieder ausgesagt, dass ihn vier Jugendliche in den Schnee gedrückt haben und mit Holzästen geschlagen haben. Die Opferseite ist seither der Überzeugung die Walliser Ermittler seien dieser Spur nicht genügend nachgegangen.

Italienische Gutachter: «Hund war nicht Aggressor»

Zu diesem Schluss kommt auch ein Gutachten einer italienischen Expertengruppe, welche vom italienischen Parlament eingesetzt wurde. Unter der Leitung des Kriminologen Luciano Garofano hat die Expertengruppe anfangs Jahr ihre Ergebnisse an einer Pressekonferenz in Sion dargelegt.

Das Fazit der italienischen Experten: «Der Schäferhund der Familie Mongelli kann nicht der alleinige Verursacher der Verletzungen von Luca sein. Der Junge muss von einem oder mehreren menschlichen Aggressoren verletzt worden sein.»

Privatdetektiv: «Ermittler haben fatale Fehler gemacht»

Fred Reichenbach ist als Privatdetektiv von der Familie des Opfers im Frühjahr 2002 eingesetzt worden. Für ihn ist aufgrund seiner privaten Ermittlungen klar: «Hier wurden gleich zu Beginn der Untersuchung menschliche Fehler gemacht, indem die Spurensuche vor Ort nicht systematisch durchgeführt wurde. Und diese Fehler haben die ganze Untersuchung bis heute beeinflusst.»

Gegenüber «Schweiz aktuell» geht der ehemalige Genfer Polizist mit der Walliser Staatsanwaltschaft hart ins Gericht: «Der Staatsanwalt soll endlich seine Ermittlungsarbeit machen. Es gibt in diesem Fall enorm wichtige Personen, die bis heute nie befragt wurden und der Staatsanwalt weiss von dieser Tatsache seit 11 Jahren und macht nichts.»

Beweismittel entsorgt?

Besonders stossend ist für den Privatdetektiv, dass in der Notfallstation vom Spital Wallis in Sion angeblich wichtige grünliche Rückstände im Analbereich von Luca entsorgt worden seien, ohne diese für eine Untersuchung zu analysieren.

Privatdetektiv Fred Reichenbach erklärt gegenüber «Schweiz aktuell»: «Ein Kinderkörper mit einer verdächtigen, grünlichen Substanz am Anus verlangt doch zwingend nach Beweisfotos und einer Überprüfung dieses Materials. Doch man hat nichts davon gemacht, kein einziges Foto.» 

Reichenbach hat das Vertrauen in die Walliser Behörden verloren und fordert nun, dass der Fall Luca von einem unabhängigen, ausserkantonalen Staatsanwalt nochmals untersucht wird.

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SRF-Korrespondentin über den Fall

0:59 min, aus Schweiz aktuell vom 18.4.2013

Oskar Freysinger fordert neue Untersuchung

Der neu gewählte Walliser SVP-Staatsrat Oskar Freysinger hat bereits im Wahlkampf die Wahrheitsfindung im Fall Luca auf seine Fahne geschrieben. Jetzt will er seinem Versprechen Nachdruck verleihen.

 Freysinger verlangt: «Aufgrund aller Unsicherheiten die hier bestehen, muss der ganze Fall neu aufgerollt werden, von A-Z. Nehmen wir nochmals alles unter die Lupe. Gewisse Leute sollten verhört werden, die vergessen gingen und gewisse Elemente sollten ebenfalls noch einmal in Betracht gezogen werden.»  So könne man zumindest sagen, man habe alles Mögliche getan, wie er gegenüber «Schweiz aktuell» weiter ausführt.

Staatsanwaltschaft schweigt

Der zuständige Staatsanwalt Nicolas Dubuis, sowie die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Wallis wollen sich zum Fall Luca Mongelli und entsprechenden Fragen von »Schweiz aktuell« nicht äussern. Sie verweisen auf das laufende Verfahren.

Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft zeigt aber weitere Erkenntnisse auf. Die Experten kommen zum Schluss, dass eine Zeichnung des jüngeren Bruders von Luca Mongelli nicht als Beweismittel zu verwenden ist.

Zusätzlich warfen die Experten einen kritischen Blick auf die Verhältnisse der Familie Mongelli. Wallis-Korrespondentin Ruth Seeholzer über das Resultat: «Die Familienverhältnisse waren laut Gutachten nicht die besten. Es wird sogar fast von Vernachlässigung gesprochen. Die Kinder seien teils mit alten Kleidern und schmutzig in die Schule gekommen.»

Die Familie von Luca Mongelli kritisiert das Gutachten. Die Experten hätten weder mit dem kleinen Bruder von Luca noch mit seiner Mutter gesprochen.