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Schweiz Fall Mörgeli: Keine externen Gutachten zu Dissertationen

Christoph Mörgeli hat als Professor an der Uni Zürich Dissertationen akzeptiert, die vor allem aus transkribiertem Text bestehen. Das berichtete die «Rundschau». «An der Uni Bern würde das nicht reichen», sagt Professor Hubert Steinke von der Uni Bern.

Legende: Video «In Bern würden solche Arbeiten nicht akzeptiert» abspielen. Laufzeit 03:57 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.03.2013.

Vor drei Monaten wurde SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli als Konservator des medizinhistorischen Instituts entlassen. Nun wurden neue Vorwürfe laut.

Christoph Mörgeli und auch der frühere Direktor des medizinhistorischen Instituts Beat Rüttimann hätten rund ein Dutzend Doktorarbeiten akzeptiert, die praktisch nur aus abgeschriebenen Texten bestünden. Dies berichtete am Mittwoch die «Rundschau».

Mörgeli konterte die Vorwürfe in der Sendung: Die Dissertationen seien ein wissenschaftlicher Umgang mit den reichen Beständen von Handschriften des Medizinhistorischen Institutes. «Es ist wichtig, dass sie der Nachwelt übergeben werden können.»

Standards müssen eingehalten werden

Doch es stellt sich die Frage: Was braucht es für den Doktortitel? Reicht die Übersetzung und Kommentierung eines alten Textes, damit sich jemand Doktor nennen darf.

Nach dem Standard der Medizinischen Fakultät der Uni Bern würde das nicht reichen, sagt dazu Hubert Steinke, Professor für Medizingeschichte. Es gebe ein Promotionsreglement. Dieses verlange dass es eine Form von kritischer wissenschaftlicher Analyse in einer Arbeit brauche, damit sie als Dissertation anerkannt werde. So ein Reglement gibt es auch in Zürich: die «Promotionsordnung zur Doktorin oder zum Doktor der Medizin an der Medizinischen Fakultät Zürich». Allerdings wird die Anforderung da etwas weniger konkret beschrieben als in Bern.

Die Dissertation ist eine Abhandlung, aus der die Befähigung erkennbar wird, ein wissenschaftliches Problem zu erfassen, selbstständig zu bearbeiten und unter Berücksichtigung des vorhandenen Schrifttums verständlich darzustellen.
Autor: PromotionsordnungMedizinische Fakultät Uni Zürich

Die Anforderungen und der zeitliche Aufwand für eine Dissertation der Medizin seien zwar geringer als etwa bei Historikern, sagt der Berner Professor Steinke. «Aber das schliesst nicht aus, dass die grundlegenden wissenschaftlichen Standards eingehalten werden müssen.»

Das Übersetzen von komplizierten Texten gehöre zum Handwerk. «Das ist eine Grundvoraussetzung.» Steinke betont, dass er die fraglichen Dissertationen nicht gesehen habe. «Sollte dort eine solche fundierte Analyse fehlen, wäre das für mich eine gewisse Überraschung.» Über das weitere Vorgehen – allenfalls auch die Aberkennung der Titel – müsse die medizinische Fakultät der Uni Zürich entscheiden.

Die Universitätsleitung in Zürich hat inzwischen der Medizinischen Fakultät den Auftrag erteilt, den Sachverhalt abzuklären und der Universitätsleitung Bericht zu erstatten. Bevor die Abklärung erfolgt sei, nehme die Universität Zürich nicht weiter Stellung, schreibt sie in einer Mitteilung.

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171 Kommentare

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  • Kommentar von Mathis Stoffel, Winkel
    Es muss wohl ein personeller Notstand herrschen, wenn die Uni ZH Promotionsrechte an Titularprofessoren abgibt. An anderen Unis ist gemäss Promotionsreglement ausschliesslich ein Ordniarius (ordentlicher Professor) als Doktorvater akzeptiert und ein Extraordinarius (ausserordentlicher Professor) als 2. Referent; in Ausnahmefällen ein Titularpofessor. Dies ist keine Wertung über wissenschaftliche Qualifikationen, sondern nur ein Hinweis auf das besondere Promotionsreglement der Uni ZH.
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  • Kommentar von Hans Wuhrmann, Amriswil
    Vor über 40 Jahren schon waren am med-hist. Institut die Mediziner-Dissertationen schnell und "billig" zu haben. (Während mein "Betreuer" lange Zeit keinen zweiten Doktoranden mehr fand - kein Wunder, die Geschichte dauerte volle 5 Jahre.) Und damals war von Prof. Mörgeli noch keine Rede.
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    1. Antwort von Arnold Ganz, Möhlin
      Aus vielen Forumbeiträgen, offenbar auch von promovierten Ärzten, ist zu entnehmen, dass ein Doktortitel der Medizin zu einfach und zu billig zu haben sei. Wenn es so ist, dann ist dies ein Problem der Uni Zürich, welche offensichtlich jede Menge Zeit hat, um sich mit offenen Fragen, selber in die Pfanne zu hauen. Unser linkes SRF, stellt dazu nur allzu gerne die mediale Basis zur Verfügung, wenn sich dafür die Gelegenheit bietet, Herrn Mörgeli auf dem "heissen Stuhl" unfair zu grillieren.
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  • Kommentar von Katharina Müller, 8400 Winterthur
    @ L. Kunz Es geht um Texte, die zum Teil 500 Jahre alt sind!
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